Moretti & Bloeb
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Brüder Moretti & Bloéb am Bock |
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Vom 50 m langen Steilhang am Erzberg zur 500 Kilometer Mammut-Etappe, von Bergziegen zu Wüstenfüchsen. Tobias Moretti und Gregor Bloéb holen sich vier Wochen vor dem Start zum Africa Race den letzten Feinschliff für die Herausforderung Wüstenrallye im feinen Sand Tunesiens. | |
Start am 27. Dezember |
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In die Wüste geschickt Komplett auf sich allein gestellt, ohne Roadbook und nur mit wenigen GPS Punkten ausgestattet, wurden die Rallye-Apsiranten im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Im östlichen Teil der Sahara präsentieren sich die Dünen nicht sehr hoch, dafür umso tückischer weil weich und mit plötzichen Löchern versehen. Morettis Eindrücke der Sahara Man kann gar nicht so schnell schauen und plötzlich ist man an einem Punkt, an dem nichts mehr ist ausser Stille, fertig. Und das ist einzigartig und ungewohnt. Wenn man da kein GPS hätte, wäre man wirklich an den Rand seiner Existenz gebracht oder an einen Punkt, wo der Mensch von sich aus gar nicht überleben kann, ausser man ist von hier. Und man braucht auch ein anderes Zeitmass in sich. Irgendwie ist man hier in der Wüste in der Seele des Menschentums angelangt, und prescht dennoch mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit, immer an der Kante, über die Steine. Diese Gleichzeitigkeit ist der Irrsinn. Alles läuft wie im Zeitraffer ab. Wie es dann allerdings beim Rennen sein wird, weiss ich nicht. Da wird alles in Bruchteilen von Sekunden über einen hereinbrechen und man muss reagieren, schliesst sich für Tobias Moretti nicht nur in der Vorbereitung ein Kreis. Übung macht den Meister Der 53-Jährige sieht seinen grössten und auch wichtigsten Fortschritt darin, dass er nach der essentiellen Annäherungsphase an die massive KTM Rally 450 in Marokko mittlerweile schon so reagiert, dass man im richtigen Moment instinktiv das Richtige macht. Wenn man sich auf den Instinkt verlassen kann, dann ist das schon auch eine coole Sache. Das Fahren macht nicht nur wahnsinnig Spass, sondern es gibt auch nur mehr kurze Momente der Irritation. |
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Auch Bloeb ist guter Dinge Jeder Kilometer war an diesen Tagen Paradies! schlägt auch Gregor Bloéb in die gleiche Kerbe, ich hatte kaum Schwierigkeiten. Unmerklich, einmal ein kleiner Sturz. Der Sand ist hier weicher und ich hätte mich etwas zurücklegen müssen. Ich habe sofort realisiert, was ich falsch gemacht habe und deswegen bin ich absolut positiv. Und körperlich bin ich auch gut drauf, fühl mich wahnsinnig fit. Du fährst 150km durch den Sand und du denkst dir eigentlich nur, ja, lass uns weiter machen. Die härteste Rally der Welt - Anspannung spürbar Die Anspannung und Nervosität ist einen Monat vor dem Start zu den mehr als fünfeinhalbtausend Kilometern des Africa Race im Fahrerlager des KINI KTM Rally Racing Teams spürbar. Für die Protagonisten ist die Vorbereitung nicht abgeschlossen, denn für eine Rennen, das den Beinamen härteste Rallye der Welt trägt, kann man nie genug vorbereitet sein, kann man nie genug Kilometer durch den Sand gezogen haben. Das schwere Gerät aus Mattighofen ist das beste, was der Markt zu bieten hat, nach 11 Dakar-Siegen in Folge, darf man das durchaus behaupten. Fahrerisches Ausdauertraining, um das Risiko so klein als möglich zu halten, nennt es der jüngere der Brüder, wenn er von der 500km Tagesetappe spricht, die entsprechend dem Rennrhythmus um sieben Uhr morgens beginnt und gut zwölf Stunden später im Fahrerlager endet. Der richtige Rhythmus Genau auf diesem Rhythmus lag auch das Hauptaugenmerk des Teamchefs, der die vergangenen Monate als intensiv bezeichnet und seinen Fahrern am Ende der heissen Vorbereitungsphasen im Sand das offizielle Go gibt und folgendes Zeugnis ausstellt: Die beiden haben verstanden, wie man fährt, sodass man in kurzen Abständen oder in wenig Zeit nicht extrem viel Energie verbrennt. Das ist die Hauptgefahr beim Rallyefahren, weil es ganz wichtig ist, sich die Kraft einzuteilen und nicht alle Kraft aufwendet um das Motorrad aus dem Sand zu bringen und dann dunkelblau weiterfährt, um dann bei der nächsten Gelegenheit wieder runter zu fallen. Das haben sie verstanden und diesen Rhythmus haben sie gefunden, das war in der ganzen Vorbereitung eines der wichtigsten Dinge. Besseres Training als mit Marc Coma, Cyril Despres und dem KTM Rallye Team im Rücken kann man nicht bekommen. Ich würde sagen, sie sind auf die Sache soweit vorbereitet, dass ich ihnen problemlos grünes Licht geben kann. 09. Jänner in Paris Physische Kondition, psychische Ausdauer und die Konzentration auf die bevorstehende Herausforderung quer durch die Unwirklichkeit und beängstigende Schönheit der Sahara sind das Einzige, das für Tobias Moretti und Gregor Bloéb zwischem dem Start in Paris und dem Ziel am 09. Jänner in Dakar über Scheitern und Schaffen entscheiden. |
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Text: 1000ps |
Bericht vom 06.12.2012 | 9.894 Aufrufe