Vespa GTS 300 Super Testbericht
Warum die stärkste aller Vespas nicht mehr als 22 PS hat und trotzdem stärker als alle bisherigen ist. | |
Roller gibts ja mittlerweile zuhauf, in allen Farben, (Hubraum-)Klassen
- von 50 bis 850 ccm und Leistungsstufen. Man kennt sich kaum mehr
aus, welcher ist von wem, welcher ist der stärkste, welcher ist der
fescheste. Schon gar nicht kann man sagen, welcher der beste ist. Eine
Marke jedoch ragt immer unverkennbar raus aus der Menge: Vespa. Das ist eine Geschichte, die sich über mittlerweile 62 Jahre zum Mythos und zum Kult verselbständigt hat, zum Objekt der Begierde, Mode-Bekenntnis, Film-Star - die Liste der Vespa fahrenden Protagonisten ist lang, sie reicht von Geraldine Chaplin und Milla Jovovich über Marcello Mastroianni bis zu Antonio Banderas und Jude Law , Stil-Ikone, Italianità-Statement und vieles mehr. Und kein Ende ist in Sicht. Dabei war das nicht immer so. Als Enrico Piaggio 1946 aus den Trümmern seiner im Zweiten Weltkrieg zerstörten Flugzeugfabrik heraus die erste Vespa mit 98 ccm Hubraum als kostengünstiges und zweckorientiertes Alltags-Vehikel präsentierte, reagierte die Zweirad-Fachwelt mehr als skeptisch. Trabiccolo nannten sie das Mopperl, was so viel heisst wie Karre oder auch, auf gut Wienerisch "Reibn". Der damalige Moto Guzzi-Chef Conte Parodi lehnte eine Vertriebs-Kooperation mit Piaggio strikt ab, er hielt das Projekt für ein Desaster, zum scheitern verurteilt. | |
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Es gibt zwei Farben für die traditionell eng taillierte Super-Wespe: Schwarz oder Weiss | |
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Von welcher Seite auch betrachtet: Die GTS 300 Super ist
immer und überall unverkennbar eine Vespa. | |
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Ausprobiert haben wir das auf würdigem grossstädtischem - Terrain: in
Mailand, der Stadt der Mode und des ewigen und dichten
Verkehrs - kurz: das angestammte Roller-Revier. Dorthin nämlich hatte uns
Piaggio zur ersten Testfahrt mit der GTS 300 Super gebeten. Super war alleine
schon der Anblick von zwanzig Vespas vor dem Hotel, fein säuberlich
ausgerichtet, je eine schwarze und je eine weisse. Die Super gibts nur in diesen
beiden Farben. Da weiss dann auch der Laie, dass es keine 250er ist. Sie ist aber
auch an den seitlichen Kühlschlitzen in der Hinterradverkleidung
identifizierbar, ganz wie zu Zeiten der Luftkühlung. Auch ist da die rassig rote
Feder an der Vorderradaufhängung. Die soll zeigen: Ich bin sportlich. |
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Gewachsen in der Dimension sind die Räder ja nicht. Dafür ist sie wendig wie eh und je. | |
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Nach der Station Kreisverkehr testeten wir auch noch Hauptdurchzugsstrassen, Alleen, Seitengassen und Strassenbahnkreuzungen. Schliesslich, wegen der zunehmenden Nachmittags-Verkehrsdichte bekamen die Fotografen bald mehr Autos und Busse und Strassenbahnen, hin und wieder Passanten, als uns Scooteristi vor die Linse(n). Es haben zwar alle wie gebannt auf die Vespa-Horde geschaut aber nicht begriffen, dass sie Bildstörungen verursachen. Also gings zunächst auf die berühmte Mailänder Tangenziale in Richtung Linate. Wie auf Kommando zogen alle - wir waren mittlerweile nur noch 18, weil die Kollegen Ehn und Farkas wegen einer (fast) roten Ampel abgerissen sind die Köpfe ein. Highspeed-Test. Den haben, wie immer, die Leichtgewichtigen für sich entschieden. Mit doch deutlich über 120 km/h auf dem Tacho und Fahrwerks-seitig ohne Zuckerer und Schlenkerer. | |
So ritten wir aufs Land, in die Nähe eines Ortes namens Novegro, der unter Insidern für den zweimal jährlich stattfindenden grossen Oldtimer-Flohmarkt bekannt ist. Auf dem Weg dorthin konnte die grosse Wespe beweisen, dass sie auch bei Landpartien gute Figur macht. Das Schräglagen-Potenzial ist ziemlich ordentlich. Nach der Foto-Session mit Dorfstrasse, Kirche, Steinmauer und weiter winkten unsere Bild-Artisten ab. Sie wären nun fertig mit uns und müssten schleunigst zurück ins Hotel. Wir wollten aber noch stilgerecht mit unseren Vesponen ein Café oder einen Eissalon aufsuchen. Kein Problem meinten die Fotografen, wir könnten ja noch bleiben und tun, wie uns beliebt. | |
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Elegant weiss paspelierter und breiter Sattel. Im Zubehörprogramm gibts auch einen Mono-Sitz. | Der Platz unter der Bank ist ziemlich begrenzt, nur Jethelme kann man da hineinbasteln. |
Das haben wir uns dann aber schnell überlegt. Denn keiner kennt sich in Mailand aus. Und fürs Wiederfinden des Hotels hätten wir wahrscheinlich Stunden gebraucht. Also hängten wir uns an die Bilder-Meister an. Die kennen sich ja auch, kalkulierten wir. Die hatten es aber wirklich eilig! Und wir taten alles, um dranzubleiben, scheuten weder Busspuren, Gehsteige, Strassenbahn-Gleiskörper und was sich uns sonst noch in den Weg stellte. Bemerkenswert dabei setzte sich Josef Faber, seines Zeichens Importeur der flotten Vespen und anderer Piaggio-Konzern-Gefährte, in Szene. Üblicherweise ist er eher als gemessener, zurückhaltender Zweirad-Pilot bekannt. Aber diesmal zeigte er sich schlichtweg entfesselt und mischte im Vespa-Geschwader auf vorderster Linie engagiert mit. Das kampflustige Leuchten in seinen Augen konnte er mit seiner fashionablen Sonnenbrille auch nicht mehr kaschieren. | |
Trotzdem stellten wir die Super-Vespas ohne Hoppalas und unversehrt vor dem Hotel wieder ab. Abgesehen von den schon vorher verlorenen Kollegen auch vollzählig. Ich meine, unsere Fotografen-Guides haben anerkennend genickt. Die Probe auf dieses Exempel sollte man bei uns vielleicht nicht nach Mailänder Art machen. Auf die österreichische Tour kann man das aber demnächst, denn die ersten GTS 300-Exemplare sind bereits im Anrollen. Auch das Accessoire-Programm. Abgesehen von der üblich feschen Vespa-Wäsche gibts Mono-Sitzbank, Topcase, Windschild und jede Menge Aufkleber-Kits. Damit man seine Wespe immer und überall wiedererkennt. | |
Hier die beliebtesten Tuning-Umbauten der Vespa GTS 300 auf 1000PS:
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Technische Details - Vespa GTS 300 Super | |
Preis: € 5.299 ,-- |
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Motorbauart | 1-Zylinder, 4-Takt |
Hubraum | 278 ccm |
Bohrung x Hub | 75 x 63 mm |
Leistung (homologiert) | 16 kW (22 PS) @ 7.500 U/min |
Max Drehmoment | 22,3 Nm @ 5.000 U/min |
Starter / Batterie | E-Starter |
Getriebe | CVT |
Kupplung | automat. , trocken, zentrifugal |
Gemischaufbereitung | P.I.-Einspritzung |
Abgasreinigung | geregelter Dreiwege-Katalysator |
Steuerung | 4 V / SOHC |
Sekundärantrieb | Riemen |
Kühlung | Flüssigkeit |
Rahmen / Schwinge | Stahl, Einarmschwinge v. |
Lenker | Rohrlenker |
Federung vorne | Miono- Federbein |
Federung hinten | Stereofederbeine, Vorspannung einstellbar |
Bremse vorne | Monoscheibe, 220 mm |
Bremse hinten | Monoscheibe, 200 mm |
Bereifung v / h | 120/70 12; 130/70 12 |
Radstand | 1.370 mm |
Länge / Breite | 1.930 / 755 |
Sitzhöhe | 790 mm |
Tankinhalt | 9 L |
Gewicht | 148 kg |
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Wie zu jeder Vespa gibts nicht nur das passende Outfit, sondern auch jede Menge Zubehör. |
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Text: Trixi Keckeis |
Fazit: Vespa GTS 300 i.e. Super 2009
Auch bei der Super-Vespa ist unter der Sitzbank kein Platz für einen Integral-Helm. Will man nicht mit dem Hut in der Hand in Stadt und Land herumlaufen, muss man sich einen Jet-Helm nehmen. Da gibt’s ziemlich fesche Ware, aber die ist nicht billig, wie die Vespa selbst. 5.000 Euronen sind nicht wenig.- Verbesserter Motor
- spontaneres Ansprechverhalten
- positives Fahrgefühl
- komfortables Fahrverhalten.
- Nur in zwei verschiedenen Farben erhältlich
- begrenzter Stauraum.
Bericht vom 15.01.2009 | 109.432 Aufrufe