Lissabon - Dakar 2007

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In der Motorrad- und Quadklasse treten heuer 264 Fahrer an. Wenig überraschend sind die meisten mit Mattighofener Orangen bewaffnet - kein Wunder, hat KTM doch mit ständig wachsendem Aufwand seit 2001 jede Dakar gewonnen.

Neben 660er und 690er-Rally sind viele EXC-Modelle mit 450 und 525 Kubik unterwegs, in der 450er-Klasse sind weiters Yamaha (WR 450) und Honda (CRF 450) gut vertreten; eine Hand voll Suzukis, wenige Kawasaki KLR 650, 510er-Huskies, genau eine Aprilia RXV 450 sowie echte Exoten von Beta, Gilera und Rieju runden das Teilnehmerfeld ab.

Grosse Twins, die in der Vergangenheit das Rennen dominierten, fehlen regelementbedingt gänzlich. Und keine einzige BMW steht am Start!
KTM schickt drei Werksteams ins Rennen: Das amerikanische Red Bull-Team ist eine One-Man-Show von Chris Blais; das spanische Repsol-KTM-Team ist mit Marc Coma, Giovanni Sala und Jordi Viladoms ähnlich prominent besetzt wie das französische Gauloises-Team mit Cyril Despres, Isidre Esteve Pujol, Frans Verhoeven und David Casteu.

Alle setzen auf die neue Rally, die auf der Basis einer weiterentwickelten LC4 rund 65 PS in den Sand drückt.

Das Rennen

Europa: Die ersten beiden Etappen unterscheiden sich stark - auf der Tiefsand-Piste in Portugal geht kein Werkspilot unnötiges Risiko ein und auch in den rutschigen, nebelverhangenen Bergen wird auf Schadensbegrenzung gefahren. So führen zwei Locals auf Yamaha nach zwei Tagen die Wertung an. Ex-Snowboarder Martin Freinademetz reisst am ersten Tag seiner ersten Dakar 22 Minuten Rückstand auf.

Afrika: Schlagartig wird die Navigation zu einem bestimmenden Faktor. Coma gewinnt die erste Sonderprüfung, Pujol übernimmt die Gesamtführung von Yamaha-Fahrer Rodrigues, der auf Platz 6 rutscht. Das Getriebe von Cyril Despres bleibt 82 km vor dem Etappenziel im ersten Gang hängen, er fällt auf Platz 21 zurück. Verhoeven hat mehr Glück - seine Schaltwelle bricht 40 km vor dem Ziel. Wenigsten war er zu dem Zeitpunkt im 2. Gang unterwegs ... Überhaupt kristallisiert sich das Getriebe der KTMs als Schwachpunkt heraus - auf weiteren Etappen muss Pujol 360 km im ersten Gang (max. 50 km/h möglich) fahren und wenig später verliert Verhoeven fünf Stunden durch einen vergleichbaren Getriebedefekt.


Marc Coma setzt sich mit Serien-Etappensiegen souverän an die Spitze des Feldes. Die Top 7 werden von KTM dominiert, in den Top 20 sind immerhin 3 Yamahas und 3 Hondas zu finden. Die harten und mit kopfgrossen Steinen übersäten Pisten werden zunehmend zur Härteprobe für Mensch und Material - die meisten Piloten sind schon von Stürzen gezeichnet und klammern sich unter Schmerzen an die auskeilenden Lenker ihrer Bikes. Gleichzeitig muss das Material geschont, sicher navigiert und schnell gefahren werden - eine Aufgabe, mit der selbst Toppiloten mitunter ihre Probleme haben! Alleine bei der Querung des marokkanischen Atlas-Gebirges fallen 24 Biker aus; unter ihnen drei holländische Kawasakis und die einzige Gilera. Sandstürme und kniehohes hartes Kamelgras sowie Etappen bis zu 817 Kilometer pro Tag finden dabei nur wenige Toppiloten lustig.
Verhoeven speichert unter diesen Fahrbedingungen einen Topspeed von unglaublichen 183 km/h ab - auf einem Einzylinder im Gelände! Für die Mehrzahl der Teilnehmer, die sich und ihre Bikes täglich mit grosser Verspätung Richtung Etappenziel schleppen, heisst es ankommen und bis spät in die Nacht schrauben, um das Motorrad für den nächsten Tag fit zu machen. Werkspiloten liegen da längst frisch massiert in den Betten, während sich die Rallymechaniker um ihr Material kümmern.


Die siebente Etappe wird wegen eines weiteren Sandsturms um 134 km gekürzt, trotzdem fallen 14 Motorradpiloten aus. Unter ihnen der erste KTM-Werksfahrer Jordi Viladoms: Er hatte einen Etappensieg zu verzeichnen, doch nach einem wilden Sturz, bei dem er sich Ellenbogen, Handgelenk und Knöchel bricht, ist die Dakar für ihn vorbei. Auch Fretigne fällt an diesem Tag als bester Yamaha-Fahrer aus. Der folgende Ruhetag (13. 01.) kommt gerade rechtzeitig, um die Wunden der vortägigen Marathonetappe zu lecken, auch ist endlich wieder ein umfangreiches Service möglich.

KTM dominiert wie erwartet das Rennen, doch einer der beiden grossen Servicetrucks ist ausgefallen - damit haben die "Wasserträger" Casteu und Verhoeven nun neben der täglichen Fahraufgabe auch noch Nachtdienst als Mechaniker ihrer Chefs Despres und Pujol, der durch Getriebeprobleme auf Rang 37 zurückfällt. Die schwierigen Fahrbedingungen ziehen das gesamte Feld auseinander, die Zeitabstände werden generell grösser. Unter den 20 Ausfällen in der Motorradklasse des 8. Tages sind auch der zweite Österreicher Pelzmann sowie der bestplatzierte Honda-Fahrer Lopez.

Zwischenstand 15. Jänner 2007: Sandverwehungen lassen auf der 9. Etappe keine Strecke oder Piste erkennen, dennoch kämpft sich Pujol von Rang 37 in der Gesamtwertung wieder auf Platz 8 zurück. Der norwegische Privatfahrer Ullevalseter hält seine KTM mit Gesamtrang 5 gut im Rennen, ein lettischer Privatier gewinnt die Etappe, auf der keiner der Spitzenpiloten etwas riskiert. Für Giovanni Sala endet die Dakar dennoch mit gebrochener Schulter im Ambulanz-Heli. Damit ist der Gesamtführende Coma ab nun ohne Teamkollege unterwegs und somit auch bei Stürzen und Defekten bis zum Ziel nahezu auf sich allein gestellt.

Und die Österreicher? Nur noch Martin Freinademetz hält die rot-weiss-rote Fahne im Alleingang hoch. Er hat fast 24 Stunden Rückstand auf Coma und schleppt sich an diesem Tag völlig fertig von Pause zu Pause, die er alle 30 Kilometer einlegt. Aber er kommt an - und Aufgeben ist schon im Camp kein Thema mehr. Rang 100 ist egal, er ist immerhin noch dabei!




Fotos: J. van Oers
Autor

Bericht vom 17.01.2007 | 4.665 Aufrufe

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