KTM ZEM
KTM Zero Emission Motorcycle |
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Ready to save the planet |
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Der ZEM Meister Michi Staufer demonstrierte: Schnell muss nicht laut sein. |
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Motorräder mit Elektroantrieb sind keine Seltenheit mehr, solche,
die tatsächlich wie welche aussehen, schon. Meist handelt es sich
dabei auch um Entwicklungen, die nicht aus den Hallen der grossen Marken
kommen, sondern den Tüftlerköpfen unbekannter Firmen wie Quantya, EMX
oder Vectrix entstammen. Doch aus Mattighofen kommt etwas Neues auf uns zu: Eine Kante, die nicht trinkt und raucht, nicht einmal mehr schnaubt, sondern nur noch staubt. Was dahinter steckt: die KTM ZEM, Kategorie: Sport-Enduro, ist elektrifiziert. Statt eines mächtigen Ein- oder Zweizylinders treibt ein Elektro-Motor sie an. Ob und wie das geht, das hat uns ein Berufener vorgeführt: Michi Staufer. Seines Zeichens Motocross-Crack und Testfahrer bei den Orangenen. Es kann sein, dass es bald zwischen allen Gipfeln ist Ruh in Abwandlung von Wanderers Nachtlied von Goethe spielt. Denn KTM geht unter die Leisetreter. Konkret präsentierten die Mattighofener ein elektrisch angetriebenes Motorrad. Eine Sport-Enduro mit dem Beinamen beziehungsweise Arbeitstitel ZEM, was für Zero Emission Motorcycle steht. Die erzeugt so gut wie kein Geräusch und Abgase schon gar nicht. |
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Da steht sie vor uns. Optisch ein ganz normales Motorrad. Wie aus
dem Hause KTM gewohnt: schmal, hochbeinig, puristisch, eine Sport-Enduro.
Ein bissl was fehlt halt: Da ist kein Auspuff zum Beispiel. Braucht sie
nicht, als Elektrifizierte. Im Rahmen hängt ein schlankes E-Aggregat.
Demzufolge gibts auch keinen echten Tank. Den ersetzt ein 17 Kilo
schweres Akku-Pack, das auf dem Motor sitzt (und abnehmbar ist). Es gibt
auch keine Kupplung. Denn auch die brauchts nicht. Über- respektive
untersetzt wird die E-Power via Stirnradgetriebe und über die
Sekundärantriebskette, wenigstens das ist normal, ans Hinterrad
geschickt. Stichwort Power: Die wird mit 7,5 kW (10,2 PS) angegeben. Im Normalfall. Im Maximalfall können bis zu 25 kW (34 PS) abgerufen werden. Das reicht dann schon bei einem Gewicht von knapp unter 90 Kilo. Aber was nützen die tollsten PS, wenn das Drehmoment nicht hinhaut. Davon hat ein E-Motor bekanntlich reichlich anzubieten. Direkt am Aggregat sind es 40 Nm, die von Drehzahl Null an anstehen. Jederzeit griffbereit. Am Hinterrad kann das bis zu 500 Nm bedeuten. Auch wir konnten uns angesichts der derzeitigen Situation dem Thema alternative Antriebe nicht länger verschliessen, eröffnet Harald Plöckinger, Vorstandsmitglied der KTM Power Sports AG, die Präsentation: Wir denken schon länger drüber nach. Vor zwei Jahren hat man sich mit arsenal research, Wien (einem Unternehmen, das auf alternative Energien und Antriebe spezialisiert ist) zusammengesetzt. Und mit der Entwicklung des ZEM-Prototypen begonnen, gefördert vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Eine Sport-Enduro ist es deshalb geworden, weil bei aller Umwelt- und Geräusch-Bravheit KTM KTM bleiben soll, nein muss: Ein Label, das für den kompromisslosen Sporteinsatz steht. Eine Hybrid-Lösung, wie sie ein italienischer Hersteller derzeit in die Praxis umsetzt, war wohl auch angedacht, aber wieder ad acta gelegt worden, weil zu schwer. Denn eine der wesentlichsten Prämissen, die KTM ins Aufgabenheft geschrieben hatte, war haus-typische Leichtigkeit und, nicht zu vergessen, Fahrspass, ganz im Sinne der Ready to Race-Philosophie, da durften keine Abstriche gemacht werden. Dazu brauchts ordentlich Leistung. Und das alles konnte nur ein Elektromotor bieten. Eine Lösung, die derzeit zwar noch keine normalverkehrs-taugliche Reichweite bietet, was sich aber angesichts der galoppierenden Weiterentwicklung der Batterie-Technologie sehr schnell ändern kann. Immerhin reicht die aktuelle Variante für eine 40-Minuten-Runde auf dem Cross-Parcours aus. Was für Normalfahrer, wie Plöckinger sagt, auch wirklich ausreicht. Wer länger durchhält, muss halt eine Stunde Pause einlegen. So lange dauert es, bis die Lithium-Ionen-Akkus (1000 bis 2000 Ladezyklen) wieder aufgeladen sind Neben Emissionslimit-Verschärfungen, seien es Abgase, seien es
Geräusche war für KTM eine wesentliche Tatsache ausschlaggebend für den
Schritt in Richtung ZEM: dass es immer enger wird für den Offroad-Sport.
In Österreich sowieso, längst auch im Süden Italien, Frankreich,
Spanien zunehmend auch im Osten Europas. Den Hauptvorwürfen Lärm und
Gestank zu begegnen ist für KTM als Spezialist für Offroad-Sportbikes
lebenswichtig. Gut ein Drittel aller Kanten aus Mattighofen sind
Gatschhupfer. Die an Attraktivität verlieren, wenns keinen Platz & Raum
mehr gibt, wo man sie bewegen kann. Nur Zukunftsmusik? Keineswegs, wie die ZEM beweist. Sondern der handfeste Beginn einer Entwicklung, deren Potenzial schon jetzt greifbar ist. Zum Beweis tritt Motocross-Crack und KTM-Testfahrer Michi Staufer an. Er fetzt auf dem Parkplatz von arsenal research auf und ab und zeigt, was in der Elektro-Kante steckt. Wheelies, Stoppies, alles ganz normal. Bei dem Drehmoment dürften auch Burnouts kein Problem sein (ausser es baut einer eine Schlupfregelung ein, was hoffentlich nicht passieren wird). Alles ganz normal. Nur: Dass man so gut wie nichts hört. Vom Motor. Nur das Scheuern der Kette und das Abrollgeräusch der Stoppler auf dem Asphalt sind vernehmbar. Und das Pfeifen der Bremsen. |
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Was die stille Kante im Gelände kann, führt Staufer auf einem
Video vor. Schaut auch alles völlig normal aus. Ein Uneingeweihter käme
anfangs gar nicht auf die Idee, dass sich da eine Elektro-Enduro über
Stock und Stein ackert, ausser er hört genau hin. Und schaut genau: denn
was abgeht, sind Kuppeln und Schalten. Höchst ungewohnt, wie Staufer auf
die Frage nach dem Fahr-Feeling zugibt: weder kann man sich an
Vibrationen noch an der Akustik orientieren. Man zieht einfach am Kabel
wie bei einem Automatik-Roller und das ist es. |
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Text: Kecks |
Bericht vom 22.10.2008 | 8.224 Aufrufe