Ronda-Runde Teil.1
Ronda-Runde |
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Mit der KTM 690 SM LE in Andalusien (Teil.1) |
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Kikeriki! Kikerikiiiiii! Kikerikiiiiiiiiiiiiiiiiiii! Hmpf. Was ist denn das? Stockfinster ist es. Drinnen wie draussen. Wie spät is denn?, ächzt Babsi. Vier Uhr! Ich will diesen Hahn. Am Abend. In der Suppe, knurrt sie. Ja, spinnt dieser Gockel denn? Leidet er an seniler Bettflucht? Oder ticken die spanischen Hähne anders, früher, als die österreichischen? Prompt kratzts dann auch noch an der Tür. Wuff, machts draussen. Pscht, zischt Babsi: Hau ab! Der Hund trollt sich. Kein Äusserln vor neun Uhr. Immerhin ist auch der Hahn jetzt wieder stumm. Offenbar heiser geschrien. Alleweil: vier Stunden sinds noch, bis die Sonne aufgeht. Und dann gibts bald Frühstück. | |
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Anflug auf Málaga: Was für ein herzerfrischender Anblick nach dem winterlichen Grau! |
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Empfangskomitee am Flughafen von Málaga: Manfred und seine noch ganze 1100er-GS. | |
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Routen-Besprechung bei einer echt spanischen Jause. |
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Auf dem Weg von Málaga nach Villamartín: Perfekter Auftakt für acht Tage Motorradfahren in Andalusien |
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Jamón, Quesos, weisses Brot, Eierspeis von frischen Hühnereiern alles ist da, was das Spanien-Klischee verlangt. Nur der Kaffee ist nicht ganz das, was Caffè-Süchtige in konzentrierter Quantität in der Früh brauchen. Kein Problem. Man ist ja mit Manfreds Motorradreisen vulgo Nespresso-Tours unterwegs. Zur perfekten Abrundung lacht die Sonne beim Fenster herein, wir sind geradezu geblendet. Wenn einer die Tür offen lässt, ist es auch gut, denn es WARM, gut fünfzehn Grad hats draussen. Plus. Zwischen zwei Punsch-Terminen, bei klirrend kaltem Dezemberwetter, hatten wir unsere Mopetten in Manfred Cyrans Iveco deponiert. Meine kleine 690er-Kante und Manfreds nicht mehr ganz taufrische XT 350. Eine weise Voraussicht, wie sich zeigen wird. Im Laderaum stand, abreisebereit, auch schon Babsis Suzi. Knapp vor dem Christbaumkerzen-Anzünden setzte sich der Lkw Richtung spanischen Süden in Bewegung, nach Andalusien. Während wir uns denken, dass die armen Daheimgebliebenen bibbern und auf Eisplatten ausrutschen, sitzen wir auf der Hacienda Buena Suerte nahe Villamartín - nicht weit weg von der andalusischen Hauptstadt Sevilla - und schmieden Pläne, wohin wir denn heute unsere Eisenrösser treiben werden. Aber erst müssen wir die Böcke vom Lkw runterholen. Dabei zeigt sich: Meine Kante ist erwartungsgemäss wohlauf. Die anderen Eisen, mehrere Dickschiffe und auch schlanke Nackte, natürlich auch. Bis alle Mopetten abgeladen sind, dauerts eine Zeit lang. Zeit für einen Rundgang. Schliesslich sind wir ja am Vorabend im Finstern angekommen. |
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Zum Frühstück scheint die andalusische Sonne beim Fenster herein. |
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Ausser dem Abendessen in heimelig-gemütlichem Ambiente - im Frühstücks-, Essens-, Wohn- und Bar-Raum - lodert zentral ein knisterndes Kaminfeuer) - samt samtigem spanischem Roten haben wir noch nichts geschmeckt und gesehen. Nur gehört, siehe Hahn, siehe Hund, auch Pferde (schnaubend) und Gänse (schnatternd). | |
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Die Hacienda Buena Suerte: Paradies für Pferde und andere Tiere unter Palmen und zwischen Olivenbäumen. |
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Die Hacienda Buena Suerte ist ein gar nicht kleines Reich, erstreckt sich über ein weitläufiges Areal, abseits von Durchzugsstrassen: ein typisch andalusisches Gehöft Wohnhäuser, Ställe, Nebengebäude - mit Gärten, lauschigen Plätzchen, stillen (Wander-)Wegen, ein Swimming Pool fehlt nicht (der ist aber im Winter leer, so warm ist es auch wieder nicht), dazu Palmen, Olivenhaine, vollreife Orangen in den Bäumen, saftig-grünes Gras, rote Erde, allerlei blühende & duftende Blumen und jede Menge Tiere. Hauptdarsteller sind, no na, es ist eine Pferde-Ranch, die Pferde. Die dürfen nahezu alles. Auch ins Wirtshaus, an die Bar. | |
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Hauptdarsteller auf der Hacienda Buena Suerte sind die Pferde. Die haben sich lieb. |
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Dazu kommen noch ausser einer bunten Mischung an anhänglichen Hunden und verschmusten Katzen Esel, Schafe, Pfaue, Fasane, Gänse, Hühner, auch Geier, und ein Bussard. Der sich grad kringelig ärgert, kreischend seine Federn bis zum Anschlag sträubt. Denn jener Hahn, der uns um vier Uhr früh aus dem Schlaf gekräht hat, produziert sich provokant vor dem Käfig des edlen Jagdvogels. |
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Brehms Tierleben in Andalusien, Hunde & Katzen, Hendln & Schafe. |
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Ganz im Bann der Orgie aus Licht und Farben lustwandelnd fiel uns zuerst gar nicht auf, dass sich dunkle Wolken vor die Sonne geschoben hatten. Das nasse Ende folgte auf dem Fuss: Kaum standen die Motorräder 690er-Kante, 1100er-GS, 1200er-Roadster, 400er-Supermoto, Gladius und FZ1 - fein säuberlich auf dem Parkplatz aufgereiht, rauschten wütende Windböen daher, gefolgt von einem ebenso wütenden und rauschenden Wolkenbruch. Alles rannte und rettete sich ins Haupthaus. Es hörte gar nicht mehr auf zu stürmen und zu schütten. Und so verbrachten wir den ersten Tag am Kaminfeuer. Akklimatisieren kann man das auch nennen. | |
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Irgendwann hört jeder Regen auf. Und so wars am nächsten Morgen einigermassen trocken und freundlich. Gefahren wären wir aber so oder so. Denn auch wenns feucht war: Kalt war es nicht. Ziel Nummer eins: Jerez de la Frontera. Schliesslich muss man sich ja auch mit der örtlichen Ess- und Trinkkultur vertraut machen. Also auf zum Tio Pepe, hatten wir beschlossen. Thomas und Sabine, die eigentlich ausser Konkurrenz sprich ausserhalb unserer vierköpfigen Gruppe als externes Zweier-Gespann, das Andalusien auf eigene Faust erkunden wollte - mit nach Andalusien gekommen waren, schlossen sich uns an. Schlussendlich die ganze Wochen lang. |
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Nach jedem Regen kommt die Sonne wieder, jeder helle Moment wurde ausgenützt. |
Der Sherry-Onkel Tio Pepe wacht auch über den Circuito de Jerez de la Frontera. |
Wir stellten uns geschlossen bei der Kassa der Sherry-Kellerei an, um ein Ticket für einen informativen Rundgang zu lösen. Die wollten aber pro Nase statt wie üblich sieben plötzlich zehn Euro von uns. Worauf wir dem Pepe-Onkel den Rücken kehrten und auf der Haupt-Plaza von Jerez in ein Café einkehrten. Zum Brunchen. Dafür belohnte uns das Wetter mit Sonnenschein. Der verflüchtigte sich zwar wieder beim Rundgang durch Gassen und Markhalle. Aber, noch einmal: Es blieb warm, und wir SCHWITZTEN in unseren Motorrad-Kluften. | |
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Jerez de la Frontera hat Tio Pepe, eine schöne Plaza, nette Kaffeehäuser und auch sonst ganzjährig viel zu bieten. |
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Der Markt in Jerez macht Lust und Appetit. |
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Fisch und frisch. |
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Der Himmel war wenig blau über Arcos de la Frontera, das Dorf war trotzdem weiss. |
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Man kann nicht mit dem Motorrad im Süden von Andalusien herumfahren ohne zumindest einen Sprung zur Rennstrecke, dem Circuito de Jerez de la Frontera, zu machen. Dort herrschte Hochbetrieb. Trotz mittlerweiligem Nieselregen. Das Rausfahren auf die Strecke liessen wir aber sein. Der Eintrittspreis war zu hoch. Statt dessen schraubten wir uns hoch, zur Strasse der Weissen Dörfer. Arcos de la Frontera mit seinen engen und steilen Gassen ist immer ein Abenteuer, besonders wenn das Strassenpflaster nass ist. Doch was tut man nicht alles für einen schönen Ausblick. Seine schönste Seite zeigte uns der Süden Spaniens am darauffolgenden Morgen: Sonne, blauer Himmel, der Untergrund so gut wie trocken. Pünktlich um zehn Uhr sassen alle sechs auf ihren fünf Mopeds, und wir schwärmten aus, erst einmal in Richtung Tankstelle. Bis auf ein paar schlammige Vermurungs-Reste schien auch der Asphalt trocken. Wir kamen ganze 1,8 Kilometer weit. |
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Nur ein paar Kilometer von der Hacienda: Villamartín mit Plaza, Kaffeehaus und Motorrad-Veteran. |
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Nach dieser Distanz zeigte uns Manfred
vor, wie hoch eine GS 1100 fliegen kann. Das schaut aus wie ein
springendes Nilpferd. Und das ist im Schlamm so sehr zu Hause, dass es
sich gleich drin wälzen muss. Vorher hatte sie noch den Manfred
abgeworfen, der in weiterer Folge bäuchlings durch den verschlammten
Strassengraben surfte. Ausgiebig. Dabei nahm er zum Glück nur wenig
Schaden. Die GS aber schon, mit Verlust der Fahrtauglichkeit. |
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Die Pferde dürfen alles. Auch ins Wirtshaus, an die Bar. |
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Die XT, das Drittmotorrad: Das PS-Manko machte Manfred mit Einsatz wett. |
Das Leistungs-Manko von gut 50 PS gegenüber der GS machte er fortan mit höherem und hohem Engagement wett. |
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Und überhaupt: voll Andrücken war sowieso nicht angesagt, der Asphalt
hatte den vieltägigen Dauerregen
noch längst nicht restlos aus dem Boden aufgetunkt. So wilderten wir ein wenig zwischen Sevilla, Jerez und Ronda in den Kurvenrevieren, je nach Wetter- und Gemütslage. Ein fixes Ziel hatten wir: Am ersten Tag des Neuen Jahres nach Gibraltar fahren. Nach einer stillen & klaren Vollmond-Silvesternacht (Kracher und Böller sind auf einer Pferde-Hacienda dankenswerterweise ein grosses No-No) waren wir topfit für die erste Ausfahrt des Jahres 2010. Das Wetter zeigte sich trotz überschäumend positiver Prognosen den ganzen Tag strahlend blauer Himmel und strahlender Sonnenschein nicht ganz so fit. |
Gegen Schlamm-Befall hilft ein kräftiger Kärcher in jedem Fall. |
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In den Bergen zwischen Villamartìn und dem Meer hatten sich Regenwolken und Nebelschwaden zu fest eingenistet. Trotzdem war das Fahren fröhlich und entspannt, der Jamón schmeckte gut wie immer und der Kaffee im Wirtshaus Venta del Puerto de Galiz gar nicht schlecht. | |
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Venta del Puerta de Galiz. Drinnen hats Kaminfeuer und viel Jamón Iberico. |
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Text: Trixi Keckeis |
Bericht vom 04.02.2010 | 5.113 Aufrufe