Suzuki GSX-S 1000 GT 2022 - erster Test auf der Landstrasse

Die sportliche Universallösung für Strassenfahrer?

Suzuki traut sich was! Vorbei sind die Zeiten des antiquiert rundlichen Designs. Die neue GT legt, wie auch schon ihre Nakedbike Schwester, einen futuristische Auftritt mit Ecke und Kante hin. Das aber nur bei der Optik - im Fahrbetrieb wiederum gibt sie sich absolut geschmeidig. Der bewährte Vierzylinder ist in Sachen Laufkultur, nicht zuletzt dank Ride-by-Wire und neuer Abstimmung, ein echter Musterschüler. Ihre Wurzeln hat sie immer noch in der GSX-R 1000 und das ist gut so, denn das stabile Chassis und der drehfreudige Motor sind ein Garant für Fahrfreude, speziell wenn es mal sportlich zur Sache geht. Auch der aufgerufene Preis ist fair. So stellt sich die Frage, braucht es mehr?

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Suzuki GSX-S 1000 GT - ein echter Sporttourer feiert für 2022 Renaissance

Im Jahr 2014 stellte Suzuki das letzte Modell der Kategorie Sporttouring vor, die GSX-S 1000 F. Sie basierte auf dem, im gleichen Jahr vorgestellten, Nakedbike GSX-S 1000. Nach der Neuauflage der GSX-S 1000 für die Saison 2021 erscheint es nun schlüssig, auf dieser Basis auch wieder das Segment der Sporttourer zu bedienen. Anstelle eines "F" schmückt jetzt allerdings das Kürzel "GT" die Modellbezeichnung. Die Unterschiede zum nackten Schwestermodell fallen, sowohl optisch als auch bei der Ausstattung, nun weitaus deutlicher aus als es noch 2014 der Fall war.

Ecken und Kanten im Blech der neuen GSX-S 1000 GT

Betrachtet man die komplett neugestaltete Verkleidung, so wirkt die Optik, mit vielen Kanten im Design und den kleinen, verspielten Winglet-artigen Ausformungen in den Seitenpanelen, erfrischend anders und auf den ersten Blick gar nicht Suzuki-typisch. Auch das V-förmig gestaltete LED-Tagfahrlicht an der Front bringt zeitgemässen Schwung in den Auftritt der neuen GT. Feine aerodynamische Details, wie beispielsweise die aussergewöhnlich geformten Rückspiegel zeugen von Entwicklungsarbeit im Windkanal. Nicht zuletzt haben die Ingenieure mit dem freiliegenden Gitterrohr-Rahmenheck ein echtes Glanzstück geschaffen - nicht nur für die Zuladungskapazität sondern auch für das Auge des Betrachters.

Suzuki GSX-S 1000 GT nun mit zeitgemässem TFT-Display

Blickt man hinter die futuristisch gezeichnete Frontverkleidung in das Cockpit der GT, ergibt sich auch hier ein angenehm erfrischender Anblick. Sämtliche Bedienelemente wurden neu gestaltet und ein perfekt ablesbares 6,5 Zoll TFT-Farbdisplay hat Einzug gehalten. Die Anzeige lässt sich in verschiedenen Varianten individualisieren. Die Smartphone Anbindung erfolgt problemlos via Bluetooth und der Suzuki mySPIN App (Im Play Store und App Store kostenfrei zum Download). Damit lassen sich dann Funktionen wie Musik-Wiedergabe, Navigation oder auch die Headset-Kommunikation in den Bildschirm rufen. Praktischerweise gibt es seitlich an der Displayeinheit noch einen USB Anschluss mit Ladefunktion. In Summe kann die Infotainment-Ausstattung der GSX-S 1000 GT damit vielleicht nicht als innovativ aber als immerhin als top modern bezeichnet werden.

Neues 6,5 Zoll TFT-Display im Cockpit der GSX-S 1000 GT
Übersichtliche Gestaltung, perfekte Ablesbarkeit und simple Menüführung - gut gemacht!

Komfort-Features an der GSX-S 1000 GT

Wo wir schon beim Thema Elektronik sind: Auch in Sachen Fahrsicherheit und -Komfort hat Suzuki nachgelegt. Wie schon an der neuen Suzuki GSX-S 1000 bekommt nun auch die GT drei Fahrmodi, welche die Motorcharakteristik beeinflussen. Zur weiteren Serienausstattung zählt das obligatorische ABS, eine in fünf Stufen einstellbare Traktionskontrolle, ein Quick-Shifter mit Blipper und ein Tempomat. Wie sich diese Assistenzsysteme im Fahrbetrieb geschlagen, geht etwas weiter unten in den Fahreindrücken hervor.

Unter Komfort lässt sich auch das erweiterte Tankvolumen verbuchen. Anstelle von 17 passen nun 19 Liter in den neu geformten Tank. Damit gibt Suzuki für den Sporttourer eine üppige Reichweite von über 350 Kilometer an. Die Sitzbank wurde ebenfalls neu gestaltet, mit einer Höhe von 810 mm und ihrer flacheren Formgebung sitzt es sich nicht mehr ganz so eingekesselt wie noch bei der Vorgängerin.

Laufkultur und Fahrbarkeit

So lauten die beiden Schlüsselworte, welchen man sich bei der neusten GSX-S Generation angenommen hat. Ein kurzer Druck auf den Startknopf erweckt den Antrieb zum Leben. Motorseitig wurden die Nockenprofile überarbeitet, ein Drosselklappenkörper mit reduziertem Durchmesser kam zum Einsatz und auch eine neue Airbox hat Einzug gehalten. Ergibt am Papier: 152 PS bei 11.000 Umdrehungen und 106 Nm Drehmoment bei 9.250 Touren. Ebenfalls ist man bei Suzuki auf ein zeitgemässes Ride-by-Wire System umgestiegen. All das verhilft nun zu einem deutlich geschmeidigeren Ansprechverhalten. Kenner der letzten GSX-S Modelle wissen, die harsche Gas-Annahme war oftmals in Spitzkehren ein Problem. War man nicht darauf gefasst, hat einem der ruppige Leistungseinsatz gerne die Linie in engen Kurven verhagelt. Ebenfalls ist das Konstantfahrruckeln der alten Generation passé. Mit der GT lässt sich nun absolut sauber in niedrigen Drehzahlen durch die Ortschaften gondeln. Unterhalb von 5.000 Touren sind auch dank Elastomer-gelagertem Lenker und gummierten Fussrasten quasi keine Vibrationen wahrzunehmen. Generell darf an dieser Stelle angemerkt werden: So souverän im 6. Gang mit 40 bis 50 km/h durch Ortsgebiet fahren, das können nicht viele Fahrzeuge am Markt, japanische Vierzylinder-Laufkultur in Perfektion.

Suzuki GSX-S 1000 GT glänzt mit durchschaubarem Fahrverhalten

Geht es auf Freilandstrassen dann sportlich zur Sache und der 1000er Vierzylinder darf von der Leine, so lässt die GT ihre Superbike Wurzeln durchblicken. Das beginnt beim Motor, der in seiner Basis aus der K5 stammt. Mit typisch feiner Vierzylinder-Vibration unterlegt, dreht er gierig nach oben. Der Antrieb hängt super direkt am elektronischen Gasgriff ohne dabei ruppig zu sein. Sowohl die Leistungs- also auch die Drehmoment-Kurve wurden im Vergleich zum Vorgänger geglättet. Das ist auch im Fahrbetrieb zu spüren, absolut linear und berechenbar wandern die 152 Pferde ans Hinterrad. Richtig Leben kommt erst ab etwa 7 Tausend Touren in die Hütte, zusammen mit der angenehm kurzen Getriebe-Abstufung in den mittleren Gängen passt das aber für den Einsatz auf der Landstrasse optimal. Von den drei Fahrmodi gefiel dabei der sportlichste, also "A", im Test am besten. "B" eignet sich mit der spürbar zurückhaltenden Leistungsentfaltung für verschmutzte Strassenabschnitte oder Regenfahrten. Modus C kam dank perfekter Funktion der ersten Beiden im Testgeschehen nicht längerfristig zum Einsatz.

Nasse Strassen als Bewährungsprobe für Assistenzsysteme der GSX-S 1000 GT

Oben besagte Regenfahrt ergab sich im Test dann auch tatsächlich im Laufe des Vormittags. Die Bergstrassen rund im den malerischen Lago dIseo präsentierten sich nass und somit wurden neben dem Fahrmodus, mit wenigen Knopfdrücken an der schicken Bedieneinheit am linken Lenkerende, noch die Traktionskontrolle von Stufe 2, welche sich im normalen, trockenen Fahrbetrieb als sehr passend herausgestellt hat, auf 4 hochgedreht. Damit war bei Nässe ein angenehmes Sicherheitspolster zu spüren. Provozierte Rutscher wurden damit schon in der Entstehung abgefangen. Insgesamt lässt sich die gut funktionierende, konventionell über Raddrehzahl agierende, Traktionskontrolle in 5 Stufen einstellen. Eine schräglageabhängige Regelung bietet Suzuki in Ermangelung der entsprechenden Sensorik (IMU) weder für die Traktionskontrolle noch für das ABS an. Richtig vermisst wurde eine solche allerdings im Test auch nicht.

Suzuki GSX-1000 GT Fahrwerk

In Sachen Fahrwerk geht die GSX-S 1000 GT mit bewährtem Material an den Start. Zur Nakedbike-Schwester gibt es in der Hardware keinen Unterschied - sehr wohl aber in der Abstimmung. Die voll einstellbare 43mm USD-Gabel von KYB, wie auch das hintere Federbein, welches in Zugstufe und Vorspannung adjustierbar ist, liefern im Fährbetrieb solide Ergebnisse. Die Grätsche zwischen sportlicher Präzision und Fahrkomfort hat man bei Suzuki im Setup sehr gut hingebracht. 120 Millimeter Federweg an der Front und 130mm im Heck bieten zudem ausreichend Reserven und passen zur Sporttourer-Kategorie. Ein wenig Kritik gibt es nur beim Ansprechverhalten, über Kanten in der Fahrbahn, Schlaglöcher oder Kanaldeckel wird die GT etwas bockig.

Voll einstellbare Federgabel an der GSX-S 1000 GT 2022
Bewährtes Material, zum Nakedbike gibt es in der Hardware keinen Unterschied sehr wohl aber beim Setup

Insgesamt liefert der Sporttourer aus Hamamatsu im Fahrbetrieb aber einen sehr guten Eindruck ab. Präzise und mit hohem Mass an Stabilität lässt sie sich durch die Radien zirkeln. Mit 226 kg fahrfertig ist sie für die 1000er Touring-Klasse zudem erfreulich leicht. Pfeift man mit der GT sportlich über die gewundenen Strässchen, ist stets die hohe Chassis-Güte zu Spüren. Neben dem Motor haben auch Rahmen und Schwinge, ihre Wurzeln in der supersportlichen Gixxer Modellreihe. Mit dem, zum Vorgängermodell F, nun um 23mm verbreiterten Lenker, welcher im Vergleich zur GSX-S 1000 - also dem Nakedbike Schwestermodell - etwas weiter zum Fahrer ihn ausgeformt ist, lässt sich das Fahrzeug souverän in Richtung Kurveneingang dirigieren. Satt und spurtreu zieht die Suzuki im Anschluss durch die Biegung, am liebsten zügig und durch weite Radien. Hinsichtlich der Bremse sei angemerkt, dass Standfestigkeit und Dosierbarkeit als sehr gut zu bewerten sind. Der Biss, welchen die Brembo M4 Anlage zusammen mit der 310 mm Doppelscheibe liefert, dürfte allerdings gerne etwas energischer sein. Ob in der GT zahmere Bremsbeläge als in der GSX-S 1000 zum Einsatz kommen, konnte leider ad hoc nicht beantwortet werden.

In Sachen Bereifung hält man bei Suzuki an der 190/50-17 Dimension fest, ebenfalls zugunsten der Stabilität, wurde von den Entwicklern mitgeteilt. Negativ hat sich der verhältnismässig niedrige Querschnitt im Testgeschehen jedenfalls nicht bemerkbar gemacht. Die Dunlop Serienbereifung, in Form des Sportmax Roadsport 2, hat einen guten Eindruck hinterlassen, im Trockenen wie auch bei Nässe.

Attraktiver Preis war Entwicklungsziel der GSX-S 1000 GT

Wer nun nach einem elektronisches Fahrwerk, einer IMU für schräglagenabhängige Regelsysteme oder gar Spielereien wie einer radarbasierten Abstands-und Temopo-Regelung fragt: Darauf hat man bei Suzuki bewusst verzichtet. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis war laut Auskunft aus Japan stets in der Entwicklung mit eingeplant. Mit rund 14.500 Euro bei Suzuki Deutschland bekommt man in jedem Fall ein toll ausgestattetes und perfekt verarbeitetes Paket geboten, wo nach einigen Stunden im Sattel die Frage aufkommt, braucht es denn wirklich mehr Motorrad? Die GSX-S 1000 GT ist im Strassenbetrieb tatsächlich eine für alles.

Preise der GSX-S 1000 GT für Deutschland, Österreich und die Schweiz im Überblick

GSX-S 1000 GT auf grosser Tour - sinnvolles Zubehör und Gepäcksystem

Mit 190 Kilogramm Zuladung passt auch noch einiges an Gepäck auf den Sporttourer. Als absolut empfehlenswert haben sich dabei im Test die Seitenkoffer aus dem Original-Zubehör präsentiert. Nicht nur weil sie sich mit entsprechenden Lack-Akzenten perfekt in die Gesamtoptik der GT einschmiegen, sondern auch weil sie gut bedienbar und praktisch sind. Links und rechts in gleicher Grösse, fassen sie ein Volumen von 36 Litern. Sogar ein voluminöser Integralhelm in Grösse XL passt locker hinein.

Original Koffer für die GSX-S 1000 GT
Optisch und technisch perfekt integriert - das originale Koffersystem von Suzuki

Um die Saison entsprechend lange nutzen zu können, empfehlen sich zudem noch die optionalen Heizgriffe aus dem, insgesamt 36-teiligem, Zubehörkatalog für die GT. Suzuki Österreich bietet beispielsweise zur Einführung auch ein ermässigtes Holiday-Paket an, welches eine sinnvolle Auswahl an Zubehör vereint.

Fazit: Suzuki GSX-S1000GT 2021

Die neue GT legt, wie auch schon ihre Nakedbike Schwester, einen futuristische Auftritt mit Ecke und Kante hin. Das aber nur bei der Optik - im Fahrbetrieb wiederum gibt sie sich absolut geschmeidig. Der bewährte Vierzylinder ist in Sachen Laufkultur, nicht zuletzt dank Ride-by-Wire und neuer Abstimmung, ein echter Musterschüler. Ihre Wurzeln hat sie immer noch in der GSX-R 1000 aus 2005 und das ist gut so, denn das stabile Chassis und der drehfreudige Motor mit 152 PS sind ein Garant für Fahrfreude, speziell wenn es sportlich zur Sache geht. Die umfangreiche Serienausstattung macht aus der neuen GSX-S 1000 GT ein tolles Paket. Der Quickshifter beispielsweise funktioniert in beide Richtung ausgezeichnet, der Tempomat hilft dabei Autobahn-Etappen entspannt zu überbrücken und die neue Display-Einheit mit umfangreichen Connectivity-Features bringt zeitgemässen Schwung ins Cockpit. Der aufgerufene Preis ist zudem fair.


  • Optik und Verarbeitung
  • Display und Connectivity
  • kräftiger Motor
  • grossartige Laufkultur
  • perfekter Quickshifter
  • umfangreiche Serienausstattung
  • attraktiver Preis
  • Ansprechverhalten Fahrwerk
  • Windschild nicht verstellbar
  • Bremse könnte etwas mehr Biss haben

Bericht vom 09.10.2021 | 94.611 Aufrufe

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