Honda XL750 Transalp im Offroad-Test auf der Bosnia Rally 2023

Der Transalp-Fahrstil

Bei der Bosnia-Rally bringen wir die Honda XL 750 Transalp an ihre Grenzen. Wer den Transalp-Fahrstil aber erstmal verinnerlicht hat, geniesst den Ritt sehr.

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Nicht nur Kollege Gregor erwartete die Präsentation der neuen Transalp sehnsüchtig. Endlich wieder eine leichte, kräftige, unkomplizierte und obendrein erschwingliche Honda-Reiseenduro. Einem Erfolgskonzept folgend das etwa die Yamaha Ténéré 700 seit Jahren vorlebt. Hondas Interpretation bewies sich in den ersten Vergleichstests auf Asphalt aber bereits ein gutes Stück relaxter und mehr aufs Entspannungstouren als aufs dynamische Abenteuern ausgelegt. Was das für den Einsatz bei der Bosnia Rally 2023 bedeutet? Wir werden sehen.

Technische Daten der Honda Transalp 750

Die Honda XL750 Transalp ist mit einem 92 PS starken 2-Zylinder 4-Takt-Motor ausgestattet, der ein Drehmoment von 75 Nm bei 9500 U/min und 7250 U/min bietet. Die Technologie umfasst eine Einspritzung, einen Drosselklappendurchmesser von 46 mm sowie eine Antihopping-Kupplung. Das Chassis besteht aus stabilem Stahl mit einem Lenkkopfwinkel von 63 Grad. Das Showa-Fahrwerk umfasst eine 43 mm Upside-Down-Telegabel vorne und eine Aluminium-Zweiarmschwinge mit Monofederbein hinten. Die Bremsen bestehen aus Nissin Wave-Bremsen mit 310 mm vorne und 256 mm hinten. Zu den Assistenzsystemen gehören ABS, Fahrmodi, Ride by Wire und Traktionskontrolle.

Motorisch überzeugt die Transalp 750

Hinter dem hohen Windschild komfortabel untergebracht geht´s nach dem Startschuss zunächst über ein paar ebene Asphalt-Kilometer in Richtung Hinterland, wo Wald, Berge und Hochebenen auf die Transalp warten. Noch tuckert der Reihentwin mit leichten Vibrationen bei mittlerer Drehzahl vor sich hin und geniesst es, wenn man ihn beim Beschleunigen bis in den fünfstelligen Bereich vordringen lässt. Er ist ein sportlicher Geselle, dessen Qualitäten im Naked Bike Hornet 750 besser zur Geltung kommen als in der Reiseenduro. Doch auch hier ist er keinesfalls Fehl am Platz, denn als die Strasse zum Feld- und kurz darauf zum Waldweg wird, beweist er gute Manieren bei niedrigen Drehzahlen, mit ordentlichem Ansprechverhalten und ausreichendem Drehmoment.

Der Transalp-Fahrstil auf steilen Hänge

Als man aber vor dem ersten steileren Anstieg aus dem Sattel aufsteht, wird´s erstmals tricky. Weit vorne liegende Rasten und ein schmaler, zum Fahrer gekröpfter Lenker (im Laufe der Rally drehten wir ihn auf, um die Position etwas zu verbessern) formen eine kompakte Stehposition. Bergauf muss man sich daher stark am Lenker festklammern und es fällt schwer, das Motorrad über Rasten und Tank zu dirigieren. Da hilft nur alle Muskeln aktivieren, auf die Zähne beissen und oben angekommen eine kurze Verschnaufpause einlegen. So sieht der Transalp-Fahrstil für steile Hänge aus.

Auf flachem Offroad-Geläuf ist dieser Transalp-Fahrstil vor allem entspannt. In den Rasten stehend verinnerlicht man ihn spätestens dann, wenn über Rinnen und Löcher sowohl die Gabel als auch das Federbein fast ungebremst auf die Anschläge scheppern. Die softe Abstimmung mit weichen Federn und wenig Dämpfung spendet Komfort, sorgt aber auch für jenes Aufschlagen und dauerhaftes Wippen der Transalp. Wer gerne Offroad unterwegs ist, der wird daher sowohl bei Fahrwerk als auch Ergonomie mit Zubehörteilen nachbessern.

Elektronisch braucht es nicht viel, um glücklich zu werden

Elektronisch sieht's besser aus, denn am Hinterrad lässt sich sowohl die offensive Traktionskontrolle als auch das ABS deaktivieren. Vorne bleibt letzteres aktiv, was aber auch bei steileren Abfahrten nicht weiter stört. Beim Mapping kann jeder nach seinem Geschmack wählen. Das Verhältnis von Drehwinkel im Gasgriff und Drosselklappenöffnungswinkel ist in vier Stufen einstellbar. Bei uns kam hauptsächlich der "aggressivste" Modus zum Einsatz, denn er gibt ein sehr direktes Gefühl. Abgesehen davon gibt's keine weiteren elektronischen Assistenten und das ist gerade im Gelände auch gut so.

Gut auch die Bremsanlage. Vorne wie hinten geben die Honda-Stopper ein klares Feedback in die Hebel. So lassen sich die sehr gut performenden Continental TKC 80-Reifen auf Schotter spielerisch an der Haftgrenze bewegen. Apropos spielerisch: trotz des limitierenden Fahrwerks ist das Handling eine ausgesprochene Stärke der Honda XL 750 Transalp. Sehr leicht (nur 208 Kilogramm, Werksangabe) und mit tiefem Schwerpunkt folgt die Honda dem kleinsten Befehl in Lenker oder Rasten brav und kurvt stabil, ohne nervös oder kippelig zu sein.

Mit stolzen Narben kehrt die Honda Transalp 750 zurück

Dass die Transalp während der Bosnia Rally trotzdem zweimal hart zu Boden ging, war Unachtsamkeiten der Testfahrer geschuldet. Die Honda hat sie alle verziehen und liess sich nach dem Aufheben stets sofort wieder starten. Verbogene Hebel wurden wieder gerade gebogen und Kratzer an den Sturzbügeln fortan mit Stolz getragen. Die Transalp hat ein paar Narben davongetragen, doch das Experiment Bosnia-Rally trotzdem erfolgreich abgeschlossen.

Einheitsreifen für die Bosnia Rally 2023: Conti TKC 80

Während unserer Tour entschieden wir uns für ein einheitliches Reifenmodell von Continental die Wahl fiel auf den TKC 80. Für die anspruchsvollen Offroad-Bedingungen war ein bewährtes Produkt mit hoher Belastbarkeit vonnöten. Der TKC 80 ist bereits seit 36 Jahren mit leichten Anpassungen auf dem Markt und das aus gutem Grund, wie wir während unserer 6-tägigen Offroad-Expedition feststellen konnten. Dieser Reifen, von Continental selbst als 50/50 Dualsport-Reifen klassifiziert, erwies sich als äusserst widerstandsfähig, langlebig und verlässlich. Trotz der Montage an 8 verschiedenen Fahrzeugen verzeichneten wir insgesamt nur einen einzigen Reifenschaden und das auch nur, weil wir auf einem schnellen Abschnitt einen Felsbrocken übersehen hatten. Daher können wir mit Überzeugung für den TKC 80 von Continental sprechen und ihn als eine hervorragende Empfehlung für derartige Abenteuer benennen. Er zeigte sich auf Asphalt vergleichsweise leise und in Grenzsituationen gutmütig, während er im Gelände äusserst vielseitig einsetzbar ist. Ein wahrer Dauerbrenner unter den robusten Offroad-Reifen!

Abweichende Pfade - Orientierung während der Bosnia Rally mit dem Garmin zumo XT2

Obwohl die Bosnia Rally sich als Roadbook-Training beschreibt, besteht auch die Option, einfach dem Streckenverlauf per Navigationsgerät zu folgen. Für unsere Filmaufnahmen waren wir oft dazu gezwungen, bestimmte Streckenabschnitte mehrfach zu befahren. Da Roadbooks sich nicht gut mit spontanen Richtungswechseln und Rückverfolgungen vertragen, haben wir stattdessen auf das neue Motorrad-Navigationssystem Garmin zumo XT2 vertraut. Aufgrund seiner stabilen Halterung, widerstandsfähigen Technik und des grossformatigen, hochauflösenden Displays überstand das zumo XT2 unbeschadet die anspruchsvollen 1000 Kilometer, die oft mit schwierigen Bedingungen einhergingen, und führte uns zuverlässig zum Ziel. Alle unsere Testeindrücke zu diesem High-Tech-Navigationsgerät findet ihr hier.

Leichtgewicht mit Robustheit vereint - Gepäcklösungen von Enduristan für die Bosnia Rally

Kameraequipment, Werkzeug, Reifenreparatursets, Ersatzhebel und der ein oder andere Snack - Während der Bosnia Rally hatten wir eine beträchtliche Menge an Ausrüstung dabei. Um unsere Rücken während der anspruchsvollen Etappen nicht über Gebühr zu belasten, haben wir den Grossteil dieser Ausrüstung an den Motorrädern befestigt. Da minimales Gewicht im Offroad-Einsatz oberste Priorität hat, haben wir auf sperrige Koffer verzichtet und stattdessen auf die Softgepäcklösungen von Enduristan gesetzt. Seitentaschen, Gepäckrollen, Lenkertaschen und Tankrucksäcke boten ausreichend Stauraum und hielten den Strapazen der Rally stand. Auf diese Weise hatten wir den Rücken frei für eine 3-Liter-Trinkblase und passende, schlanke Rucksäcke von Enduristan. Dank der vielseitigen Montagemöglichkeiten, nützlicher Features und robusten Verarbeitung erwies sich unser Enduristan Equipment als optimal geeignet für die herausfordernde Bosnia Rally.

Fazit: Honda XL750 Transalp 2023

Zusammenfassend mag die Transalp es im direkten Vergleich mit den anderen Kandidatinnen der diesjährigen Bosnia-Rally stets etwas gemütlicher und signalisiert mit hartem Durchschlagen, wenn es ihr zu wild wird. Auch die Ergonomie ist spürbar auf Komfort im Sitzen getrimmt, was besonders bergauf eine limitierende Wirkung hat. In ihrem Wohlfühlbereich mit dem gediegenen Transalp-Fahrstil bewegt, macht sie aber viel Freude. Dann geht´s komofortabel über Stock und Stein.


  • Zugänglicher, doch spassiger Motor
  • Gut geeignet für kleine Piloten, doch gleichzeitig auch Platz genug für grosse Fahrer
  • Gute Verarbeitung
  • Top Quickshifter (optional)
  • Top Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Niedriges Gewicht
  • Leichtes Handling in allen Situationen
  • Niedriger Verbrauch
  • Kein Tempomat, auch nicht im Zubehör
  • Auf Komfort getrimmte Komponenten kommen unter härteren
  • Bedingungen schnell an ihre Grenzen
  • Relativ wenig Schräglagenfreiheit

Bericht vom 22.08.2023 | 32.047 Aufrufe

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