Gotland Grand National
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Aber lasst euch von der Pippi
Langstrumpf Geschichte nicht täuschen, this aint no Kinderjausn wie man so
schön sagt! Grösstes Endurorennen der Welt bedeutet genau: Insgesamt 2300
Starter aufgeteilt auf 4 Startgruppen, in der grössten Startgruppe über 700
Starter! Die Klasseneinteilung erfolgt bei den Amateuren nach Alter und bei
den Profis nach Motorradkategorie. Ich startete in der Klasse 4, bis 35
Jahre, welche besagte mit über 700 Startern war. Das Rennen dauert pro
Klasse 3 Stunden, die Runde ist 22 Kilometer lang, der mit den meisten
Runden in der schnellsten Zeit gewinnt. So weit so gut. |
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In Stockholm bekamen wir Pippi leibhaftig zu sehen | Vor dem Rennen, sauber und voll motiviert |
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Da Militärgrund gab es auch eine eigene Militärklasse. Marke: Husqvarna, Baujahr: irgendwann letztes Jahrhundert | So werden in Schweden Enduros transportiert |
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Stockholm begab sich
unsere Reisegruppe Donnerstag Abend auf die Fähre nach Gotland, und
erreichte schliesslich, nach insgesamt 20 Stunden unterwegs, die Insel. Am
Freitag hatten wir Zeit uns zu akklimatisieren, und alle Formalitäten wie
Anmeldung und technische Abnahme durchzuführen. Trotz dieser gewaltigen
Teilnehmerzahl läuft das recht flott und gut organisiert ab, da könnte sich
so mancher Veranstalter ein Beispiel nehmen. Am Abend hiess es dann früh ins
Bett, denn am nächsten Morgen wurde es ernst. Den Start muss man sich
folgendermassen vorstellen: Eine riesige Wiese, voll mit angespannten
Endurofahrern, die Startaufstellung erfolgt nach dem Prinzip wer zuerst
kommt steht vorne, daher standen wir natürlich ganz hinten. Kurz vor dem
Start heissts Motoren aus kurz darauf erfolgte pünktlich um 09.35 Uhr das
Startzeichen durch eine Ampel, die wir von unserem Startplatz aus natürlich
nicht sahen, aber das war egal, denn die Erde beginnt ohnehin zu beben und
die Luft zu zittern wenn 700 Leute gleichzeitig die Motoren starten und
ordentlich Gas geben. Da standen wir also am Ende des Feldes, und rollten
diesem gemächlich hinterher, ohne zu wissen was uns in den nächsten 3
Stunden erwarten würde. Das Wetter war jedenfalls nicht wirklich einladend,
pünktlich zum Start setzte Dauerregen ein, doch zumindest die Temperatur war
mit ca. 10° noch relativ erträglich. |
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Irgendwo da vorne ist der Start... |
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Ein Grossteil des Feldes schaffte 3 Runden innerhalb der 3 Stunden bzw. gab nach 3 Runden auf. Wirklich ambitionierte Hobbyfahrer kämpften sich auch noch eine vierte Runden um den Kurs, und die schnellsten schafften sogar 5 sowie ein paar wenige (genau 26 Fahrer insgesamt) 6 Runden.
Erst jetzt viel mir so richtig auf, dass ich von Helm bis Stiefel komplett mit Schlamm eingedeckt und auch ziemlich nass war. Man konnte eigentlich die vorbeikommenden Fahrer alle nicht mehr wirklich unterscheiden, es herrschte Einheitsfarbe braun. Da aufgrund der feuchten Witterung und der starken Schlammentwicklung die Sicht mit Crossbrille gegen null ging, fuhren bereits ab der ersten Runde die meisten Fahrer ohne Brille, was natürlich eine feine Töfta-Schönheitsmaske im Gesicht ergab. Gegen Ende meiner dritten Runden war es dann so weit, dass die Profis gestartet waren, nämlich genau um 12:04 Uhr, und einige davon flogen auch noch mit affenartiger Geschwindigkeit an mir vorbei. Zu dieser Zeit waren also kurzzeitig knapp 2000 Fahrer gleichzeitig auf der Strecke!
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Auf den Start folgte der Stau. Im Vordergrund einer aus der Militärklasse auf seiner antiken Husky | Was aussieht wie ein Müllplatz sind alle Dinge, die beim Start zurück gelassen werden. Diese werden wieder ins Fahrerlager geliefert. |
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die Boxencrew | Einheitsfarbe Braun |
Nun ging also das richtige Rennen los. Dies war ein weiteres Zeichen für mich, dass eine vierte Runde doch eher ungemütlich werden könnte. Daher zog ich es vor ins Fahrerlager zu fahren und mir das Rennen gewaschen und trockengelegt vom KTM Bierzelt aus anzusehen, das KTM Schweden extra für alle KTM Fahrer aufgebaut hatte. Zur Unterhaltung spielte dort sogar eine Live-Band, und es gab auch feste Nahrung, neben reichlich Bier zum Auffüllen des Elektrolyt-Haushaltes natürlich. In diesem Rennen kämpfte mit Roland Sailer auch ein Österreich mit, der am Ende den ausgezeichneten 180. Platz erreichte. An der Spitze des Feldes kristallierte sich gleich ein Zweikampf zwischen Titelverteidiger Mats Nilsson und E2 Enduro Weltmeister Samuli Aro auf KTM heraus. Samuli war 2004 erstmals in Gotland am Start und wurde zweiter hinter Nilsson. Heuer sollte die Revanche folgen. Die beiden flogen im Sekundenabstand um die 22 km Runde,
und neben dem reinen Speed wurde die richtige Taktik immer entscheidender.
Beide kamen in der dritten Runde zum Tankstopp, es war also riskant zu
hoffen, dass der Sprit bis zum Ende reichen würde. Schlussendlich riskierten
jedoch beide und es kam zum Herzschlagfinale, direkt unterhalb des KTM
Bierzeltes. Die 3 Stunden waren um, und beide kamen gleichauf Richtung Ziel
geschossen. In einer langen Rechtskurve wählte Aro die Aussenlinie um vollen
Speed mitnehmen zu können. Nilsson blieb innen, strauchelte in einer
Spurrille und kam zu Fall. Damit war der Sieg Samuli Aro und KTM sicher, und
das KTM Bierzelt drohte zu platzen! |
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Im KTM Bierzelt |
Die Versorgung war gesichert |
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Die Band rockte ordentlich während die Profis ihre Runden drehten | Derart herzlich wurde man im KTM Bierzelt empfangen |
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Gesamtsieger Samuli Aro (li.) mit dem erfolgreichsten Österreicher Roland Sailer. Roland traf anscheinend die falsche Getränkewahl... | Das Podest der Gesamtwertung, von links Niklas Gustavsson, Samuli Aro mit mächtigem Pokal, Mats Nilsson |
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...der Autor war sich hingegen mit dem Weltmeister einig. | Schwedische Dusche | Handschuhe zum wechseln sind ein heisser Tipp |
Damit war zwar das Rennen beendet, doch unser Abenteuer Gotland noch lange nicht! Wir fuhren in unsere Unterkunft, um zu duschen, und dann gings in die Eishalle der Inselhauptstadt Visby zur grossen Siegerehrung. Obwohl Finne, wurde Samuli Aro dort gross gefeiert, wobei die Schweden sicher lieber einen einheimischen Sieger gesehen hätten. Insgesamt hielt sich die internationale Beteiligung beim Gotland Grand National sehr in Grenzen. Neben unserer österreichischen KTM Abordnung von 12 Fahrern und 2 Betreuern gab es noch ein paar Finnen, Esten, Norweger sowie 3 deutsche Teilnehmer. Eigentlich schade, denn dieses Wochenende war ein echtes Abenteuer. Jeder begeisterte Endurist sollte eigentlich einmal am GGN teilgenommen haben. Die Strecke ist für jedermann fahrbar und es ist ein echtes Erlebnis mit so vielen Gleichgesinnten im Sand zu spielen. Nach der Siegerehrung ging die Party dann verteilt über die ganze Stadt bis in die frühen Morgenstunden weiter. Das ergibt sich schon alleine dadurch, dass die Insel nur mit der Fähre erreichbar ist, und die erste Fähre zurück zum Festland erst um 9 Uhr früh ablegt. Gotland ist im Sommer so etwas wie das Ibiza von Schweden, deshalb ist das Angebot an Discos und Lokalen mehr als ausreichend für die ca. 25.000 Besucher, die an jedem ersten Wochenende im November wegen des GGN die Insel stürmen. Von diesem ausführlichen Abendprogramm kann ich euch leider keine Fotos präsentieren, wir wollen ja nicht dass 1000ps unter den Jugendschutz fällt. Nach ca. 2 Stunden Schlaf sollte es dann zu eben jener ersten Fähre Richtung Festland gehen, doch das ganze wurde etwas chaotisch. Die Fähre war nämlich ausgebucht, und für uns keine Tickets reserviert. Der Ausweg hiess Blinde Passagiere spielen. Also rein in einen Sprinter, und erst nach dem Ablegen wieder raus. Bei der Hälfte unserer Gruppe die den ersten Sprinter bestieg funktionierte das ganze Unterfangen perfekt. Bei der zweiten Gruppe, in der auch ich mich befand, lief es schon nicht mehr so glatt. Dem Fahrer unseres Transporters fiel nämlich erst am Hafen ein, dass er eigentlich auf die andere Fähre, welche weiter südlich am schwedischen Festland anlegt, gebucht war. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Fähre ohnehin schon auf hoher See. Jetzt war also guter Rat teuer, denn das Flugzeug in Stockholm würde nicht auf uns warten, und die zweite Fähre war auch kurz vor dem Ablegen. Wir entschieden uns, mangels Alternativen für die Variante andere Fähre, dann Taxi zum Flughafen. Die Taxifahrt dauerte knapp 4 Stunden, aber so bekamen wir immerhin noch etwas von der schwedischen Landschaft zu sehen. Glücklicherweise hatte der Taxifahrer einen schweren Gasfuss, denn wir erreichten buchstäblich in letzter Minute den Check In am Flughafen. Im Nachhinein betrachtet war die Rückreise eigentlich anstrengender als das Rennen, aber ein Abenteuer war jedenfalls der gesamte Ausflug.
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Villa Kunterbunt | Ausgeschlafen sieht anders aus... |
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Die komplette österreichische Delegation vor ihrer Behausung | |
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Wirklich viel bekamen wir von Stockholm nicht zu sehen | Dafür das meiste bei Nacht, ab 16.00 Uhr ists finster |
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Ergebnisse |
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1. Samuli Aro, KTM 525 EXC Racing, 6
Runden, 03:08:39 2. Mats Nilsson, Yamaha 250, 6 Runden, 03 :09 :07 3. Niklas Gustavsson, KTM 450 EXC Racing, 6 Runden, 03:15:27 4. Marko Tarkkala, KTM 525 EXC Racing, 6 Runden, 03:17:58 |
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die Ösi-Connection: 180. Roland Sailer, KTM 300 EXC, 5 Runden, 03:25:32 402. Thomas Friedrich, KTM 400 EXC Racing, 5 Runden, 03:46:12 450. Paul Latschbacher, KTM 400 EXC Racing, 4 Runden, 02:43:47 558. Roman Pasi, KTM 250 EXC, 4 Runden, 03:02:36 577. Winni Kerschhaggl, KTM 250 EXC, 4 Runden, 03:03:28 651. Bruno Surtmann, KTM 450 EXC Racing, 4 Runden, 03:06:40 859. Harald Leichtfried, KTM 450 EXC Racing, 4 Runden, 03:18:01 1217. Christian Brunnmayer, KTM 250 EXC, 3 Runden, 02:02:57 1383. Hannes Dirmayer, KTM 300 EXC, 3 Runden, 02:42:51 1409. Martin Wabnegger, KTM 525 EXC Racing, 3 Runden, 02:46:35 1582. Peter Perberschlager, KTM 400 EXC Racing, 3 Runden, 03:16:15 |
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Bericht von: KTM Bürohengst M.W. |
Bericht vom 17.11.2005 | 17.063 Aufrufe