GS Trophy Teil 1
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GS Trophy 1: Mud, Sweat & Tears |
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Guido Glu begleitete das Alps-Team das für Österreich und die Schweiz an den Start geht bei der GS Trophy 2010 durch Südafrika, Swasiland und Mosambik. |
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BMW und Touratech holen die besten GS-Fahrer aus 13 Nationen nach Südafrika, setzen jeden von ihnen auf eine nagelneue F 800 GS, und schicken sie über eine unglaublich fordernde und abwechslungsreiche Enduro-Tour durch Südafrika, Swasiland und Mosambik. Die Rundreise ist gespickt mit Sonderprüfungen, um herauszufinden, welches Nationenteam das beste ist. Nach einem schlechten Start freut sich das Alps-Team am Ende über den guten 6. Platz. | |
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Bildergalerie | |
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Das schmerzverzerrte Gesicht von
Johannes kann man trotz der Dunkelheit in der Wolfsröhre erkennen. Er
hat sich bei einem Sturz vor drei Tagen den Fuss verdreht und schiebt nun
humpelnd sein Motorrad. Der Boden der Röhre ist nass und glitschig; vom
Moos, das im Wasser einen Lebensraum gefunden hat. Es riecht modrig, und
man kann Johannes stöhnen hören. Wir sind mitten in einer der gefuchsten
Sonderprüfungen der GS Trophy. Johannes oder das Humpelstilzchen, wie er inzwischen im Team heisst hat seinen schweizer Landsmann Christoph vor sich, hinter ihm schiebt Bernhard, der Österreicher im Alps-Team, sein Radl. Traumzeit wird das keine mehr. Christoph ist inzwischen schon im Ziel und baut seinen Schwung damit ab, dass er in ein Schlammloch fährt. Bernhard macht denselben Fehler, und nach der Sonderprüfung stehen beide im Morast. Die Schlammschlacht ist unausweichlich. |
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Schlammpackung inklusive. |
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Christoph hat inzwischen den Helm runtergenommen und schnauft nach der Anstrengung durch. Obwohl Bernhard der beste Fahrer im Alps-Team ist, stellt er Christoph verwundert die Frage: Und wie kommen wir jetzt da wieder raus? Aber die Frage ist eine rhetorische, wie Christoph merkt. Bernhard reisst den Paralleltwin seiner GS an, spannt die Erste ein und gibt Vollgas. Unter dem Getöse der zwei Zylinder verpasst er Christoph eine Moorpackung, für die man in einem Thermenressort für zwei Stunden von allen Schwimmbecken ausgesperrt wird. | |
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Johannes de Ciutiis aus Solothurn in der Nähe von Bern und Christoph
Muri aus Kriens in der Nähe von Luzern bilden gemeinsam mit dem Wiener
Bernhard Schmidtmayer das Alps-Team der GS Trophy 2010. Johannes ist 42
Jahre alt, ein Manager. Christoph ist 47 und betreibt eine
Teppichreinigungsfirma. Der 23 Jahre alte Bernhard arbeitet bei BMW Wien
als Motorrad-Mechaniker. Sie treten zusammen gegen die anderen neun
Teams mit Fahrern aus zwölf Nationen an. Zu jedem Team gehört ein
Journalist, der die Dreierbande begleitet, unterstützt oder ihnen
einfach nur das Abendessen wegisst. Auf rund 2000 Kilometern bahnt sich die GS Trophy 2010 ihren Weg durch Südafrika, Swasiland und Mosambik. Gefahren wird auf BMW F 800 GS, fast ausschliesslich Offroad, und immer mit einem wahnsinnig hohen Tempo. Zumindest aus der Sicht der Journalisten. Denn die drei Fahrer jedes Teams sind die besten GS-Fahrer ihrer Nation und mussten das bei einer Vorausscheidung unter Beweis stellen. Für sie sind die Spitzengeschwindigkeiten von rund 160 Stundenkilometer auf den Schotterstrassen nicht viel mehr als die geilste Ausfahrt meines Lebens." |
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Nur das Team aus Japan tanzt da etwas aus der Reihe. Die Jungs sind zwar motivierter als ein durchschnittlicher Buffet-Gast einer Hochzeit, aber fahrerisch können sie mit den anderen Nationen nicht mithalten. Schon an einem der ersten Tage bricht sich einer der Piloten zwei Fussknochen. Tags darauf nimmt sich der andere, durch eine genauere Bodenuntersuchung, für mehrere Stunden aus dem Rennen. Nur bei einer Sonderprüfung haben sie eine unschlagbare Zeit hingelegt. Niemand tauschte schneller die Hinterräder zweier GSn aus als das Team aus Fernost. Nicht einmal Bernhard Schmidtmayer, der gelernter BMW Motorrad-Mechaniker ist, konnte schneller der GS die Patschen wechseln. | |
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Fussbruch und Bewusstlosigkeit bei den überforderten Japanern. |
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Weil die Japaner sonst aber so elendiglich schlecht, mit ihrem Wesen
jedoch bereits die Gewinner der Herzen sind, hat Tomm Wolf, der
Mastermind hinter der GS Trophy, kurzerhand am vorletzten Tag eine
weitere Sonderprüfung eingeschoben: Reis mit Stäbchen zu essen. Doch
leider haben auch da die Japaner keine Chance. Sie bedanken sich
freundlich für den fairen Kampf und humpeln lächelnd von dannen. Den
Wettkampf um das freundlichste Lächeln würden sie vielleicht gewinnen.
Da machen den Japanern nur die Menschen, die im Süden Afrikas leben,
Konkurrenz. Selbst auf den abgelegensten Strassen Südafrikas stehen
Menschen am Strassenrand und winken dem vorbeifliegenden BMW-Tross
freundlich zu. We love you schreit uns ein junges Mädchen in
Schuluniform zu. Wir grüssen zurück, und die Welle der Euphorie, die uns
ereilt, schwemmt uns weiter auf unserer Strecke zum nächsten Checkpoint. Nur manchmal ist der Selbsterhaltungstrieb so gross, dass es keiner schafft, den Lenker loszulassen. Aus dem Schotterboden ragen immer wieder Steine spitz und scharf. Sie sind die Bremsschwellen Afrikas. Die Steine leisten volle Arbeit, und schon am ersten Abend gibt es keine einzige Vorderradfelge, die noch keine Delle hat. Vorderradplatzer sind trotzdem äusserst selten. Man kann sich aber vorstellen, wie schnell man zum Superman wird, wenn man den Lenker beim Überfahren eines solchen Steines nur mit einer Hand hält. Kein schönes Bild für die einheimischen Zuschauer. Deshalb kommt es manchmal vor, dass an heiklen Passagen keiner der Fahrer grüsst. Das nehmen einem dann aber die Kinder übel. Bernhard wird von einem Stein, den ein Kind wirft, nur knapp verfehlt ein Italiener aber am Helm getroffen. Doch das ist die Ausnahme. Die Südafrikaner begegnen uns mit Neugierde und Offenheit und sind gleichzeitig für unsere Verhältnisse unglaublich bescheidene Menschen. |
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Reynhard, einer der Marshalls so nennt BMW die Guides bei der Trophy erklärt uns die Mentalität der Menschen, als wir vor einem Steinhaus stehen. Die Hütte hat nur wenige Quadratmeter, ein Zimmer, und darin lebt eine ganze Familie. Es würde mich nicht wundern, erklärt Reynhard, wenn das ganz Land, das wir hier sehen, dieser Familie gehört. Aber sie haben nur die bescheidene Hütte, das kleine Feld da drüben, die fünf Kühe hier und die paar Hühner da. Sie bauen nicht mehr an, haben nicht mehr Tiere, weil sie nicht mehr brauchen, um leben zu können. Das kapitalistische System Europas verstehen diese Menschen nicht wollen sie auch nicht. | |
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Sie verstehen den Kapitalismus nicht |
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Nicht nur Schwarze leben heute in einem dieser kleinen Häuser, die im besten Fall aus Ziegel gebaut sind, oft aber auch nur aus Wellblech oder Holz und Lehm bestehen. Viele Weisse sind seit dem Ende der Apartheid in die Armut gerutscht. Die Regierung vergibt Aufträge nun verstärkt an Firmen, die Schwarzen gehören. Diesen Schock haben nicht alle Weissen verkraften können und mussten Mitarbeiter entlassen oder ihre Unternehmen schliessen. | |
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Von den 50 Millionen Einwohnern Südafrikas sind rund neun Prozent Weisse. Sie stammen von niederländischen, deutschen, französischen und britischen Einwohnern ab. Und genauso hört sich ihre Sprache Afrikaans an es ist eine bunte Mischung aus den Sprachen der Einwanderer. Auch wenn die Apartheid inzwischen beendet ist, bleibt in den ärmsten schwarzen Schichten eine Abscheu gegen die Weissen. Das merkt man nur selten aber der Stein, der den Italiener traf, wurde vermutlich deshalb geworfen. | |
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Swasiland. Höchste HIV Rate der Welt. |
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Ganz anders ist die Sache in Swasiland. Hier gab es keine Apartheid, und
die Menschen sind sogar noch freundlicher. Dafür sind die Strassen
schlechter. Auf groben Offroadpisten jagen wir durch wunderschöne
Landschaften der nächsten Sonderprüfung entgegen. Das Land ist nur dünn
besiedelt. Im Schnitt leben nicht einmal 70 Menschen pro
Quadratkilometer. In der Schweiz sind es im Vergleich dazu fast drei Mal
so viele. Was die Fahrt durch das wunderschöne Land trübt, ist das
Wissen darum, dass in Swasiland die Rate der HIV-Infizierten die höchste
der Welt ist. Erst in der Vorbereitung zur nächsten Sonderprüfung wechselt die Gesichtsmimik von traurig-ohnmächtig wieder auf eisern-konzentriert. Vor dem Alps-Team müssen die Japaner eine Mud-Sektion überwinden. Das Schlammloch ist knietief und mehrere Meter lang. Der Erdwall auf der anderen Seite macht ein flottes Durchfräsen unmöglich. Die Japaner scheitern kläglich. Zaghaft fahren sie in die braune, matschige Hölle. Als sie steckenbleiben, reissen sie so lange am Gas, bis nur mehr die Lenker rausschauen. Manchmal hat man den Eindruck, sie verstehen die Aufgabe nicht. Auch den Marshalls kommt es nun vor, als wollen die Japaner nun das Team sein, das am schnellsten eine GS versenken kann. |
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Die Fahrer des Alps-Team hören das Motorenmassaker nur. Sie stehen auf
einer Plattform, von der aus man die Sonderprüfung nicht einsehen kann.
Bernhard fährt als Erster los und meistert das Schlammloch als würde es
solche Hindernisse jeden Tag am Weg in die Arbeit durchfahren. Den
kurzen Anlauf nutzt er voll aus, prescht regelrecht in den Schlamm und
schafft es, am Ende des Schlammloches noch so viel Druck im Fahrwerk zu
haben, dass er wie von einem Kran hochgerissen wieder ins Trockene
springt. Johannes hat da gröbere Probleme wie die meisten anderen
Fahrer auch. Noch dazu ist er nicht so gross wie Christoph und Bernhard,
entsprechend ist seine Begeisterung über die Schlammdurchfahrt. Wenn
ich einen Fuss hinunter stellen muss, dann ist es vorbei. |
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Sonderprüfung Schlammloch: Fuss runter und es ist vorbei. |
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Und er hat recht. Zu zaghaft fährt er los, bleibt stecken und verstellt
dabei auch noch Christoph den Platz, der die gleiche Spur gewählt hatte.
Der disponiert kurzfristig um. Jetzt ist es schade, dass Christoph nicht
sehen konnte, wo die Japaner vorher versucht haben, ihre Mopeds zu
vergraben. Für die Show ist das aber das Beste. Auf laut also mit
Vollgas fährt er genau mit seinem Vorderrad in eines der Löcher, das
die Japaner im ohnedies schon lockeren Matschboden gegraben haben. Im
Bruchteil einer Sekunde versinkt ihm die Front fast bis zum Lenker, und
die BMW bleibt stecken. Es braucht alle drei Fahrer, um die Maschinen
wieder an Land zu bringen. Wieder keine Bestzeit. Am ersten Tag, bei der Navigations-Sonderprüfung, machte das Team schon
keine gute Figur. Christoph hat sich zu sehr auf das Navi konzentriert
und übersah gleich zwei Schlammlöcher, in die er dann stürzte. Bergen
statt gewinnen. |
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Text: Guido Glu Fotos: BMW, Glu |
Bericht vom 02.12.2010 | 5.294 Aufrufe