Intermot 2024-Fazit: "Mehr Licht als Schatten"

Messeverantworlicher Alexander Wolff im Interview

Vom 5. bis 8. Dezember 2024 fand die Motorradmesse Intermot in Köln statt. Bei der traditionsreichen Messe ist seit heuer vieles neu, unter anderem der Termin - jetzt im Dezember - und der Turnus: statt alle zwei Jahre findet die Messe nun jährlich in Köln statt. Wir bitten Alexander Wolff, den Verantwortlichen für die Intermot vom Veranstalter Koelnmesse, zum Interview, um ein erstes Fazit zu ziehen zur Neuauflage.

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Alex, die Intermot 2024 ist vorbei, wie sieht dein persönliches Messefazit aus?

Insgesamt können wir nach vier Tagen ein positives Fazit ziehen. Die gute Besucherfrequenz und die vielen gelungenen Elemente zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es gibt noch Luft nach oben, aber ich habe definitiv mehr Licht als Schatten gesehen. Unter dem Strich war es also eine gute Messe und letztlich nur der Anfang einer neuen Intermot für die Zukunft.

Vor der Messe wurde in der Branche gemunkelt, dass es die letzte Intermot sein könnte, wenn sie kein Erfolg wird. Du bist jetzt sehr positiv gestimmt, heisst das, dass wir 2025 definitiv wieder eine Intermot in Köln sehen werden?

Auf jeden Fall. Ich bin der Meinung, dass sich alle Motorradfahrer und Fans schon jetzt den 4. bis 7. Dezember 2025 vormerken sollten, um zur Intermot 2025 nach Köln zu kommen. Der Termin steht!

Intermot 2024
An vier Tagen kamen rund 90.000 Besucher nach Köln.

Veranstalter der Intermot ist die Koelnmesse, ideeller Träger (und Rechteinhaber) ist jedoch der Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM). In ihm sind praktisch alle namhaften Hersteller und die Grossen der Zubehör-, Bekleidungs- und Helmbranche vertreten. Die Intermot ist quasi die Hausmesse der deutschen Motorradindustrie. Nicht alle Verbandsmitglieder sind auf der Messe vertreten. Wie erklären Sie sich als Veranstalter, dass einige Verbandsmitglieder nicht auf ihrer eigenen Messe ausstellen?

Wir haben als Veranstalter unabhängig vom IVM ein positives Fazit gezogen. Wir hatten die wichtigsten Marken, die 70 Prozent des Motorradmarktes in Deutschland abdecken. Der Verband ist ein eigenes Unternehmen, das auch seine eigenen Interessen verfolgt, und die Mitglieder, die dort versammelt sind, haben dann auch wieder ihre eigenen Interessen. Es gibt Verbandsmitglieder, die sich mehr auf digitale Präsentationen konzentrieren, andere haben im Moment andere Probleme, also Messestände zu planen - aber das wollen wir nicht weiter kommentieren. Natürlich stehen wir in regem Austausch mit den Herstellern, die dieses Jahr nicht vertreten waren. Aber manchmal muss man einfach akzeptieren, dass sich ein Unternehmen gegen eine Messeteilnahme entschieden hat. Und da nach der Intermot auch vor der Intermot ist, suchen wir mit der positiven Bilanz schon jetzt das Gespräch mit allen Herstellern, um 2025 noch besser aufgestellt zu sein.

Gehen wir mal ins Detail der Intermot 2024: Zwei Hallen waren gefüllt, zwischen den Hallen gab es einen 125er Boulevard, wo rund 50 verschiedene 125er Motorradmodelle ausgestellt waren. Hat das für euch funktioniert?

Ja. Wir haben uns im Vorfeld der Messe überlegt, welche Schwerpunkte wir setzen wollen. Das Thema 125er ist einerseits spannend für Einsteiger (ab 16 Jahren möglich), aber auch für Autofahrer, denn mit dem B196-Zusatz kann man auch als Autofahrer eine 125er fahren. Damit sprechen wir zwei wichtige Gruppen gleichzeitig an: Die Motorradfahrer von morgen und diejenigen, die bereits einen Führerschein besitzen und ihre individuelle Mobilität erweitern wollen. Und das ist ein nach wie vor wachsender Markt, das weiss auch die Motorradindustrie. Also ja, das hat funktioniert und ich hoffe, dass wir das im nächsten Jahr noch ausbauen können.

Intermot 2024
Der Kick Starter 125er Boulevard auf der Intermot.

Ein zweiter Aspekt, der die Jungs ansprechen sollte, war eure Creator Lounge, eine Kooperation mit verschiedenen Motorrad Content Creators und Influencern. Wie hat das funktioniert?

Sehr gut! Man darf nicht vergessen: Wir wollen ganz bewusst auch eine junge Zielgruppe ansprechen. Wenn man sich anschaut, wo die jungen Motorradfahrer unterwegs sind, dann ist es nicht das Printmagazin, sondern es sind die Social-Media-Plattformen, wo genau solchen Kreativen gefolgt wird. Damit haben wir auch ein Sprachrohr zur Jugend gesucht - und gefunden: Über all diese Creator haben wir insgesamt rund 20 Millionen Menschen erreicht. Man darf nicht vergessen: Viele der Creator haben Kooperationen mit bestimmten Herstellern und Marken, da steckt eine ganz andere Dynamik dahinter, mit persönlichem Bezug. Wir wollten dieser Community eine Möglichkeit geben, sich untereinander und mit ihren Followern zu treffen, und das war eine gute Entscheidung.

Direkt nach der Messe habt ihr verkündet, dass rund 90.000 Besucherinnen und Besucher zur Intermot 2024 gekommen sind. Ist das ein Erfolg?

Ich denke, ob man von einem Erfolg sprechen kann, hängt vor allem davon ab, was die Besucher und Aussteller jetzt nach der Messe sagen. Unser Feedback war - wie gesagt - überraschend positiv. Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben einen neuen Termin, wir sind jetzt jedes Jahr in Köln, nicht mehr alle zwei Jahre, und wir sind dabei, die Intermot weiterzuentwickeln. Die gesamte Motorradbranche ist im Umbruch und deshalb war für uns wichtig: Kommen die richtigen Besucherinnen und Besucher auf die Messe? Und hier haben wir von vielen Ausstellern gehört: Ja, es sind genau die Besucher, die man ansprechen will und die die ausgestellten Produkte auch tatsächlich kaufen. Deshalb ist die reine Besucherzahl zwar ein Indikator, aber die Qualität der Besucher ist relevant. Und da wissen wir, dass 90 Prozent der Besucher gut vorinformiert sind, weil sie tief in der Motorradmaterie stecken.

Intermot 2024
Ducati nutzte die Intermot als Premiere für die neue Multistrada V2.

Natürlich waren auch wir von 1000PS auf der Intermot und haben ein Messevideo mit den wichtigsten Highlights gedreht. In den Videokommentaren gab es aber auch Kritik: Der Ticketpreis war mit 20 Euro für zwei Hallen mit Ausstellern zu hoch. Das teure Parken wurde ebenso bemängelt wie der doch hohe Anteil an asiatischen Ausstellern, die wenig Interesse am Kontakt mit den Besuchern hatten. Was sagst Du als Messeverantwortlicher dazu?

Um es vorwegzusagen: Wir nehmen jede einzelne Kritik sehr ernst und prüfen sie im Detail. Wir versuchen dann aber auch, sie konkret einzuordnen, um zu sehen, wie wir damit umgehen. Ich nenne ein Beispiel: Wir haben im Vorfeld sehr viel gehört, es sind ja "nur zwei Hallen und früher waren es sechs Hallen", dann muss man auch einmal festhalten, was wir hier so gerne vergleichen: Wir haben sehr grosse Hallen, eines der grössten Messezentren in ganz Europa. Ich bringe hier gerne das Beispiel: In zwei Sattelzüge mit Anhängern passt auch mehr rein als in vier kleine Sprinter - obwohl beide auf dem Papier ein Lkw sind. Und man muss sehen: Die Branche verändert sich. Sie ist heute nicht mehr so wie vor etwa 20 Jahren. Wir haben vorhin über Creator gesprochen und darüber, dass sich eine digitale Motorrad-Community gebildet hat. Wir sehen, dass viele Hersteller immer mehr digitalisieren und dass es auch Fusionen von Motorradherstellern gibt.

Kurzum: Die Motorradbranche hat sich verändert und die Messen passen sich an. Wir sind dabei, das gesamte Konzept der Intermot in die Neuzeit zu überführen und nehmen deshalb verschiedene Anpassungen vor. Nehmen wir zum Beispiel die hohen Ticketpreise und die teuren Parkplätze, da werden wir in unserer internen Evaluierung auf jeden Fall drüber reden. Ich habe daraus gelernt, dass wir in einigen Punkten besser kommunizieren müssen und vielleicht auch in dem einen oder anderen Punkt zu neuen, flexibleren Modellen kommen müssen, aber wie gesagt, das werden wir intern diskutieren. Auf der anderen Seite, wenn wir euer Messevideo nehmen, das haben über 80.000 Leute gesehen und rund 100 Leute haben Kritik geäussert. Ja, hier muss man ein offenes Ohr für konstruktive Kritik haben, aber bei über 90.000 Besuchern muss man ist die Anzahl der entsprechenden Kritik auch in ein Verhältnis setzten. Ich denke also, dass wir insgesamt bezogen auf das Thema Motorrad ein attraktives Paket geboten haben, und wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir 2025 ein noch besseres Produkt anbieten können. Zu den asiatischen Ausstellern möchte ich so viel sagen: Es sind Aussteller, die sich präsentieren wollen und die natürlich auch für ihre Stände bezahlt haben. Auch hier sieht man den Wandel in der Zweiradindustrie: Immer mehr Hersteller aus China und viele der etablierten Hersteller lassen zunehmend ganze Motorräder in Indien, China, Thailand und Co. produzieren. Die Branche verändert sich, und dazu gehört auch, dass es mehr Anbieter aus Asien gibt. Natürlich gibt es punktuell immer noch kulturelle Unterschiede.

Was sind die Ziele für die Intermot 2025?

Wir wollen weiter daran arbeiten, noch mehr Hersteller für die Messe zu gewinnen. Wir wollen eine Halle mehr belegen. Auch im Bereich Accessoires und Bekleidung wollen wir künftig mehr bieten. Wir glauben, dass einige grosse Unternehmen in diesem Jahr abgewartet haben und jetzt hoffentlich durch den Erfolg der Messe sehen, dass sie 2025 auf der Intermot in Köln gut aufgehoben sind. Und natürlich werden wir weiter an unserem Konzept feilen, den Erlebnischarakter der Veranstaltung steigern und sicherlich auch wieder neue Ideen ausprobieren. Jetzt haben wir wieder ein knappes Jahr Zeit, um im Dialog mit Ausstellern, Besuchern und auch den Medien herauszufinden, wo wir noch besser werden können und was man sich von der Intermot 2025 wünscht.

Bericht vom 17.12.2024 | 2.917 Aufrufe

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