Reisebericht Albanien 2022

Auf Motorrädern durch den südlichen Balkan-Staat

Schöne Landschaft, unglaublich nette Begegnungen und viele schlechte Strassen - unser Reisebericht aus dem Süden Albaniens und Norden Griechenlands.

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Text und Bilder: Eric Jehart

Unterwegs sind wir mit einer alten BMW und einer noch älteren Transalp. Mit knapp 60.000 Kilometer sind sie eigentlich noch wie neu und bereit für jedes Abenteuer. Vielen Dank an Büse, die uns für die Reise mit den ROCC Helmen ausgestattet haben, welche für diese Reise wie gemacht sind. Uns ist durchaus bewusst, dass es alles andere als kalt wird, aber die Hitze, die uns in Igoumenitsa erwartet, haut uns fast aus den Schlappen. Mit aufblühender Vorfreude auf die schlechten Strassen Albaniens schlummern wir so unter dem Sternenhimmel, ehe die warmen Strahlen der Morgensonne als sanfter Wecker dienen. Kurz darauf sehen wir schon heftige Regenwolken über den Bergen und wir kommen gerade noch zu einer Höhle, die wir sowieso anschauen wollten. Minuten später prasselten die Regentropfen auf unsere Helme und wir fahren kurzerhand mit den vollbeladenen Bikes die leicht abschüssige und rutschige Steigung in die Höhle. Jetzt schlagen wir sozusagen unser Regenlager auf.

Nächste Übernachtung und freundliche Einheimische

Nach einigen Fotos und den ersten Sonnenstrahlen, die man vor der Höhle erkennen konnte, geht es weiter nach Gjirokaster, wo wir uns mit ausreichend Lebensmitteln ausstatten, um die nächsten Tage unabhängig zu sein und auch einige Zeit in verlassene, einsamere Gegenden gelangen zu können. In der lebhaften Stadt Gjirokaster übernachten wir eine Nacht im Guesthouse Mele, da es schon dunkel wurde und sich ein versteckter, geschützter Schlafplatz nicht allzu gut im Dunkeln finden lässt. Dort verköstigt uns Edmond, der Gastgeber der Herberge und noch dazu ein äusserst zuvorkommender und friedfertiger Mensch, unter anderem mit seinem selbstgebrauten Weinschnaps. Jetzt geht es endlich auf die schlechten Strassen. Wir fuhren daran vorbei, weil uns Edmond gesagt hatte, dass die heissen Quellen höchstens lauwarm und deswegen nur im Winter lohnenswert wären. Glücklicherweise sind wird mit Zelt und Gaskocher unterwegs und können damit so gut wie überall schlafen. So schlafen wir am Ufer eines Stausees in Ballaban, wo man sonst nur mit einem sehr gut ausgestatteten Offroader hinkommen könnte, oder vielleicht auch noch einem sehr alten Mercedes, wie die Albaner sie zu fahren pflegen.

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Schwerer Untergrund

Tags darauf, aufgeweckt von den Fröschen und nur kurze Zeit später holpern wir auf der gelb eingezeichneten SH74 weiter Richtung Westen, an der wir uns dann mit einem vorzüglichen, albanischen Mittagessen in einem traditionellen Familienrestaurant belohnen. Er bietet uns mit einem fast zahnlosen Lächeln sogar etwas von seinem Wasser an, und erst als wir ihm unseren bis an den Rand gefüllten Wasserkanister zeigen, versteht er und liess uns ziehen. Sein Name ist Ismael und er ist auf dem Weg nach Buze, wo wir ihn später auch ankommen sehen, nach 4 Stunden im Restaurant. Zum Glück (oder Pech, je nachdem wie man es sieht) ist nach dieser heissen Strecke wieder etwas Asphalt, wobei man das wirklich wortwörtlich nehmen sollte - die Strasse besteht aus mehr Schlaglöchern als blankem, astreinem Boden... Da hat uns die SH74 eindeutig besser gefallen. Nach mehreren Kilometern mit schönen, angenehmen und vor allem motorradtauglichen Kurven, an Geisterstädten vorbei und durch dichte Wälder, fahren wir von der Strasse ab und holperten über einen kleinen Feldweg, den wir fast nicht mehr sehen, vor lauter Gras und Überwucherungen.

Die Strassenlage wird nicht besser

Als wir dann auf der Autobahn in Richtung Vlore auf starken Gegenwind und gleissende Sonnenstrahlen stossen, ist das Einzige, das uns vom Stehenbleiben abhält, die Hitze. Dort angekommen schlängeln wir uns durch Wohnmobile und Zelte vorbei über eine kleine Sandstrasse in die nächste Bucht, die wir dann für uns alleine geniessen durften. Ein interessanter Kontrast muss das sein - Wir beide alleine an einem wunderschönen einsamen Strand, und nur wenige hundert Meter entfernt drängen sich schier endlos Wohnmobile an, nun ja, weitere Wohnmobile. Am Ligura-Pass soll unser nächstes Schlafplätzchen sein - leider ist die Strasse nach oben ein klein wenig schlimmer als gedacht… sehr viel schlimmer. Weiter Richtung Süden standen wir vor der Entscheidung, uns nach Osten durch ein enges Tal zu quälen und dort über einen kleinen Grenzübergang, bei dem wir noch nicht wissen, ob wir durch kommen, oder auf der grossen Autobahn weiter gen Süden zu rollen und dort über die Grenze zu fahren, über die wir gekommen waren. Da Autobahn fahren aber vor allem mit Motorrädern langweilig ist und wir ja schliesslich in Albanien waren, um etwas zu erleben, fahren wir links, Richtung Osten. Der Weg führt durch hohes, von der Sonne beleuchtetes Gras und dort finden wir auch unseren Schlafplatz. Die Richtungsangaben von den Bewohner, welche sagen, nach Griechenland gehe es in die andere Richtung kann zumindest ich nach dem Lesen von GoogleMaps-Rezensionen wie "Die Grenze ist geschlossen" nicht ganz ignorieren. Anfangs schaut es eher danach aus, als werden wir wieder den ganzen Weg zurückfahren, aber nach zwei scheinbar endlosen Stunden diskutieren mit viel hin und her, konnten wir dann doch nach Griechenland einreisen. In der Nähe des Restaurants, welches wir direkt nach der Grenze aufsuchten, ist der zweithöchste Berg Griechenlands, Smolika, welchen wir am Tag danach flotten Schrittes erklimmen und von oben über weite Teile des wunderschönen Landes blicken, mit Aussicht auf verhängnisvolle Gewitterwolken. Nachdem wir wieder eilig, aber heil vom Berg runterstolperten, schlagen wir auf einer nahegelegen Wiese unser Zelt auf und geniessen letztendlich eine zum Glück gewitterfreie Nacht, wobei das Getrampel, das wir in der Früh aus dem Wald hören, schon an ein Gewitter ahnen liess: Zu unserer Erleichterung waren es nur die 200 Schafe von dem Hirten, mit dem wir am Vortag schon ein bisschen gesprochen hatten.

Wilde Tiere und Schifffahrten

Jetzt waren es nur noch 3 Tage bis zur Abfahrt der Fähre und wir müssen noch 300 Kilometer fahren, was relativ viel in diesem Land war, unter Beachtung unseres Fahr- und Reisestils. Nur in der vorletzten Nacht scheint sich eine Wildschweinfamilie sehr für unseren Schlafplatz zu interessieren. Sie schleichen langsam um das Zelt herum, schnüffeln hier und da an unseren Bikes und machen sich zum Glück irgendwann wieder auf in die Büsche. Der Nachmittag am und im Meer vergeht leider viel zu schnell, und am Ende des Tages wird wie üblich ein Käsebrot verspeist. Leider wird unsere Nacht von den lauten Nachbarn gestört, woraufhin wir in der Früh aus Versehen jeweils einmal die Maschinen abwürgen und mit Choke starten mussten. Die relativ ereignislose Schifffahrt von Igoumenitsa nach Venedig, geniessen wir an Deck in der heissen Sonne brutzelnd oder im eiskalten Schiffsinneren, wo wir wieder im Aufenthaltsraum übernachten. Welcher auch von vielen anderen Reisenden als Schlafplatz genutzt wurde. Wer unbedingt abseits von Befestigten Strassen unterwegs sein will, für den gibt es jede Menge off-road Kilometer. Aber eine Reise durch dieses atemberaubende Land ist einfach jede Mühe wert, vor allem mit dem Motorrad.

Bericht vom 01.12.2022 | 18.660 Aufrufe

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