Erzbergrodeo 2010
Erzberg 2010 |
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Ausgabe #16 |
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Auch nach 16 Jahren sind die Organisatoren des Erzbergrodeos noch nicht müde, und so erfindet sich das Rodeo jedes Jahr aufs Neue. Rekorde wurden neuerlich aufgestellt. Die Veranstalter rund um Carl Katoch boten aber mehr als nur Racing. Mittlerweile ist das Event zu einem kleinen Volksfest herangewachsen. Bereits am Donnerstag startete die Show mit dem Rocketride. Dabei ging es darum, auf den 3 aufeinander folgenden Steilhängen gegen seine Mitstreiter zu bestehen. Hier konnte der Vorjahres Prolog Sieger Seppi Fally seinen Triumph wiederholen. Aufgefüllt wurde das Podium mit 2 weiteren österreichischen Crossern aus der ÖM - Rang 2 ging an Mario Hirschmugl vor Michael Staufer. | |
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12 Minuten Vollgas - Ossi Reisinger gewinnt den Prolog. | |
Freitag und Samstag sind ja bekanntlich die Tage des Donners. Da wurde alles aus den Motorrädern rausgeholt, um am Prolog möglichst weit vorne zu landen.
Eine Schrecksekunde gab es für den Seriensieger Taddy Blazusiak, denn seine KTM gönnte sich
in einer Wasserdurchfahrt einen Schluck Wasser und quittierte den Dienst.
Allerdings holte sich Taddy am Samstag die zweitschnellste Zeit und sicherte
sich somit die Teilnahme am Sonntag.
Für die Überraschung beim Prolog sorgte allerdings Ossi Reisinger. Der 29-jährige brannte mit seiner Suzuki RMZ 450 die schnellste Zeit in den Berg und schlug Taddy mit 12 Sekunden. 3. wurde der Prologsieger aus dem Vorjahr Seppi Fally auf seiner Kawasaki KX450F. Rang 4 ging an den schnellen US Amerikaner Kurt Caselli, der damit einen schönen Einstand bei seiner Erzbergpremiere feierte. Dahinter Chris Birch aus Neuseeland, 2-facher Sieger der Roof of Africa. |
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Kimi vs. Taddy - 1:0 für die Citrone. | |
Eines der Highlights des Wochenendes war sicher auch das Rennen zwischen Taddy Blazusiak auf einer KTM 530 gegen Kimi Räikkönen mit seinem Citröen C4 WRC am Samstag Abend. Bei beeindruckender Abendstimmung verblassten die Gesicherter der Zweiradfans, als Kimi mit seinem WRC zwischen die Schikanen hindurch flog. Auch der Topspeed mit über 200 liess schon erahnen, wer da die Nase vorne hatte. So gewann Kimi mit 38 sec. Vorsprung! Ebenso aufregend wie das Rennen war auch die Party am Samstag Abend im Festzelt - sie war mit Sicherheit die fetteste, die Eisenerz je gesehen hatte. Doch zum feiern blieb den Fahrern keine Zeit, denn für Sonntag brauchte man jede Sekunde Erholung. | |
Eines war klar, der Favorit war eindeutig der dreifache
Erzbergsieger Taddy Blazusiak. Doch die Liste der Favoriten und möglichen Siegesanwärter war unglaublich. Der Startkessel war, wie alle Jahre voll mit Anspannung, tausende Zuseher säumten die Steilhänge. Balzusiak kam vom Start nicht perfekt weg und Andreas Lettenbichler
sowie Graham Jarvis machten vorne mächtig Druck. Doch Blazusiak
kennt den Berg wie kaum ein anderer. Er fährt meist die
effizientere Linie und schon CP 7 durchquerte er als Führender, gefolgt von Jarvis, Lettenbichler und Caselli. War die rechte Seite des Berges noch für wirklich gute Offroader halbwegs fahrbar, ging es auf der linken Seite dann Schlag auf Schlag. Auf- und Abfahrten,
bei denen man jeglichen Hausverstand ausschalten muss, wollten
bezwungen werden. Schon nach der Hälfte der 34km waren selbst
die Spitzenfahrer gezeichnet. Eine Hardcore Passage folgte der anderen und alle waren als No Help Zone deklariert! Beim Dynamitlager kam Jarvis mit einem komfortablen Vorsprung an und gab eine Lehrstunde, wie man eigentlich unfahrbare Auffahrten schnell und effizient meistert. Da dachten schon viele der Berg hätte einen neuen Sieger, doch falsch gedacht. Taddy kam als nächster den Berg hoch und dabei konnte man im Funk der Betreuer mithören, dass Jarvis 3 CPs übersehen hatte. Damit war er aus dem Rennen. Taddy brachte seine KTM EXC 250 nach unglaublichen 1h 45min ins Ziel. 11 Minuten dahinter stand Andreas Lettenbichler ein weiteres mal am Podest. 6 min. darauf folgte Dougie Lampkin, der nach seiner Verletzung im Vorjahr mit dem Berg noch eine Rechnung offen hatte. Nach 4 Stunden wurde das Rennen abgebrochen. Lediglich 16 Fahrer sahen das Ziel. |
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Leider sah erstmals in der Geschichte des Erzberges kein Österreicher
die Zielflagge. Für mich war der japanische Trial Pro Taichi Tanaka 'Man
of the Race'. Im Gerichtsgraben kam er mit japanischer Höflichkeit an
- kaum verschwitzt, Motorrad und Bekleidung noch sauber. Zeigte sofort auf seine hohe Startnummer und erklärte, dass er oft lange warten
musste. Tanake startete aus der 5. Reihe! Er wurde 15.! Eine weitere Überraschung war der Californier Kurt Caselli (Rang 8), der einzige der Finisher, der kein Trialfahrer war, sondern vom Desertracing kommt und seine Brötchen mit 2 1/2 h Motocrossrennen verdient. |
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Der Kiwi Chris Birch erreichte mit seiner EXC 300 nur CP 14 von 20 Checkpoints. | |
Eines ist fix, das war der schwerste Erzberg aller Zeiten! Noch nie war die Strecke so lang und selektiv wie heuer. Es gibt keine Rennen weltweit bei dem so viele gute Fahrer am Start stehen wie am Erzberg. Noch nie sahen so wenige das Ziel wie heuer. Unglaubliche Dramatik und Szenen am Erzberg, die man kaum in Worte fassen kann. | |
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Die ersten drei Erzbergbezwinger - Lettenbichler, Blazusiak, Lampkin (v.l.) | |
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Text: edie |
Bericht vom 07.06.2010 | 4.388 Aufrufe