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150.000 Räder für ein
Harleyluja |
13. European Bike Week, 7. 12. 9.
2010, Faak am See |
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So sicher wie Weihnachten alle Jahre wieder
kommt, so sicher kommt seit 1998 die European Bike Week an den Faaker
See in Kärnten: Dort gibts harte Männer, wilde Weiber, einen Haufen
Harleys, dazu Benzindampf, Ölschwaden und Grillfeuer, das Ganze
akustisch untermalt von Bollern, Knattern und Knallen, nicht zu
vergessen RocknRoll, Rock & Country. 100.000 Gäste haben sich das
heuer wieder gegeben. |
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Man müsst sich zersprageln können. Nicht-Österreichisch-Mächtige holen
sich jetzt Übersetzungs-Rat aus dem Internet und können im
Online-Wörterbuch finden: sich aufreiben, Vieles gleichzeitig tun,
aufopfernd einsetzen. Also Ersteres: nein. Zweiteres: ja (auch wenn
unsereins eh gut multitasking-fähig ist). Dritteres: jein. Also wegen
dem Zersprageln: Es ist leider unmöglich, an mehreren Orten gleichzeitig
zu sein. Umso unmöglicher ist es, bei einem Biker-Treffen, das um einen
ganzen See und darüber hinaus geht, ALLES zu sehen. Auch wenn Vieles
gleichzeitig tun eigentlich schon geht. Aber das nicht. Und von wegen
Aufopfern: Jemand, der Harley-Davidsons nicht leiden kann, der wirds
nicht tun: nach Faak am See fahren, wenn es wieder soweit ist, wenn
wieder die European Bike Week rund um den Faaker See in Kärnten geht.
Und für die, die Harley fahren und lieben, ist es alles andere als ein
Aufopfern, für die ist es hohe Pflicht. |
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Es geht rund um den ganzen Faaker See rund. Und darüber hinaus. Was als
eine kleine Geburtstagsfete anlässlich des 95-Jahr-Jubiläums von
Harley-Davidson im Jahr 1998 mit 30.000 Gästen begonnen hatte, hat sich
zum grössten Eintrittskosten-losen Motorradtreffen Europas
ausgewachsen. Im Laufe der Jahre wurde aus dem Marken-Stelldichein die
European Bike Week. Offen für alle Marken. Trotzdem herrscht der US-Ton
vor. Das Festl wird ja von Harley-Davidson ausgerichtet, samt
Importeuren und Dealern, das hat Tradition. Traditions-Status erreicht
hat die Bike Week auch für die Region rund um den Faaker See. Sie war
schon öfter, und heuer schlug es dreizehn. Das mögen manche
Abergläubische mit den miesen Wetter-Prognosen in Zusammenhang gebracht
haben. Gekommen sind trotzdem rund 100.000 Gäste auf an die 75.000
Eisen. Und die brauchten Platz, viel Platz.
Das erklärt eingangs beschriebenes Bedauern, sich nicht zersprageln zu
können. Denn es ist überall was los. Seis im auf 40.000 Quadratmeter
vergrösserten Harley-Village, dem Event-Gelände. Seis an - sowie
zwischen - den Ständen der zwanzig Vertrags- und vierzig freien Dealer
aus Österreich, Deutschland, Italien und dem Baltikum, mit allem, was
man sich selbst und seiner Harley und ebenso Buell anziehen
beziehungsweise umhängen kann. Seis in der Customizer Area (Custom Bike
Show), dem Expo-Zelt (Modelle 2011), der Motodrom Sintschnig Area (Show,
Service, Ausstellungen) und dazwischen.
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Über all dem schwebt ein Sound-Teppich aus Bollern, Grollen, Knallen.
Es rockt die ganze Gegend. Auf den Strassen rund um den See, in
Einbahn-Richtung, in den Zelten, auf den Plätzen, von denen zum Parken
an den neuralgischen Stellen bald keine mehr sind. Auch über die Strasse
gehen geht nur, wenn grad einer da ist, der die (Schulweg-)Sicherung
übernimmt. Über all dem schwebt eine Geruchs-Wolke aus Holzfeuer-Rauch,
Düften aus unterschiedlichsten Küchen vom Burger über Pizza & Spiesse
bis zu Kebab und Acht Schätzen, auch Schnitzel & Co sind dabei (das
Ernährungsangebot ist internationaler denn je), und sie ist untermalt
von Dämpfen aus Bier- sowie anderen Fässern und Flaschen. Dazu gesellen
sich Benzin- und Öl-schwangere Geruchsschwaden, die von den Uferstrassen
herüberwabern, durchsetzt mit einer beissenden Note von anbrennenden
Kupplungen und erhitzten Bremsbelägen. Rund um die neuralgischen Punkte
ist nämlich Schritt-Tempo angesagt, nicht bloss wegen der Ordnungshüter,
genauso wegen der Dichte des Eisen-Defilées. |
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Man könnte glatt den Überblick verlieren wären da nicht einige
Ruhe-Oasen. Wie die Choppers Bar, wo eh alles vorbeikommt, was zu Fuss
unterwegs ist. Sehen und gesehen werden ist hier angesagt. Und
sinnieren, wie man selektieren könnte, einigermassen planmässig:
Expo-Zelt, die Neuen anschauen und zuschauen, wie andere Probe sitzen,
von der grossen Freiheit träumen. Die Customizer Area abklappern und
staunen, was man alles wie umbauen kann, um in der Custom-Bike-Show so
aufzufallen, dass ein Reise zur Official AMD World Championship of
Custom Bike Building dabei herausschaut. Durch die Dealers Area
schlendern und schauen, was es Neues gibt, an Equipment & Accessories.
Oder sich einer der geführten Touren anschliessen, durch Oberkärnten oder
gleich über die Grenze(n) nach Slowenien und Italien. Manch einer tat
das trotz Regen. Auch kostenlos Probe fahren mit den aktuellen
Modellen. |
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Schön ist auch, dass man Leuten begegnet, die man sonst nie oder nur
kaum sieht. Freunde, Bekannte, fallweise auch Verwandte aus dem In-
und Ausland. Bei aller Bewegung von Massen ist so eine Bike Week ebenso
ein Familien-Treffen. Man plaudert hier, schwätzt dort, bewegt sich
dabei automatisch von Ort zu Ort. Auf jeden Fall bleibt man in Bewegung.
Manchmal notwendigerweise: An den ersten drei Tagen wars oft eine
Zum-Aufwärmen-um-sich-schlag-, häufig auch eine Lauf-Bewegung. Das
Wetter-Orakel hatte nämlich während der ersten Bike-Week-Hälfte recht
behalten: mehrere Variationen von Regen suchten die Gegend heim, ganz
abgesehen von höchst unspätsommerlichen Temperaturen. Stürzten dann die
Wasser vom Himmel stellten die Gäste auf den Shoppen-statt-Cruisen.
Und Zeltfest-Modus um. Es wurden vereinzelt auch Glühwein-Angebote
gesichtet. Letztendlich hört es sich gut aufgewärmt auch besser Musik.
Denn die gabs immer, aus der Konserve und in echt von 28 Live-Acts -
grad ein paar Stunden zwischen tiefer Nacht und frühem Vormittag waren
ausgespart.
Das Wetter ist immer ein Thema. Zum schönen
entwickelte es sich am Freitag. Von Altweibersommer zwar wenig Spur(en),
aber die Sonne geruhte zu (er)scheinen. Damit geriet die Parade nicht
zur Schwimm-Demonstration. Gut 25.000 Eisen legten um die Mittagszeit
den Individualverkehr drei Stunden lang lahm. Gar nicht gelähmt waren
trotzdem die Zuschauer, die sind das schon gewohnt, dass sich einmal pro
Jahr ein Bandlwurm mächtiger Eisen die etwa achtzig Kilometer von Faak
über Finkenstein, Villach, Ossiach und Rosseg wälzt.
Am Ende der Woche, die am Sonntag mit dem obligaten Motorradgottesdienst
ihren Ausklang-Anfang nahm, resümierten die Harley-Davidson-Presseleute
144 Stunden European Bike Week: What a feeling! Das wirds auf alle
Fälle bis 2013 geben, das steht derzeit schon fest. Fest steht auch der
Termin fürs nächste Jahr: 6. bis 11. September 2011. Die Gebete für
schönes und warmes! Wetter können schon jetzt bei den Zuständigen
eingereicht werden. Und wenns wieder nicht ganz so schön ist,
werden die Harleystas trotzdem kommen. Und dann werden vielleicht noch
mehr als 150.000 Räder und Zylinder ein Harleyluja anstimmen. |
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Slideshow mit mehr als 100 Bildern |
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Interessante Links:
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Text: Trixi Keckeis
Fotos: Trixi Keckeis, Harley Davidson
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