Husqvarna Offroad ABS
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Husqvarna Offroad ABS |
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Ja, richtig gelesen. ABS im Gatsch! Damit geht der Titel für das erste offiziell vorgestellte ABS Offroadmotorrad an die BMW/Husqvarna Group. |
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Ich war doch leicht irritiert, als die auf der Einladung nach Hechlingen Husqvarna ABS Technologie stand. Was sollte man sich darunter
vorstellen? Wie soll das funktionieren? Man lenkt ja abseits der
befestigen Untergründe quasi mit der Bremse! Also waren ich und 25
weitere Kollegen aus allen Herren Länder gespannt auf diese
Weltpremiere. Standesgemäss wurden wir mit hochbeinigen bayrischen Luxus
SUVs ins Hotel gefahren. Am Abend fand noch die Präsentation des ersten
serientauglichen ABS für Sportenduros auf dem Programm. Damit wir so
richtig lange Zähne für den folgenden Tag bekamen. Obwohl es sich um
einen Prototypen handelt, sieht das Ganze schon recht serientauglich
aus. Kurzer geschichtlicher Exkurs: Was viele nicht wissen, Husqvarna hat bereits 108 Jahre Erfahrung im Motorradbau am Buckel. Der erste Sieg gelang 1916 beim legendären Novemberkasan in Schweden. Danach folgten Strassenrennsporterfolge in den 1930er Jahren. Der Durchbruch im Offroadrennsport gelang in den 1950er Jahren. Kultcharakter erlag Husqvarna in den 1960ern mit Schauspiellegende Steve McQueen. 2007 wurde Husqvarna Teil der BMW Group. Demnach folgten im Laufe der Zeit 82 Weltmeistertitel. Alleine heuer konnte mit Juha Salminen und Antoine Meo 2 Titel in der Enduro WM errungen werden. BMW war vor 23 Jahren der erste Motorradhersteller, welcher seine Motorräder mit ABS Systemen ausgestattet hat. Damit liefen bei BMW bislang 1,2 Mio. Motorräder mit ABS vom Band! |
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Offroad-ABS mit blockierendem Hinterrad. |
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Nachdem sich die ABS Technologie in den letzten Jahren rapide
weiterentwickelt hat, findet dieses auch im Strassenrennsport immer mehr
Zuspruch. Durch die mittlerweile sehr kompakte und leichte Bauweise ist
nun die Anwendung im Offroadsport eine weiter logische Konsequenz. Die
umgebaute Husqvarna TE449 wurde mit einem Offroad-ABS mit blockierendem
Hinterrad vorgestellt. Dieses 2 Kanal ABS System besteht aus 2
Radsensoren, welche die Drehzahl an Vorder- und Hinterrad messen,
Druckmodul, Hydraulik und Regeleinheit. Und das ganze wiegt weniger als
1,5kg. Doch so einfach war die Entwicklung nicht. Bereits seit 2007 wird an dem System gearbeitet. Nun ist man soweit, dass dieses System serienreif ist. Wann die ersten Motorräder mit diesem System im Geschäft stehen, ist noch nicht fixiert. Wie funkt das ganze jetzt in Natura? Das Gelände in Hechlingen bietet alles, was das Enduroherz begehrt. Auf 22ha haben BMW Begeisterte die Möglichkeit, ihre Motorräder auf losem Untergrund kennen zu lernen. Doch heute wurde mal ordentlich angeschraubt. Unsere Guides waren Gerhard Forster und Andi Lettenbichler, also alles andere als Unbekannte in der Szene. Zuerst ging es auf die technisch anspruchsvolle X-Track Strecke. Eins vorweg, wenn man im Normalmodus um die Strecke flaniert, merkt man nichts vom ABS. Ernst wird es bei Angriffsmodus oder wenn der Untergrund sehr rutschig wird. Dann spürt man ein leichtes Vibrieren am rechten Zeigefinger und erkennt, wie oft das Vorderrad zum Blockieren neigt. Bislang fiel mir das gar nicht so auf, denn durch den losen Untergrund merkt man das oft gar nicht. |
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Grosse Augen unter der Brille. Eine knackige Abfahrt war dabei bei der
mir jede Runde die Augen leicht aus der Fassung sprangen. Denn das ABS
System lässt kein blockieren zu. D.h. es wird auch kein Bremskeil
zwischen Reifen und Untergrund aufgebaut. Damit ist die Bremswirkung oft
nicht die selbe als mit blockierendem Vorderreifen. Das hat dann zur
Folge, dass die Verzögerung oft nicht die ist die man für gewöhnlich
erwartet. Das klingt zwar im ersten Moment unlogisch, ist aber so. Im
nächsten Umlauf fuhr ich dann die selbe Runde mit einer 449er ohne ABS.
An der selben Stelle konnte ich die Geschwindigkeit mehr drosseln als
mit ABS und die Adrenalinausschüttung war an der Stelle auch wieder im
normalen Bereich. Sensationell funktioniert das System wiederum bei
Vollbremsungen aus Schotter. Da kann man ohne grosse Fahrkenntnisse voll
in die Bremse greifen und das Motorrad bleibt stabil wie ein ICE. Kein
weg knicken des Vorderrades, oder ausbrechen. Für wen ist das
System ein Vorteil? Für alle Hobbyenduristen die auf Nummer sicher
gehen wollen und nicht bei jeder falschen Reaktion auf losen Untergrund
ein Mauserl fangen wollen. Für all diese Fahrer(innen) bietet das ABS
einen Sicherheitspolster. |
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Es liegt eben beim jeweiligen Einsatzzweck. Ausserdem darf man nicht
vergessen, dass es sich hierbei um einen Prototypen handelt und die
Weiterentwicklung noch weiter voran schreiten wird. Auf alle Fälle
wieder ein technischer Meilenstein den BMW sich auf die Brust heften
darf! P.S.: Übrigens die Österreicher Fraktion vor Ort konnte auf allen Linien überzeugen. In der inoffiziellen Nationenwertung konnten wir (Airbert, Halsi und ich) die Buffet- und Barwertung gewinnen. Dennoch waren wir im Morgengrauen die ersten auf der Strecke. Zwar traten wir auch als erste die Rückreise an, doch nach Hause kamen wir wahrscheinlich als letzte. Unser Flug wurde gestrichen! Wenn wir das gewusst hätten, wären wir mit der 449er nach Hause gefahren! |
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Fotos: Husqvarna/BMW |
Bericht vom 09.11.2011 | 8.077 Aufrufe