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Nichts ist wichtiger, als auf dem
richtigen Enduromotorrad zu sitzen. Denn Leiden im Wald ist viel schlimmer als
eine verlorene Sekunde auf der Rennstrecke oder mangelnder Komfort auf der
Strasse. Die Präsentation der neuen KTM Modelle, diesmal im Modelljahr 2007,
nehme ich besonders ernst. Welches Bike wird mein treuer Begleiter für die
kommende Saison? |
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Modellpflege und kleine Speerspitze Bei den Enduro Bikes wurde die gesamte Palette wieder perfekt gepflegt. Doch das
grosse Highlight ist der neue kleine Viertakter. Den quirligen Motor aus der
250er 4 Takt Motocross gibt es nun auch in einer echten Enduro.
KTM tauft die moderne Speerspitze in der Enduro Reihe EXC 250 F. Nach den
nächtlichen Regenfällen in Mattighofen musste sich das neue Bike sofort auf
selektivem Terrain beweisen. Schon bei der Einfahrt in den Wald fühlte ich mich
auf der kleinen 4-Takter wie daheim. Handling und Agilität erinnert mich an
meine 250er 2-Takter. Mit einem Gewicht von 107,2 kg wiegt das orange Wiesel nur
4,6kg mehr als die 250 EXC mit 2 Takten.
Unschlagbar bei Abfahrten
Beinahe unschlagbar das Fahrverhalten bei trickreichen Abfahrten. Die sanfte
Motorbremse des kleinen 4-Takters lässt sich sauber und bequem einsetzen. Ebenso
die bewährten Brembo Bremsen. Am Ende der Abfahrt eine enge Kurve welche in
einen langen Steilhang übergeht. Gute Piloten nutzen die tiefe Rille als
Anlieger und schiessen den Hang hinauf. Ich nudle durch die Rille und leg den
Gasgriff im Drehzahlkeller um. Hier hat die 250er nicht besonders viel zu
bieten. Mit starkem Kupplungseinsatz hebe ich die Drehzahl um ein paar Oktaven
und ziehe einen sauberen Strich hinauf auf den Berg.
Nix ist unmöglich! Oder doch?
Besonders bei kleinen Motoren ist eine zufriedenstellende Motorabstimmung eine
heikle Angelegenheit. Für entsprechende Spitzenleistung ist ein grosser
Vergaserquerschnitt notwendig. Öffnet man im Drehzahlkeller die Schleuse von
Freund Keihin, verhungert der Motor ein wenig. Bei der neuen 250er ist die
Abstimmung zwar sehr gut gelungen aber das Unmögliche wurde nicht geschafft.
Kompensiert wird dieses Manko aber durch die irren Drehzahlreserven des Motors.
So hat man ein sehr weites Drehzahlband zur Verfügung und kann sich ohne
schalten über so manche Kuppe retten.
Das Bike wählt die Spur
Alle Trümpfe habe ich bei den gnadenlosen Wurzelauffahrten in der Hand. Martin
die Wabe von KTM kämpft eifrig, hat aber mit meiner 250er einen übermächtigen
Gegner vor sich. Die Wurzelallee ist breit. So breit, dass ein gutes Dutzend
verschiedener Spuren hinauf auf den Hang führen. Normalerweise lege ich am
Beginn des Hanges den Hebel um, schliesse im Geiste die Augen und hoffe das obere
Ende des Hanges zu erreichen. Korrigierende Manöver sind mir im Infight mit den
zahlreichen Hindernissen im Normalfall fremd. Nicht so mit dem neuen
Viertelliter Gatschhupfer. Ich steuere präzise von Wurzel zu Wurzel und umgehe
die unangenehmsten Sektionen. Das Bike lässt mich in dieser harten Passage
überraschend routiniert aussehen.
Markenfetischist
Oben angelangt habe ich erst mal Zeit mir mein nun liebgewordenes Baby genauer
anzusehen. Wie immer montiert KTM nur besonders feine und imageträchtige
Komponenten. Magura hier, Brembo da, Renthal, Excel, WP und Keihin um nur einige
Namen zu nennen. Es ist hier tatsächlich so, dass man das Bike von der
Auslage des Händlers direkt zur Startlinie schieben kann. Einzig einen
Motorschutz kaufe ich als vorsichtiger Pilot jedes Jahr auf meine neue Kante. Extrawürstel aus dem
Powerparts Katalog sind zwar fürs Fahrerlager nicht schlecht, zum Siegen aber
nicht zwingend erforderlich.
Ein brauchbares Feature ist auch der abschraubbare Einsatz im Auspuff der EXC.
Optisch ist der Auspuff ohnehin eine Sensation, mit dem kleinen Detail kann man
das Bike den jeweiligen Streckenverhältnissen (legal oder illegal) anpassen.
Einmal EXC-250 F bitte
Die neue 250er hinterliess bei mir einen gewaltigen Eindruck. Diesmal nicht in
Form von Muskelkater, sondern in Form von echter Begeisterung. Noch nie stieg
ich so entspannt nach einer Endurorunde vom Bock. Hobbypiloten werden in der
kommenden Saison sicherlich zahlreich zu diesem Bike greifen. Das Interesse ist
laut KTM Vertrieb enorm. Ich hab auf alle Fälle bereits eine 250er Viertakt
geordert und mein Glück schien vollkommen. Bis zu jenem Zeitpunkt, als mir bei
der Werksbesichtigung eine Six Days Edition meines Traumeisens unter die Finger
kam. Martin die Wabe: "Fahr die Siys Days in Neuseeland mit, dann darfst eine
kaufen..." |
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EXC 250-F Impressionen |
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EXC 250-F Technische Daten |
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Motor |
Motor | Einzylinder 4-Takt |
Hubraum | 249.5 ccm |
Bohrung / Hub | 76/55 mm |
Verdichtung | 12.8:1 |
Starter / Batterie | Kick- und E-Starter/4 Ah |
Getriebe | 6 Gänge |
Vergaser | Keihin MX FCR 39 |
Ventilsteuerung | 4 V/DOHC mit Rollenkipphebeln |
Schmierung | Druckumlauf mit 2 Eaton Pumpen |
Motoröl | 1.1 Liter |
Primärübersetzung | 22:68 |
Sekundärübersetzung | 14:38 (13:52) |
Kühlung | Flüssigkeitskühlung |
Kupplung | Mehrscheiben hydraulisch |
Zündung | Kokusan digital 4K-3B |
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Chassis |
Rahmen | Zentrahlrohr 25 CrMo4 Stahl |
Heckrahmen | Aluminium 7020 |
Lenker | Magura, Aluminium Ø 28/22 mm |
Gabel | WP-USD Ø 48 mm |
Federbein | WP PDS-Federbein |
Federweg vo/hi | 300/335 mm |
Bremsen vo/hi | Scheibenbremsen 260 / 220 mm |
Felgen vo/hi | 1.60 x 21"; 2.15 x 18" Excel |
Reifen vo/hi | 90/90-21"; 120/90-18" |
Kette | Kette 5 / 8 x 1 / 4" |
Auspuff | Aluminium |
Steuerkopfwinkel | 63.5° |
Radstand | 1.475±10 mm |
Bodenfreiheit | 380 mm |
Sitzhöhe | 925 mm |
Tank | ca. 7 Liter |
Gewicht fahrfertig | 107,2kg ohne Benzin | |
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EXC Palette: Chassis News |
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Neue Innerein bei der 48mm USD Gabel.
12mm anstelle von 14 mm Kolbenstange. Weniger Reibung, weniger Gewicht
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Neue Abstimmung am PDS Federbein
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Die herrlichen schwarzen Excel Felgen
sind nun endlich auch an allen EXCs montiert
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Neue noch leichtere Bremsscheiben.
Was aber viel wichtiger ist: geile Optik.
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EXC Palette: Motor News |
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Neue Zylinder bei den 125er und 250er
2-Taktern. Leichter, kompakter, stärker und bessere Leistungsentfaltung.
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Neue Wasserpumpe für 12% mehr
Durchsatz bei allen 2-Taktern.
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Neues Boyesen Membran Gehäuse, neue
Zündkurve, neuer 36er Keihin Vergaser
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Neue CDI Box mit 2 Zündkurven. Eine
für Topperformance, eine für optimale Fahrbarkeit. Zusätzlich dazu bleibt
auch noch das coole Feature mit den verschiedenen Federn für die
Auslassteuerung. So kann sich jeder seinen eigenen Motor bauen.
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Neuer 2-teiliger Kupplungsdeckel bei
allen 4-Taktern. Wer die Kupplung im Gatsch ermordet hat, kann in fünf
Minuten die Beläge wechseln.
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E-Start für 2-Takter |
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Während bei den anderen Herstellern der
2-Takter schon todgeredet wurde, investiert man bei KTM nach wie vor in das
bewährte Konzept. Die 2-Takt Enduros aus Mattighofen werden Jahr für Jahr um
pfiffige Details erweitert. In der Saison 2007 ein neues Highlight: Die KTM 300
EXC-E. KTM lässt sich das federleichte Konzept patentieren. Verfügbar ab
Dezember 2006 in der EXC 300-E. Der Starter passt jedoch auf den 250er 2-Takt
Motor von KTM. Echter Nachteil für harte Jungs: Der E-Starter ist sehr auffällig
platziert und auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. |
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In Wahrheit gibt es für mich beim Kauf
der Enduro 2 Kriterien. Wie schnell kann ich damit fahren und wie wenig Schweiss
und Tränen werden dabei vergossen. Bikes welche viel Training erfordern, kommen
somit schon mal gar nicht in Frage. Denn Training bedeutet bekanntlich Schweiss.
Setzt man diese zwei Kriterien ins
Verhältnis bekommt man den Speed / Schweiss Quotient. |
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Übersicht KTM Enduro 2007 |
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KTM 125 EXC
Du willst richtig Enduro
fahren lernen, hast wenig Knete und willst dich selbst kasteien? Dann ist die
125er EXC genau dein Bike. Sehr leicht, sehr wendig, bei Abfahrten unschlagbar.
Liegt wie ein Spielzeug in den Händen. Doch der Anfänger sollte sich nicht
täuschen lassen. Das kleinste Bike der Offroad Palette ist im selektiven Gelände
am kniffligsten zu fahren. Der Motor muss auf Drehzahl gehalten werden und ein
sauberer Fahrstil ist unbedingt erforderlich. ABER: Wer mit der EXC 125 das
Fahren lernt, wird auf grossen Bikes zum Meister!
Speed / Schweiss Quotient:
sehr niedrig
Preis: 6.598 Euro |
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KTM 200 EXC
Die 125er mit mehr Hubraum.
Etwas sanftere Leistungscharakteristik mit mehr Reserven am Steilhang.
Geringfügig schwerer als die 125er. Ein gutes Bike für wenig Geld. Die 200er ist
auch schon etwas universeller als die 125er. Hobbyfahrer haben damit beim
Trainieren auf der Cross Piste mehr Spass als mit der 125er.
Die Motorabstimmung wurde für
2007 mit zwei Massnahmen verbessert: Ein neues Boyesen Membran Gehäuse und eine
neue Zündkurve sorgen 2007 für eine bessere Motorabstimmung. Ein Schritt mehr in
Richtung 250.
Speed / Schweiss Quotient: niedrig
Preis: 6.798 Euro |
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KTM 250 EXC / 300 EXC
Keine Angst! Der richtige Weg von KTM
"wir machen aus der wilden Bestie einen zähen und treuen Begleiter" wird auch
2007 fortgesetzt. Die 250er bekommt einen neuen Zylinder (500 g leichter und
extrem kompakt) und wird wieder eine Spur sanfter. Trotzdem immer genug Power.
Die beiden Bikes sind mittlerweile auf fast jedem Terrain perfekt. Einzig bei
ganz grausamen Bedingungen ist Training nötig. Doch der echte Könner ist damit
unschlagbar. Enduro-Gott David Knight regiert damit!
Speed / Schweiss Quotient: mittel
Preis 250 EXC: 7.198 Euro
Preis 300 EXC: 7.298 Euro |
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KTM 250 EXC-F
Das perfekte Bike für faule Hunde. Wer
wenig trainiert und trotzdem am Hang nicht weinen möchte, greift zum neuen 250er
Viertakter. Handling liegt auf dem Niveau der 2-Takter, das Gewicht nur mehr
knapp darüber. In beinahe allen Enduro-Sektionen die perfekte Wahl. Einzig auf
tiefen Böden und auf schnellen MX-Sonderprüfungen werden die stärkeren Bikes
davon ziehen. Der Motor kriegt einen Einser, aber keinen römischen. Wir wünschen
uns das Unmögliche: Etwas mehr Schmalz im Drehzahlkeller der 250er.
Speed / Schweiss Quotient: sehr hoch
Preis: 8.098 Euro |
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KTM 400 / 450 / 525 EXC
Die 400er war schon immer mein Geheimtipp
für den Hobbyfahrer. Liegt leistungsmässig genau auf verwertbarem Niveau. Eine
gute Wahl fürs Gelände.
Die 450er ist ein perfektes Universalteil. Du weisst noch nicht genau was die
kommende Endurosaison für dich bringen wird? Dann ist die 450er dein Teil. Ist
auf keinem Terrain eine schlechte Wahl. Etwas schärfere Charakteristik als die
400er. Auf der Sonderprüfung die schnellste 450er Enduro am Markt.
Die 525er ist stark aber nicht brutal. Mit etwas Training bringt man die
Leistung auf den Boden. Sehr empfehlenswert für Piloten welche nicht nur
Hard-Enduro fahren, sondern auch Enduro wandern gehen.
Preis 400 EXC: 8.298 Euro, S/S Quotient: hoch
Preis 450 EXC: 8.498 Euro, S/S Quotient: hoch
Preis 525 EXC: 8.898 Euro, S/S Quotient: mittel |
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Die Wabe ist nicht zu bekehren. Seine Arme rufen nach der 250er aber er steht
auf die 525er. |
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Martin Wabnegger - KTM Österreich im Interview:
NastyNils: Welche EXC wird euer Topseller für 07?
Martin Wabnegger: Die 250 EXC-F wird sich sicher sehr gut verkaufen.
Vermutlich aber etwas zu Lasten der EXC 400. Wir rechnen aber damit, dass die
450er nach wie vor das stärkste EXC Modell bleiben wird.
NN: Welche Rolle spielen die 2 Takter im Verkauf?
MW: In Österreich sind 20% der verkauften EXCs Zweitakter. Am stärksten
verkauft sich dabei die 300er. Hier sind wir auch jedes Jahr ausverkauft. Wie
die 300er mit E-Start einschlagen wird, lässt sich zur Zeit noch nicht
abschätzen. Wird spannend!
NN: Dein persönlicher Favorit fürs Gelände?
MW: Ich bleibe meiner 525er treu. |
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Cooming soon: KTM Motocross 2007. 1000PS fährt alle neuen
Modelle. Highlight: Die neue 450 4-Takt. Lange Arme! |
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Seit dem KTM / Polaris Deal hat die KTM Crew bei den Präsentationen
standesgemässe Fahrzeuge zur Verfügung. Wie am Gesichtsausdruck vom Piloten
Joachim Sauer abzulesen ist, geht er in Sachen "Disziplin auf den
Verbindungsetappen" mit gutem Beispiel voran. Die Beifahrerin Eva kann etwas
Entspannung nach der stressigen Event-Organisation gut gebrauchen. Vor allem die
tolle Aussicht in den Kurven ist grandios. Quer sieht man mehr!
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Text: NastyNils
Photos: Herwig Peuker, Haliklik
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