Krämer GP2 890 RR Test auf der GP-Strecke in Brünn

Was bringt das Update dem "Ready to Race" Rennbike?

Mit der GP2 890 RR bringt Krämer Motorcycles das Update zur GP2 890 R. Martin Bauer war auf der GP-Strecke in Brünn und hat das neue Modell getestet.

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Die Firma Krämer Motorcycles hat sich von Anfang an darauf spezialisiert, fix und fertige Rennmotorräder für die Rennstrecke zu bauen. Frei nach dem Motto Ready to Race sollen somit alle notwendigen Umbauten, die normalerweise beim Renneinsatz von Serienmotorrädern notwendig werden, entfallen. Das bezieht sich nicht nur auf Anbauteile wie Lichter, Blinker, Spiegeln, etc., sondern auch auf die immer strengeren Abgas- und Geräuschnormen und mit den damit verbundenen Kompromissen, die hinsichtlich Fahrdynamik einhergehen. Alle diese Vorgaben können beim Aufbau eines reinen Rennmotorrades vergessen werden und man kann sich voll auf Fahrbarkeit und Performance konzentrieren. Begonnen hat Markus Krämer vor bereits vor vielen Jahren mit dem Einzylinder Bike der Supermono EVO2 690. Mit der Entwicklung des 890er Triebwerks seitens KTM wurde dann auch ein Chassis für dieses Triebwerk entwickelt und es entstand daraus die GP2 890 R. Und nun wurde die Weiterentwicklung mit vielen Verbesserungen vorgestellt und zur Unterscheidung die Typenbezeichnung um ein zusätzliches "R" erweitert: Die GP2 890 RR.

Die zweite Generation

Die GP2 890 RR ist nun schon die zweite und neue Generation aus dem Hause Krämer mit dem bekannten Reihen Zweizylinder von KTM. Bekannt deshalb, da dieser unter anderem auch in der Duke 890 zum Einsatz kommt. Natürlich bekommt der Motor für die GP2 890 RR noch ein paar zusätzliche edle Teile wie Titan Ventile, Titan Pleuel, hochverdichtete Pankl Kolben und geänderte Nockenwellen Profile. Damit erzeugt der eigentlich brave Strassenmotor statt der 121PS wie in der Duke R dann auch 138 PS bei einer Drehzahlsteigerung von über 1.000 u/min in der GP2 890 RR. Damit liegt er sogar etwas über der ebenfalls von Krämer Motorcycles aufgebauten KTM RC8C. Doch auch mit der gesteigerten Leistung ist man natürlich von den heute gängigen 200PS Superbikes deutlich entfernt. Das war aber auch nicht das Ziel von dem Projekt, sondern viel mehr ein fix und fertiges, leicht zu fahrendes Rennbike. Und damit kommen wir zum eigentlichen Highlight der GP2, nämlich dem Chassis. Verwendet wurde dazu ein Stahlrohrrahmen aus 25CrMo4, der sehr eng um den sehr schlanken 890er Motor konstruiert wurde und somit sehr schmal baut. Das macht sich bei der Sitzposition positiv bemerkbar. Nachdem zusätzlich der Tank nicht wie gewöhnlich oberhalb des Motors, sondern unter dem Sitz untergebracht ist, ergibt sich ein sehr guter Knieschluss an der Tank Attrappe. Das gesamte Rahmenheck ist aus einem selbsttragenden Kunststoffteil, welches gleichzeitig Tank, Sitz und Heckverkleidung in einem darstellt. Diese sehr leichte Konstruktion ermöglicht in Kombination mit dem leichten Triebwerk somit ein extrem niedriges Gesamtgewicht von 142kg! Zusätzlich wird der Treibstoff sehr tief unter dem Sitz gebunkert und verringert dadurch noch die Lage des Gesamtschwerpunktes. Weiters kann durch verschiedene Verstellmöglichkeiten der Gabelwinkel und der Offset in der Gabelbrücke justiert und an den Fahrerwunsch angepasst werden.

Fahrwerk

Als Fahrwerkskomponenten werden natürlich voll einstellbare Apex Fahrwerkselemente von WP verwendet. In der Gabel kommt deshalb ein Closed Cartridge zum Einsatz und die Schwinge wird vom Federbein Apex Pro 7746 gedämpft. Diese Elemente wurden im Vergleich zum Vorgänger nochmals im Einstellbereich verbessert und erhöht somit die Einstellmöglichkeiten für unterschiedliche Fahrzustände und Fahrer. Auch der Link an der Schwinge wurde progressiver gestaltet um eine bessere Fahrbarkeit zu bekommen.

Elektronik

Ein weiterer grosser Unterschied zum Vorgänger ist die Elektronik. Wurde noch bisher eine sehr einfache Elektronik von Bosch verwendet, kommt in der neuen RR nun eine neu entwickelte Elektronik von der Firma MecTronik zum Einsatz. Diese ermöglicht es nun auch Fahrhilfen wie TC und WC umzusetzen. Mit den leicht zugänglichen Bedienelementen können diese Fahrhilfen dann auch während der Fahrt auf die gewünschte Regelstärke eingestellt werden. Durch die Verwendung eines Dashboards MXS1.3 von AIM mit integrierten Datalogging hat man gleichzeitig ein voll integriertes Data Recording geschaffen, welches die Abstimmung des Fahrzeuges nochmals deutlich erleichtert. Nur der Kontrast des Displays ist bei manchen Lichtverhältnissen nicht optimal und besonders die Drehzahlanzeige nur schwer erkennbar. Dafür tritt dann aber der Schaltblitz deutlich und unverkennbar zum Vorschein und kündigt dem Fahrer den anstehenden Gangwechsel an.

Krämer GP2 890 RR Display
Die neue Steuerheit der GP2 890 RR.

Verkleidung & Aerodynamik

Ein grosser Sprung nach vorne war die Anpassung der Verkleidung und somit der Aerodynamik. Durch viele Änderungen der Form der Verkleidung, konnte der Luftwiderstand stark reduziert und der Top Speed deutlich erhöht werden. Somit ist auch einer der Schwachpunkte der Vorgängerversion gelöst worden und ermöglicht nun in Verbindung mit dem etwas stärkeren Triebwerks eine Erhöhung des Top Speeds von 260 auf 275km/h. Der Windschutz ist selbst für grosse Fahrer optimal gelungen und wirkt auch bei nicht optimal eingenommener Sitzposition gut.

Bremse

Bei der Verzögerung setzt man ganz auf Brembo. Bei den Bremssättel verwendet man die doppelten Stylema die auf zwei 290er Scheiben zubeissen. Als Pumpe kommt die 19RCS Corsa Corta zum Einsatz. In Summe also eine mehr als bewährte Kombination, die auch in vielen anderen Motorrädern für hervorragende Eigenschaften sorgt.

Brembo Bremsen
Krämer verlässt sich auf Brembo Komponenten.

"Ready to Race"

Was sehr gefällt sind ein paar kleine Lösungen, die das Bike auch im harten Rennalltag standfähig machen und im Falle eines "Falles" keine grossen Reparaturen nach sich ziehen. Deshalb wurden zum Beispiel am selbsttragenden Rahmenheck an den Punkten die im Sturzfall Bodenkontakt haben, schraubbare Protektoren angebracht. Somit genügt es nach einem leichten Crash nur diese Inserts zu tauschen um wieder eine neuwertige Optik herzustellen. Der vordere Bereich stützt sich über einen am Hauptrahmen befestigten Protektor ab. Dieser ist aber nicht direkt, sondern mit einer nachgiebigen Platte mit dem Rahmen verbunden, um die Crashenergie in der Platte abfangen zu können und um Schäden am Rahmen selber zu vermeiden. Selbst auf der Schwinge, im Bereich der verstellbaren Fussrasten, ist eine zusätzliche auswechselbare Platte angeschraubt. Dadurch kann der Fussraster keine Beschädigungen an der Schwinge verursachen.

Und wie fährt sich die neue?

Wie von den Daten bereits zu erwarten, fährt sich die neue Krämer GP2 Moto2-ähnlich. Durch das extrem geringe Gewicht kann das Bike ohne grosser Kraftanstrengung von einer Schräglage in die andere gebracht werden. Dabei vermittelt das sehr stabile Chassis unmittelbaren Kontakt zum Boden und ermöglicht auch Richtungsänderungen in starker Schräglage. Einzig am Kurvenausgang drängt die GP2 etwas nach aussen. Das ist eventuell auch an der derzeit verwendeten 6 Zoll breiten Hinterradfelge geschuldet, auf der der 180er Reifen eher flach aufbaut. Eine schmalere 5,5 Zoll Felge würde da vielleicht besser zur 180er Dimension passen. Und ob ein 200er Reifen auf diesem Motorrade wirklich Vorteile bringt ist fraglich.

Rennstrecke Brünn
Die ehemalige MotoGP Strecke in Brünn diente als Teststrecke.

Die Sitzposition und Ergonomie ist selbst für grössere Fahrer gut gelungen und ermöglicht auch über längere Turns schnelles und stressfreies Fahren. Dazu trägt auch der Motor bei. Dieser ist mit 138PS und zwei Zylindern nicht übermässig stark und überfordert selbst unerfahrene Piloten nicht. Gerade das macht die Krämer wahrscheinlich für die meisten Fahrer zu einer guten Waffe auf der Jagd nach Rundenzeiten. Bei Rennstrecken wie zum Beispiel am Pannonia Ring schafft man diese nicht durch schiere Leistung, sondern viel mehr durch gute Fahrbarkeit. Ein kleines Manko hat das stabile Chassis aber dennoch gezeigt. Einerseits wird dadurch ein sehr präzises Fahrverhalten erzeugt, andererseits neigt es dadurch aber gerade bei Bodenwellen in Schräglage manchmal zum Chattern. Dem kann man aber auch mit unterschiedlichen Fahrwerkseinstellungen und mit Verwendung von Reifen mit weicher Karkasse entgegenwirken. Die Fahrhilfen funktionieren gut und unterstützen den Fahrer in verschiedenen Bereichen ohne dabei zu grosse und störende Eingriffe zu tätigen. Grosse Eingriffe sind aber bei dem sehr sanften und gut abgestimmten Triebwerk sowieso nicht nötig.

Martin_Bauer

MARTIN_BAUER

Weitere Berichte

Fazit: Krämer GP2 890 RR 2023

Das Ziel, ein leicht zu fahrendes Rennmotorrad „out of the Box“ zu bauen, ist ganz gut verwirklicht worden, auch wenn der Motor von der Charakteristik her nicht gleich an einen Rennmotor erinnert. Es fehlen dazu die Drehzahlen und die Leistungsentfaltung, trotzdem kann er aber mit seinen 138 PS ganz gut in der kleinen Klasse mithalten. Darüber hinaus liefert er auch im Vergleich deutlich mehr Leistung bei tieferen Drehzahlen. Vielleicht eignet sich die neue Krämer GP2 890 RR auch deshalb besonders für nicht so versierte Piloten. Sie überfordert einem nicht, ist präzise, leicht zu Fahren und der Motor hat auch bei schaltfaulen Fahrern gut Dampf von unten raus. Auf jeden Fall ist sie aber eine Fahrmaschine, die selbst für „Profis“ richtig Spass auf der Rennstrecke macht und sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten zulässt. Jeder, der also das nötige Kleingeld dafür aufbringen kann, erhält ein Moto2 ähnliches Renngerät, dass mit vielen rennfreundlichen Features, viel Spass auf der Rennstrecke verspricht.


  • Super leichtes Handling
  • Gute Fahrbarkeit
  • Sehr präzise
  • Gute Ergonomie auch für grössere Fahrer
  • Viele Racing optimierte Detaillösungen
  • Rennstreckenperformance "out of the Box"
  • Schaltautomat etwas hakelig
  • Leichte Chatterneigung
  • Preis € 41.990,- inkl. MwSt.

Bericht vom 04.08.2023 | 20.000 Aufrufe