GSX-R600 Slovakiaring
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Suzuki GSX-R 600 Slovakiaring |
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Suzukis kleine Gixxer für einen Ringneuling? Was passiert, wenn Kompromisslosigkeit auf Unerfahrenheit trifft? Klemens Schuller berichtet von seinen Erfahrungen bei der 1000PS Speedparty. |
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Montagmorgen, wir werden geweckt von der Sonne die durch das Fenster aufs Bett scheint. Der erste Gedanke: Bloody Monday! Doch irgendetwas ist heute anders als sonst. Während die Arbeitskollegen wahrscheinlich schon am Weg ins Büro sind, merken wir spätestens am Blick durchs Fenster im Hotel, heute wird ein guter Tag! Vor uns breitet sich der Slovakiaring im Glanz der aufgehenden Sonne aus. | |||||
So schnell sind wir schon lange nicht mehr aufgestanden. Tägliche
Katzenwäsche, ein kleines Frühstück (Leistungsgewicht ist immerhin ein
wichtiger Aspekt im Motorsport), beim Bezahlen des Hotelzimmers zittern
die Finger und schon bewegen wir uns in das Fahrerlager. Die letzten
Teilnehmer der 1000PS Speedparty sind nun auch eingetroffen. Noch kurz
ins Büro um letzte Details zu klären und dann quälen wir uns in die
Lederkombi. In der Box erwartet uns auch schon unser Arbeitsgerät für den heutigen Tag: die neue Suzuki GSX-R 600. Wir erinnern uns, was wir beim Betreten des Fahrerlagers gesehen haben, da eine BMW S1000RR, dort eine Yamaha R1. Kann die 600er auf dieser Strecke mit ihren deutlich leistungsstärkeren Verwandten überhaupt mithalten? Die längste Gerade misst immerhin knappe 900 Meter und aus der letzten Kurve kommt man mit weit über 150 km/h bereits mit einer ordentlichen Geschwindigkeit! |
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Am Pannoniaring kann die GSX-R600 all ihre Vorteile ausspielen, ohne am Leistungsnachteil leiden zu müssen. Und am wesentlich schnelleren Slovakiaring...? |
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Sicheres Gefühl durch hohe Sportlichkeit. |
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Egal, wir wollen ihr eine Chance geben. Diese hat sie sich alleine schon
wegen ihres neuen Designs verdient, welches sich erheblich vom 2010er
Model unterscheidet. Die Ampel schaltet auf grün, ich warte noch bis das
Chaos am Boxenausgang sich lichtet und dann will auch ich auf die
Strecke. Da passiert es, die Streckenposten wollen mich nicht auf die
Strecke lassen! Lichter und Spiegel müssen erst mit Tapes überklebt
werden. Nervös erledigen wir die mir aufgezwungene Arbeit an der Box und
dann gehts so schnell wie möglich raus auf die Strecke! Mit einem
freundlichen Lächeln lassen mich die Marschalls diesmal passieren und
los gehts! Ich lasse es ruhig angehen und versuche mich erst mit Strecke und Motorrad anzufreunden. Die Suzuki gibt mir von Anfang an ein sicheres Gefühl. Sie vermittelt besonders in den schnellen Kurven sehr viel Vertrauen, so dass ich die Geschwindigkeit kontinuierlich steigern kann. Sie wirkt sehr agil, was sicherlich auf ihr niedriges Gewicht von 187 Kilo vollgetankt zurückzuführen ist. Nach wenigen Runden ist der erste Kontakt zwischen meinem Knie und dem slowakischen Asphalt hergestellt, was für einen Rennstreckenanfänger wie mich doch ungewohnt ist. Mit jeder Runde werde ich schneller und verliere meine Hemmungen, was das Überholen angeht. Dann ist mein erster Turn jedoch schon vorbei. Begeistert und mit einem breiten Grinser fahre ich zurück in die Box mit einem einzigen Gedanken: wann gehts wieder weiter? 60 Minuten später gehe ich zurück auf die Strecke. Diesmal möchte ich näher ans Limit der Suzuki heran kommen und hänge mich an eine BMW S1000RR. Der BMW Fahrer sollte auf dieser Strecke eigentlich kein Problem mit mir und meiner 600er haben. Nach der ersten Runde hänge ich ausgangs der letzten Kurve immer noch an seinem Hinterrad, ich versuche, mich so gut es geht hinter der Verkleidung zu verstecken, um möglichst wenig Zeit auf meinen Gegner zu verlieren. |
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Vorbild für alle: Suzukis Instrumente sind klar strukturiert und hervorragend ablesbar. |
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Die wahre Ware: 310 mm, 4-Kolben
radial |
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GSX-R600 gegen S 1000 RR. |
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Plötzlich bemerke ich, die Suzuki bietet selbst für einen Fahrer mit
einer Körpergrösse von 1,83 Meter noch gut Platz, dass ich mich nicht
artistisch verrenken muss, um dem Fahrtwind zu entkommen. Die auf der
Geraden verlorene Zeit auf die BMW mache ich in den darauf folgenden
Kurven schnell wieder wett. Hier machen sich die überaus gut
funktionierenden Bremsen in Verbindung mit dem niedrigen Gewicht der Suzuki bemerkbar. Die Brembo Anlage lässt
während der gesamten Fahrt kaum nach und ist sehr gut dosierbar, so dass
ich keine elektronischen Hilfsmittel vermisse. Bei jedem Bremsvorgang
gewinne ich deutlich an Boden, bis ich im letzten Drittel der Strecke an
der BMW vorbeiziehe. Mein Mitbewerber - ebenfalls unerfahrener Debütant
- kann die volle Leistung der BMW nicht nutzen (wer kann das schon) und
da ich beim Kurveneingang und in den teils lang gezogenen Kurvenradien
immer schneller fahren kann, als er, zieht er trotz übermächtiger
Leistung und Topspeed den Kürzeren. Unser Duell zieht sich über mehrere Runden und ich
denke, der Fahrer wird das Video, welches seine nach hinten ausgerichtete Onboardkamera von meinen Überholmanövern macht, wohl kaum seinen
Freunden am Stammtisch zeigen.
Am Ende des Turns lasse ich ihn ziehen und konzentriere mich wieder ganz auf die Suzuki. Etwas überrascht werde ich von ihrem Motor. Er läuft erwartungsgemäss sehr ruhig und beschleunigt druckvoll aus den Ecken heraus. Auf der Geraden erziele ich doch ganz respektable 250 km/h. Mehr ist dann doch nicht drinnen bei 125 PS. Oder sollte ich am Kurvenausgang der letzten Kurve vor der langen Gerade noch mehr Speed mitnehmen? Es reicht jedoch gerade so, um nicht zu viel Zeit auf die schnelleren 1000er Modelle zu verlieren. Zumindest dann, wenn so wie hier nur Hobbyfahrer unterwegs sind und niemand eine perfekte Linie hinlegt. |
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Empfehlung für Ringneulinge. |
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Am Ende des Tages blicke ich zufrieden auf meine deutlich geschrumpften Knieschleifer. Die Suzuki GSX-R 600 hat mich nach anfänglichen Zweifeln doch noch überzeugen können, und das, obwohl ich normalerweise ein klarer Fan der 1000er Abteilung bin! Das überdurchschnittliche Handling und die sorgenfreien Beschleunigungsmanöver mit der Suzuki haben es mir trotzdem irgendwie angetan! Für Ringneulinge kann ich mir dieses Motorrad gut vorstellen, da es leicht zu fahren ist, Fehler verzeiht und auch noch über genügend Leistung verfügt, welche noch dazu einfach zu kontrollieren ist! | |||||
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Interessante Links: |
Text:
Klemens Schuller |
Fazit: Suzuki GSX-R 600 2011
Das überdurchschnittliche Handling und die sorgenfreien Beschleunigungsmanöver mit der Suzuki tun es einem irgendwie an! Für Ringneulinge kann man sich dieses Motorrad gut vorstellen, da es leicht zu fahren ist, Fehler verzeiht und auch noch über genügend Leistung verfügt, welche noch dazu einfach zu kontrollieren ist!- Sicheres Fahrgefühl und doch von hoher Sportlichkeit
- wirkt agil
- niedriges Gewicht
- Für die Rennstrecke relativ geringe Leistung
- relativ langsam auf der Geraden
Bericht vom 09.08.2011 | 18.472 Aufrufe