Piaggio Carnaby 300
Piaggio Carnaby 300 Cruiser |
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Tarnen & Täuschen |
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Piaggio Carnaby 300 Cruiser: 22,5 PS aus 278 ccm bei einem Trockengewicht von 164 kg keine unflotte Kombination. |
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Woran es wohl liegt, dass Cruiser wieder im
Vormarsch sind? Weil wir älter werden. Kann nie sein, dass das einen
Einfluss darauf hat! Dafür steht der schöne Merksatz we are ageing, but
we are not getting old. Ist es die Bequemlichkeit? Oder die allerorten
wie die Schwammerl aus dem Boden wachsenden Blitzkästen und die immer
raffinierteren Versteck-Methoden der Kameramänner im Staatsdienst? |
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Der spitz zulaufende Heck-Fortsatz ist für die Montage eines Topcase vorbereitet. | Ein Kühlergrill wie ein Auto: An der Front herrscht ein Zusammenspiel zwischen blitzendem Chrom und satiniertem Alu-Look. |
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Grosse 16er-Räder, wackere Bremsen. |
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Die Chrom-Zutaten wirken nicht aufgesetzt, vor allem im Cockpit. Das ist eine runde Sache, die so aussieht, als wäre sie vorneherein so geplant gewesen. Das Haus-interne Facelift hat ihm auch sehr gut getan. Der hohe Kühlergrill und der Chrom-umrandetet Rundscheinwerfer verleihen ihm Charakter. Selbst wenn manche Details wie etwa die offenen Staufächer in der Frontschürze noch immer wenig einfallsreich designt und lieblos angepickt wirken. Hingegen ist der Carnaby auch mit Cruiser-Zierat nicht allzu gewichtig, 164 Kilo sind moderat, was kleine Leute besonders zu schätzen wissen, denn ein Seitenständer ist nicht im Serien-Lieferumfang enthalten, auch im Optionen-Katalog gibt es keinen. |
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Die Stopper versehen souverän
ihren Dienst. Auch die Gewichtsverteilung passt. Ob im
Stau-Schritt-Tempo oder bei Top-Speed, wenn so an die 140 Sachen und
fallweise ein bissl mehr auf der Uhr stehen. Da beginnt der Carnaby
nicht zu wackeln, wozu die 16er-Räder klarerweise einen wesentlichen
Anteil beitragen. Dazu kommt, dass er - grundsätzlich schlank & schmal -
sehr wendig ist. Wendiger als eine Reihe seiner dickbäuchige(re)n
Kollegen in derselben Hubraumklasse. Fahrwerksseitig folgt der Carnaby einem einfachen, aber bewährten Muster: Die mit 35 Millimeter doch gut stämmige Gabel korrespondiert harmonisch mit den konventionellen Stereo-Federbeinen. Das Gröbste wird ausbruchs-neutral weggefiltert. Mehr erwartet man nicht, aber auch nicht weniger. |
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Konventionelle Federung, die die gröbsten Schläge nicht gröbstens weiterreicht. |
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Noch crusiger gestalten kann man den Carnaby mittels Windschild. Das optionale Topcase passt optisch weniger ins Heavy-Metal-Bild, das ist gar nicht Cruiser-like, aber das ist wahrscheinlich weniger ein Kriterium, wenn man z. B. einen Vollvisierhelm verstauen will. Unter die Sitzbank passt so einer nämlich nicht, da ist nur für eine kleine Halbschale Raum genug. Und in die Staufächer in der Schürze kann man höchstens ein Wollhauberl stopfen. Was es aber, Stichwort warme Mütze, sehr wohl gibt, ist ein Hotcover, für alle, die auch im Winter Carnaby-Cruisen wollen. Wozu das fesche Weiss besonders gut passt. Obwohl Schwarz auch sehr elegant rüberkommt, das Hellblau muss man mögen. Tarnen & Täuschen kann nicht nur die Exekutive, das kann man mit dem Carnaby auch. Weil er, zart wie er gebaut ist, ziemlich harmlos ausschaut. Und man grundsätzlich mit einem Cruiser sei es ein Bike, sei es Roller optisch nie so gschwind wirkt wie auf anderen motorisierten Zweirädern. |
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Aus dem im Prinzip einfach gestrickten Roller wurde mit grösserem Hubraum, höherer Power und durchdachten Design-Elementen ein fescher Crossover. |
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Text: Trixi Kickeis |
Bericht vom 28.09.2009 | 23.059 Aufrufe