MV Agusta Enduro Veloce 2024
Die Lucky Explorer 9.5 nun als MV Agusta Enduro Veloce!
MV Agusta hat sich nun doch dafür entschieden, die Enduro Veloce unter dem edlen Markennamen und nicht unter LXP auf den Markt zu bringen: Aus LXP Orioli wird die erstaunlich geländetaugliche MV Agusta Enduro Veloce!

Warum nicht, dachte ich, als ich vor einigen Jahren auf einer der grossen Messen direkt am MV Agusta-Stand einen Lucky Explorer Project-Bereich sah. Die Modelle Lucky Explorer 9.5 und Lucky Explorer 5.5 sahen durchaus fertig aus und hätten wohl auch bald in Serie gehen können. Durch die bewegte MV-Geschichte in den letzten Jahren wurde das Projekt aber offensichtlich auf Eis gelegt, wenn auch die LXP Orioli, mit vollem Namen LXP Edi Orioli Edizione Limitata genannt, ab wohlfeilen 34.500 Euro in der MV Agusta-Preisliste steht.
Die neue MV Agusta Enduro Veloce 2024 will wohl im Gelände spielen!
Nun hat das Kind also einen (neuen) Namen, die MV Agusta Enduro Veloce wird mit (vielleicht sogar weit) über 20.000 Euro zwar immer noch kein Schnäppchen sein, aber doch erheblich günstiger als die Limited Edition der LXP. Dafür sieht die Enduro Veloce in ihrer MV-typischen Lackierung in Rot/Silber so richtig fesch aus und es wird auch aus technischer Sicht eine Menge geboten - die Enduro Veloce scheint mit ihren langen Federwegen und den Offroad-Reifendimensionen ein durchaus geländegängiges Adventure-Bike. 90/90-21 an der Front, 150/70-18 hinten und jeweils 210 mm Federweg der fetten 48 mm-USD-Gabel von Sachs und dem Sachs-Monofederbein sollten bei 220 Kilo Trockengewicht durchaus konkurrenzfähig sein. MV Agusta will es vielleicht nicht gerne hören, aber eine Ducati DesertX ist bestimmt (auch vom Preis her) sehr gut mit der neuen Enduro Veloce vergleichbar.
Motor und Sound der MV Agusta Enduro Veloce dürften ziemlich einzigartig sein
Beim Triebwerk setzt die Enduro Veloce aber nicht auf den üblichen Zweizylinder, den das Gros der Adventure-Bikes in dieser Klasse besitzt, sondern auf einen 931 Kubik grossen Reihen-Dreier mit gegenläufiger Kurbelwelle, der mit 124 PS bei 10.000 Umdrehungen ganz gut im Futter zu stehen scheint. 102 Newtonmeter bei 7000 Touren sind ebenfalls kein übler Wert, man wird sehen, ob der Dreizylinder auch untenrum ordentlich Schmalz bietet, MV gibt jedenfalls an, dass ab 3000 Umdrehungen stets mindestens 85 Prozent des maximalen Drehmoments abgerufen werden können. Mit dem typischen Dreizylinder-Sound steht die Enduro Veloce auch ziemlich alleine da, denn Yamahas Dreiender wird nicht in einer geländeorientierten Reiseenduro verbaut und Triumph versucht bei den Tiger 900-Modellen per Hubzapfenversatz eher einen Zweizylinder zu imitieren.
Nur das Beste - Brembo Stylema Bremsen auf der geländeorientierten Reiseenduro!
Interessant ist auch die Wahl der Bremsen, eine Brembo Doppelscheiben-Anlage mit radialen Monobloc-Stylema-Bremssätteln macht auf so manchem Superbike eine gute Figur und wirkt auf einer geländeorientierten Reiseenduro fast schon zu viel des Guten. Allerdings spricht diese Wahl auch für die ausserordentlich gute Dosierbarkeit dieser Bremse und über zu wenig Bremsleistung wird man sich wohl nicht beschweren können.
Typisch MV Agusta: Enorm viel Elektronik auf der Enduro Veloce
Bleibt schliesslich noch die Elektronik, die bei MV Agusta zumindest in den letzten Jahren sehr wichtig wurde und bei der die Italiener in einigen Bereichen sogar Vorreiter waren. Da wundert es nicht, dass die Enduro Veloce ziemlich alles inkludiert hat, was es derzeit an Elektronik-Features für eine 1000 Kubik-Reiseenduro und darüber so gibt. 6-Achsen-IMU, Full Ride-by-Wire, vier Fahrmodi (Urban, Touring, Off-Road und Custom All-Terrain), Kurven-ABS (am Hinterrad ganz abschaltbar), Quickshifter EAS 4.0 samt Blipper (auch bei geöffnetem Gas runterschalten), achtfach verstellbare, schräglagenabhängige Traktionskontrolle (auch auf die Bereifung Onroad/Offroad abstimmbar), zweifach einstellbare Motorbremse, Launch Control, Wheelie-Control, Rear-Wheel-Lift-Control, Tempomat, 7 Zoll Farb-TFT-Display (samt Connectivity über MV Ride App) und Bedienelemente mit LED-Hintergrundbeleuchtung.
Was sagt KTM zu einer Reiseenduro von MV Agusta?
Es ist kein Geheimnis, dass KTM mittlerweile mit 50,1 Prozent die Mehrheit an MV Agusta übernommen hat, da stellt sich natürlich die Frage, warum die Mattighofener nun eine Reiseenduro von MV auf den Markt werfen. Nun, genau genommen schiebt sich die edle Enduro Veloce zwischen die KTM-Reihen 890 Adventure und 1290 Super Adventure (und auch über die Husqvarna Norden 901) - da dürfte man sich eigentlich nicht wirklich gegenseitig ins Gehege kommen und Konkurrenz im eigenen Haus belebt angeblich ohnehin das Geschäft. Wahrscheinlicher ist aber, dass das Projekt ja in Wahrheit seit zwei Jahren als Lucky Explorer 9.5 fertig ist und es schon sehr unklug wäre, die Entwicklungskosten einfach völlig ungenützt stehen zu lassen. Die kleinere Lucky Explorer 5.5, die von QJ Motors entwickelt wurde, wird voraussichtlich ohnehin fallen gelassen. Falls nun jemand meint, Enduros hätten bei MV Agusta gar keine Tradition, so liegt er völlig falsch. Denn bereits 1946 gewann eine MV Agusta 98 ein Gleichmässigkeitsrennen, drei Jahre später errang MV Agusta bei den britischen Six Days den ersten internationalen Sieg.

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Bericht vom 05.04.2024 | 18.316 Aufrufe