Big-Enduro Melken 2016: Honda CRF1000L Africa Twin
Die Honda Africa Twin auf der Rennstrecke
10 Motorräder an einem Tag bei der 1000PS Bridgestone Gripparty am Wachauring 2016. K.OT und Vauli melken die Big-Enduros von Aprilia, BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Triumph.

K.OTs Meinung zur Honda Africa Twin:
Die Africa Twin muss eigentlich nichts mehr beweisen, ausser, dass sie den Dauertest mit Varahannes überlebt, der sich als doch nicht so sturzsicher erwiesen hat, wie zunächst angenommen. Sie hat beim Test in Südafrika überzeugt, uns bei unseren Roadshow- und Schottertests begeistert und bei der Krka Rally die gesamte Hardenduro-Konkurrenz verblasen und in der Twin-Klasse einen Doppelsieg eingefahren. Es wäre also genug der Triumphe und Medaillen, doch wir wollten sie auch noch dort testen, wo sie nicht hingehört: Auf der Rennstrecke.
Der Wachauring in Melk ist ein überschaubarer Kurs, der es schafft, auf kurzer Distanz mit interessanter Linienführung Fahrer und Fahrzeug detailliert zu analysieren. Rausbeschleunigen auf die kurze Start-Ziel, Einlenken in eine schnelle, lange Rechts, Anbremsen einer abfallenden Links, dann vom tiefsten Punkt eine weitere lange Rechts raufbeschleunigen, um dann zwei 180-Grad Kurven möglichst flüssig durchzuschwingen. Die richtig sportliche Fahrweise mit den stärkeren DCT-kompatiblen Modellen funktioniert meiner Meinung nach nur mit Schaltgetriebe oder im manuellen Modus.
Auf der Rennstrecke nur mit Schaltgetriebe
Das DCT kann nicht ausreichend schnell und richtig reagieren, weil es den Streckenverlauf nicht kennt. Besonders auf einem so kleinen Kurs mit schnellen Wechseln. Mit einer Bereifung in den Dimensionen 90/90-21 und 150/70-18 ist die Africa Twin noch untauglicher für die Rennstrecke als die meisten Konkurrentinnen. Aber Qualität und Ausstattung sind auf hohem Niveau und deshalb erwartete ich mir eine solide Leistung, trotz der Reifendimensionen. Am Ende war es für mich die beste Leistung des Tages, weil das Gesamtkonzept stimmig ist und der Parallel-Twin genau jene Leistung liefert, die man braucht.
Weitere grosse Reiseenduros:
Auf der Strasse, im Gelände, auf der Rennstrecke
Diese lässt sich zudem wie die Bremsen fein dosieren, wodurch Fahrassistenzsysteme wie ABS und TC nur reine Sicherheitsmassnahmen sind. Wer es noch etwas sportlicher angehen möchte, der kann das ABS am Hinterrad abschalten. Besonders wichtig ist mir auf der Rennstrecke die Bewegungsfreiheit am Motorrad, die auf der Honda gegeben ist, ebenfalls zufriedenstellend ist die Schräglagenfreiheit. Ein breiter Lenker ist unverzichtbar auf einer Enduro, weil über die stärkere Hebelwirkung die Fahrdynamik verbessert wird.
Die Sitzhöhe ist mit 850/870 mm relativ hoch, doch ist mir das auf der Africa Twin seltsamerweise nicht so stark aufgefallen. Für kleinere Fahrer/innen könnte das allerdings ein Hindernis darstellen. Hondas wiederauferstandene Enduro-Legende ist auf jeden Fall eines: Eine echte Alleskönnerin, die im Gelände, auf der Strasse und sogar auf der Rennstrecke überzeugen kann. Das haben manche ihrer Konkurrentinnen bereits verlernt.
Big-Enduro Melken 2016:
Vaulis Meinung zur Honda CRF1000L Africa Twin:
Die neue Africa Twin wurde bereits vor ihrer Premiere als lang ersehnte Rückkehr einer Legende gefeiert, förmlich als die Erlösung von einer jahrzehntelangen Warterei auf das ultimative Motorrad, das alles kann. Eine schwere Bürde also für die Neue, die damit nicht nur alles besser können muss als die Vorgängerin (was ja noch die leichteste Übung ist), sondern auch die aktuelle Konkurrenz in Schach halten soll. Insgesamt gelingt ihr das auch ganz gut, durch die vergleichsweise beschauliche Motorisierung von 95 PS geht man den direkten Vergleichen mit den 150 PS plus-Monstern aus dem Weg und ordnet sich in der schlauen Mitte ein, die leistungsmässig vor allem für etwaige Offroad-Ausflüge ohnehin reicht.
Mehr Wert legten die Ingenieure stattdessen auf eine einfache Fahrbarkeit und ein ausgezeichnet kontrollierbares Handling - sowohl auf der Strasse als auch im Gelände. Und selbst im härtesten Einsatz auf Asphalt - nämlich auf der Rennstrecke - macht die CRF1000L Africa Twin, so heisst sie mit vollem Namen, eine ausgezeichnete Figur. Denn auch dort spielt sie ihr einfaches Handling aus indem sie sich herrlich einfach in diverse Radien legen lässt und durch Wechselkurven wieselt. Die Sitzposition ist dabei ebenfalls hilfreich, schön aufrecht vor dem breiten Lenker hat man stets alles fest im Griff. Sogar die Bremse macht auf der Rennstrecke eine gute Figur, die 310 Millimeter-Doppelscheibe an der Front wird von radial montierten Vierkolbenzangen gebissen - also alles andere als unterdimensioniert.
Lediglich die geländeorientierte Bereifung mit dem grossen 21 Zoll-Vorderrad will wohl eher lose Steine statt gebundenen Asphalt und gebietet ein wenig Einhalt bei zu forschem Kurvenräubern auf der Piste. Ansonsten ist die Africa Twin ein höchst spassiges Motorrad, das sowohl in der von uns getesteten Schaltvariante als auch mit dem Doppelkupplungsgetriebe DCT (Dual Clutch Transmission) sehr gut funktioniert. Und gerade da erkennt man, dass Honda nach wie vor höchsten Wert auf Qualität in allen Belangen legt, denn klarerweise sind die Japaner besonders stolz auf ihr einzigartiges DCT, dennoch funktioniert auch das herkömmliche Schaltgetriebe butterweich und präzise - also besteht nicht unbedingt die Dringlichkeit, das teurere Doppelkupplungsgetriebe zu ordern.
Fazit: Honda CRF1000L Africa Twin 2016
Die Legende ist zurück, behauptete Honda vollmundig - die Mission ist aber zu einem Höchstmass gelungen, die Africa Twin mit dem eher sperrigen Namen CRF1000L Africa Twin ist eine sehr wendige und ausgezeichnet fahrbare Enduro, die auf allen Untergründen gut funktioniert. So auch auf Schotter und Single Trails, wo ein einfaches Handling natürlich sehr wichtig ist. Mit 95 PS fehlen ihr zwar stolze 65 PS auf die Elite, für ein solch ausgewogenes Handling braucht man aber nicht mehr. In einer Sache ist die CRF1000L Africa Twin sogar völlig konkurrenzlos - sie kann mit einem Doppelkupplungsgetriebes DCT (Dual Clutch Transmission) geordert werden.- extrem gut und angenehm fahrbar
- Motor dreht brav hoch
- tolles Handling
- funktioniert im Gelände sehr gut
- sehr reisetauglich
- einzigartiges Doppelkupplungsgetriebe DCT
- der Motor ist unspektakulär
Bericht vom 12.09.2016 | 23.425 Aufrufe