Piaggio Liberty 125 Test
Piaggio Liberty 125 |
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Topf oder Kropf |
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Piaggio Beverly 125: Zarter und wendiger Roller, der in der Stadt die beste Figur macht. |
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Ab die Post |
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Jede rote Ampelphase hat einmal ein Ende. Diese auch. Bei Gelbgrün lasse ich die Linke auf der Bremse und zwirble mit der Rechten den 124 ccm-Murl auf. Bei ganz Grün: Ab die Post. Der Ölbrenner des Dreiers es ist ein 118d - neben mir heult auf, die Kupplung schleift, die Gummis kreischen. Aber es nützt nix. Die kleine Beverly ist trotzdem schneller weg von der Ampel. Bis der aufgeholt hat, winkt das nächste Rot. Und eine ansehnliche Doppelkolonne, zwischen deren Reihen ich durchzische. |
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Ganz schön kindisch ist das
schon. Stimmt. Aber: Einerseits fordert der kleine Beverly das
geradezu heraus, so zart und herzig und putzig er ausschaut, dass ihm
niemand etwas zutraut. Andererseits wollte ich verhindern, dass ich den
Tschick des Lässigen, ganz lässig rausgeschmissen, hätte fressen müssen.
So wie man ohnehin andauernd bombardiert wird, von Papierln,
Scheibenwaschwasser, Red Bull-Dosen und so weiter. |
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Ein bissl Chrom zum Aufputzen an Kühlergrill, Blinker-Einfassungen und Gabelholmen. | Recht keckes Heck mit Klarglas-Blinkern garniert. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Es ist ja überhaupt immer dasselbe. Schummelt man sich mit einem Roller zwischen den Kolonnen vor, wird mindestens ein Lenkraddreher nervös. Oder verächtlich. Besonders mit so einem Gerät wie dem Piaggio Liberty, dens ja bisher nur als Fuffzigerl gegeben hat. Jetzt, mit Achteilliter-Herz, 10,5 PS und laut technischen Daten exakt 125 Kilo ist er eine ganz schön spritzige Kombination. Mit der man siehe oben auch recht fetten Blechkabinen den Auspuff zeigen kann, von Ampel zu Ampel, wenn man das Rollerli nicht mit allzu viel Lebendgewicht belastet. Wie etwa im Sozius-Betrieb. Aber zu zweit ist man rücksichtvollerweise ohnehin besser weniger frech. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
So klein und zart |
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So klein und zart der Liberty ist,
die Sitzbank ist für zwei schlanke Leute ausgelegt und gar nicht so
unbequem. Wobei Sozius oder Sozia wirklich schlank sein sollten, oder
zumindest anschmieg-freudig, denn der Sitzpolster in Reihe zwei ist
recht kurz geschnitten. Dafür gibts ausklappbare Beifahrer-Fussrasten
und sehr ordentliche Haltegriffe. |
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Was nicht unter die Sitzbank des
Liberty passt, ist ein richtiger Helm. Die grossen Räder und der
luftige Durchstieg lassen nicht Raum für mehr. Zur Not ginge sich unter
dem Sattel ein kleines Topferl aus, so eins, wie mans ganz früher
getragen hat oder ein Kapperl, wies der Gesetzgeber nicht erlaubt. Will
man einen ordentlichen Hut trotzdem unter Dach & Fach bringen, bleibt
nur die Lösung, ein Topcase zu montieren. Dann wirkt der zarte
Grossradler möglicherweise optisch ein wenig hecklastig, was man aber mit
der Montage eines Windschilds wieder ausgleichen kann. |
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Hineinstopfen kann man maximal einen
Topferl-Helm |
In der Frontschürze gibt es ein Staufach, in das allerdings nicht viel hineinpasst, dafür ist der Abdeckungs-Griff verchromt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das Sitzbank-Schloss sitzt hinten, auch der Tankstutzen ist nicht weit. |
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Apropos Sitzbank: Gewöhnlich
öffnet man den Sattel mittels Schlüssel-Dreh am Zündschloss. Nicht beim
Liberty. Da sitzt das Schloss mehr oder weniger am Popo, in die Bank
integriert. Das sollte man sich einprägen, denn das kann andernfalls zu
peinlichen Szenen an der Tankstelle führen, wenn man sucht und sucht und
sucht, wie man reinkommt und wo man den Sprit einfüllt. Es sitzt nämlich
der Tank-Einfüllstutzen auch unter der Sitzbank. Zurück zum Thema Stauraum: Es gibt ein zweiteiliges Fach in der Frontschürze. Dort passt aber auch nicht allzu viel hinein. Etwa pro Seite ein Handschuh oder so ähnlich. Also: erst recht ein Grund, einen Kropf, pardon ein Topcase, für den Topf montieren. Eigentlich weg vom Thema Stauraum: Einen Taschenhalter gibts natürlich schon. Zu lang dürfen die Henkel von Sackerln und Packerln halt nicht sein, sonst schlenkern sie beim Abkurven heftig hin und her, was zu Lasten der sauberen Linie geht. |
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Was Piaggio trotz aller einfachen
Bauart nicht übel hingekriegt hat, ist das Fahrwerk. Schon alleine
dank der grossen Räder vorne 16-, hinten 14-Zöller bewirkt nicht
jedes Asphalt-Loch, dass man auf Abwege gerät. Und auch sonst halten die
Gabel und das linksseitig sitzende Federbein mehr, als sie zu
versprechen scheinen. Kommt aber wohl immer auch aufs Fahrer-Gewicht an.
Und die Bremsen sind dem Verhältnis Leistung (wiederum!) Gewicht brav
angemessen. |
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Bei der Cockpit-Gestaltung haben sich die Designer nicht allzu viel Mühe gegeben. | Schön ist der Auspuff-Endtopf im Prinzip nicht, aber hier hübsch verblendet. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Konventionelle Gabel mit verchromten Teil-Strümpfen. | Vorne ein Sechzehn-, hinten ein Vierzehn-Zöller, das bleibt gut in der Spur, die Reifenbreite ist Marke Asphalt-Schneider. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Stichwort Gewicht & Design |
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Noch einmal Stichwort Gewicht: Serienmässig kommt der Liberty ausschliesslich mit einem Hauptständer daher. Seine 125 kg siehe oben lassen sich easy unter jeglichen Strassenneigungs-Zuständen raufhieven und wieder runterholen. Auch wenn man aufgrund einer gewissen Unterdurchschnittsgrösse mit verminderter Körper-Hebelwirkung durchs Leben gehen muss. Gut macht sich das Leichtgewicht auch bei widrigen Wetter-Umständen. Erstens bleiben die Knie trocken, aber das kann eh fast jeder Roller, zweitens schneidet er mit seinen Radeln Marke Asphaltschneider ziemlich ungerührt auch tiefe Lacken entzwei, ohne gleich aus der Spur-Fassung zu geraten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
In Punkto Design & Stil ist der Liberty bewusst einfach gehalten. Aber keineswegs unhübsch. Und nachdem die Italiener halt nicht so sind, gibts hier und da ein wenig Chrom, wie etwa an den Blinkereinfassungen, am Kühlergrill, an den Gabelholmen und an den Lenkerenden. Auch das Auspuff-Schutzblech ist recht hübsch. Bei der Gestaltung des Cockpits hat die Design-Abteilung der Einfallsreichtum offenbar verlassen. Immerhin werden die wichtigsten Informationen einigermassen gut ablesbar angezeit. Farblich dagegen ging man mit der akutellen Mode: Weiss ist nach wie vor ein Muss, Schwarz natürlich auch, und Dunkelblau kommt auch nicht schlecht rüber, Grau sowieso. An Zubehör offeriert Piaggio ausser dem bereits erwähnten Topcase und dem Windschild unter anderem auch ein Hotcover für die Knie - für die kalten Tage (und Nächte). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Piaggio Liberty 125 Technische Daten |
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Preis: 2.900 Euro |
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Text: Trixi Keckeis |
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Bericht vom 09.09.2009 | 148.695 Aufrufe