Weltreisestory 13.Teil
Weltreisestory 13.Teil |
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Freitag, 7. September 2007 | |
Heute werden wir die Grenze nach Kolumbien
überqueren. Kolumbien ist eines der abwechslungsreichsten und
interessantesten Länder Süd Amerikas. Es finden sich hier alle Klima und
Vegetationszonen des Kontinents, das Land wird von drei Kordilleren
durchzogen und unsere Reise wird uns über einige tausend Meter hohe
Bergpässe in dampfend heisse Regenwälder und brodelnde
Grossstadtmetropolen führen. |
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Kolumbien ist jedoch auch das Land der Drogenkartelle und der Guerillas. Momentan werden immer noch rund 40 Prozent! des Landes von paramilitärischen und zumeist subversiven Kräften wie der FARC(Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und der ELN(Ejercito de Liberacion Nacional) kontrolliert. Dadurch, dass die Rebellen durch die Veränderung der weltpolitischen Grosswetterlage ihre Unterstützung durch Russland und Kuba verloren haben, spezialisieren sie sich nunmehr vermehrt auf Drogenhandel und Entführungen um ihren bewaffneten Kampf zu finanzieren. Das sind freilich höchst einträgliche Geschäfte, wenn man bedenkt, dass die Produktion kolumbianischen Kokains in etwa 80 Prozent des Weltmarktes ausmacht und die geschätzten Einnahmen aus diesem illegalen Grossgeschäft jährlich rund 4 Milliarden Euro betragen. | |
Die Menschen Kolumbiens gehören zu den
herzlichsten und freundlichsten der Welt, wir werden jedoch unsere Augen
offen halten und Überlandfahrten bei Nacht auf jeden Fall unterlassen. Der Grenzübertritt verläuft schnell und freundlich. Die Soldaten sind so begeistert von uns und unseren Motorrädern, dass sie uns nicht passieren lassen ehe wir ein Foto mit ihnen machen. Kolumbien wir kommen! Den heutigen Abend verbringen wir in der kleinen Stadt Pamplona. Der Hotelbesitzer besteht darauf, dass wir die Motorräder vor unserem Zimmer parken und dazu müssen wir erst einmal das hauseigene Restaurant durchfahren. Sehr zur Freude der anwesenden Gäste, die aufstehen und uns herzlich willkommen heissen! |
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Samstag, 8. September 2007 | |
Als wir entspannt über die Highways des Landes
steuern erleben wir bald die erste freudige Überraschung. Im Gegensatz
zu Venezuela gibt es wieder richtige Obsthändler am Strassenrand und die
kurzen Fahrpausen werden zum Einkaufsvergnügen. Freilich hat Kolumbien auch sonst noch einiges zu bieten. Wenn wir anhalten umringen uns begeistert die Leute und besonders die hübschen Mädchen scheinen hier eine Schwäche für weitgereiste Motorradfahrer zu haben. Selten kommen wir ohne Erinnerungsfoto davon. Da fühlt man sich fast wir der junge Che Guevara, herrlich! |
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Auch die zahlreichen Strassensperren
werden meistens zur angenehmen Abwechslung. Wenn uns die Polizisten
sehen klopfen sie uns begeistert auf die Schultern und wünschen uns eine
gute Reise. Viele Ausländer kommen nicht mit dem Motorrad nach Kolumbien
und offenbar beeindruckt unsere Abenteuerlust sogar die Polizei. Gegen Abend kommen wir in San Gil an. Die kleine Stadt liegt in den Bergen und neben einer wunderschönen Laufstrecke für mich, finden wir auch ein irrsinnig nette Herberge. Die Motorräder parken wir vor unseren Zimmern und im überdachten Innenhof gibt es freies Wireless Lan und gratis Kaffee. Die Nacht wird lang! |
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Sonntag, 9. September - Montag, 10 September 2007 | |
Wir schauen uns die Stadt an und
machen einen Ausflug in den Nationalpark der Flussauen. Die Bäume sind
hier mit silbernen, bartähnlich wirkenden Flechten behangen, sogenannten
Barbas de Viejo. Diese Form der Vegetation bietet Unterschlupf für unzählige Insekten und Mikroorganismen und stellt ein einzigartiges Ökosystem dar. |
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Dienstag, 11 September 2007 | |
Als wir in der Früh die Motorräder
starten brennt plötzlich die Elektrik an Chris Maschine ab. Anscheinend hat ein loser Kontakt am Scheinwerfer Metal berührt und dadurch den Kabelbaum durchgeschmort. Seit meiner Feuertaufe in Westafrika, wo mir damals das gleiche passiert ist, ist so etwas so ziemlich mein grösster Alptraum. Man steht mitten auf der Strasse und gar nichts geht mehr. Uns bleibt nichts anderes über als die Maschine in die Herberge zurück zu schieben und mit der mühsamen Reparatur zu beginnen. Ein Kabel nach dem anderen wird herausgeschnitten und durch ein neues ersetzt. Nach 10 Stunden ist endlich der ganze Salat repariert und der neue Kabelbaum verlegt. Einzig das Startrelais ist nicht mehr zu retten und wir entscheiden uns den Starter einfach kurz zu schliessen. Chris hat jetzt zwei Kabel aus seinem Motorrad herausstehen und jedes Mal wenn er starten will, muss er einfach die beiden Enden kurz miteinander verbinden. |
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Mittwoch, 12. September 2007- Donnerstag, 13. September 2007 | |
Heute klappt die Abreise problemlos. Wir fahren
durch wunderschöne Berglandschaften und gegen Nachmittag erreichen wir
Vila de Leiva.
Die ehemalige Kolonialstadt wurde 1572 gegründet und bietet dem Reisenden eines der besterhaltenen Stadtbilder des Landes. |
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Freitag, 14. September 2007 | |
Auf dem Weg nach Bogota kommen wir durch die
kleine Stadt Zipaquira. Diese Region ist bekannt für ihre Salzbergwerke
und die weltberühmte Salz Kathedrale, eine in den Bergwerksstollen
gehauenen, unterirdische Kirche, die Platz für 1800 Menschen bietet.
Die Kathedrale ist ein beeindruckendes Kunstwerk und ein Ort mit
mystischer Atmosphäre. |
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Samstag, 15. September 2007 | |
Heute erreichen wir die Hauptstadt Kolumbiens.
Das auf 2600m gelegene Bogota empfängt uns mit überraschend wenig
Verkehr und wir finden eine angenehme Herberge in der wir einige Tage
verbringen werden um uns die Stadt anzuschauen. Nach Wien muss man auch Bogota bei Nacht gesehen haben. Der 162 Meter hohe Mirador Torre Colpatria erstrahlt im Scheinwerferlicht und gibt der Skyline der Stadt ein futuristisches Bild. |
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Sonntag, 16. September 2007 | |
Zum Osten hin erstreckt sich der
Cerro de Monserrate. Bogotas Hausberg bietet einem eine herrliche
Aussicht über die riesige 8 Millionen Metropole. An einem Sonntag ist
man hier selbstverständlich nicht alleine und mein Versuch
hinaufzulaufen scheitert kläglich in der Menschenschlange. Tausende
Menschen und Pilger wandern über den recht steilen Pfad hinauf zur
Kirche um die Statue des Senor Caido (gefallenen Christus) zu sehen, um
die sich zahlreiche Legenden ranken. |
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Montag, 17. September 2007 | |
Heute gehe ich zum Doktor. Ich habe
seit ungefähr einer Woche einen Ulcus (offene Hautstelle) an meinem
Bein, der trotz korrekter Wundversorgung anscheinend keinen
Heilungsfortschritt erkennen lässt. Wie es aussieht, handelt es sich zum Glück nur um eine Bakterieninfektion die ich selber mit antibiotischer Salbe gut behandeln kann und nicht um eine kompliziertere parasitäre Infektion. Während ich meinen Arztbesuch erledige wird Chris beinahe zum Opfer eines Raubüberfalls. Als er in der Innenstadt die Kamera zückt um ein Foto zu machen, versucht ein Dieb ihm diese zu entreissen. Zum Glück ist er schneller und kann sie gerade noch festhalten! Freilich, Bogota ist nicht unbedingt einer der sichersten Plätze der Erde. Man muss ständig die Augen offen halten. |
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Dienstag, 18. September 2007 | |
Nach den eher mässigen Erfahrungen mit den Taschendieben der Hauptstadt machen wir uns auf den Weg nach La Dorada. Die kleine Stadt liegt in einem fruchtbaren Tal und von hier aus werden wir morgen versuchen die Cordillera Zentral auf einer Nebenstrasse zu überqueren. |
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Mittwoch, 19. September 2007 | |
Die schmale Piste wird kaum befahren und führt durch tropische Täler und atemberaubende Berglandschaften. Ganz unbedenklich ist die Landschaft jedoch nicht! | |
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Bei genauerer Betrachtung findet man an den
Berghängen immer wieder vereinzelt liegende Bauerhäuser und Gehöfte.
Mehrmals täglich kreisen Militärhubschrauber über den Gebirgszügen und
kontrollieren was die Landwirte wirklich anbauen und ernten. Durch die
Isolation und weitgehende Armut der Bauern in den inner alpinen
Regionen, ist die Verlockung gross auf ein gewinnbringenderes
Agrarprodukt umzusteigen. Die Kokapflanze. Die Regierung investiert jährlich hunderte Millionen in ihren Kampf gegen die Guerillas und Drogenschmuggler. In den weitläufigen Gebirgsregionen kann sie trotzdem nur einen verhältnismässig kleinen Teil der giftigen Ernte ausmachen und zerstören. Die dichten Nebel hüllen die Täler in graue Schleier und Bewegungen am Boden sind fast unmöglich wahrzunehmen. |
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Den heutigen Abend verbringen wir in
Florencia, einem kleinen Bergdorf. Aufgrund der ständigen Bedrohung
durch die Guerillas patrouilliert das Militär in Schützengruppen durch
die Strassen und an strategisch wichtigen Punkten sind MG und
Granatwerferstellungen aufgebaut. Als wir die Motorräder am Hauptplatz abstellen, werden wir vom Kommandanten genau nach unseren Reiseplänen befragt und er empfiehlt uns die Nacht auf jeden Fall im Dorf zu verbringen. Nun, was anderes hatten wir auch nicht vor! Für die Menschen hier ist das Leben alles andere als einfach inmitten der Fronten des bewaffneten Konfliktes. Niemand weiss genau wer wirklich auf welcher Seite steht. Zu verlockend ist es für viele auf den Zug mit dem illegalen Millionengeschäft aufzuspringen und die auf Drogenhandel spezialisierten Rebellen werden nicht müde immer wieder neue Handlanger aus der Gebirgsbevölkerung zu rekrutieren |
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Donnerstag, 20. September 2007 | |
Wir verlassen das verschlafen
wirkende Dorf im Morgennebel und verabschieden uns von den freundlichen
Menschen. Viele der Dorfbewohner hatten wir gestern Abend kennen gelernt
und sie wünschen uns heute eine gute Weiterreise.
Die rustikale Piste führt uns dann wieder hinab ins Tal und gegen Abend erreichen wir Medellin. Hier werden wir einige Tage bleiben. |
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Freitag, 21. September 2007 Sonntag, 23. September 2007 | |
Medellin, die Hauptstadt der Provinz
Antioquia, ist eine sehr moderne und wohlhabende Stadt. Die drei
Millionen Metropole liegt in einem Tal auf 1700 Meter Höhe, inmitten der
Cordillera Central. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts brachte der Kaffeehandel der Stadt ihren ersten grossen Aufschwung. Anfang der 80er Jahre erlangte Medellin dann traurige Berühmtheit durch das Drogen Kartell um Pablo Escobar. Seine eigene, offizielle Partei wurde 1982 sogar in den Kongress gewählt, doch durch immer strenger werdende Gesetze der Regierung gegen den Drogenhandel erklärte Escobar schliesslich dem Staat den Krieg und eine verheerende Serie von terroristischen Anschlägen nahm ihren Lauf. Eine daraufhin gebildete, 1500 Mann starke Sondereinheit war fast zwei Jahre lang damit beschäftigt den Boss des Kartells ausfindig zu machen. 1993 wurde Escobar in Medellin erschossen, doch noch heute gilt er für viele als Held. Ihm war die Wichtigkeit der öffentlichen Meinung stets bewusst und er investierte nicht zuletzt darum immer wieder Teile seines Vermögens in gemeinnützige Projekte und Infrastrukturprogramme. Durch seinen Tod haben sich die Probleme mit dem Drogenhandel nicht gebessert. Trotz schärfster Interventionen der Regierung haben längst die Guerillas und Para Militärs den Markt übernommen und damit ist die Situation für die Bevölkerung nicht gerade ungefährlicher geworden. |
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Sehenswert ist natürlich das Zentrum von Medellin. Auf dem Plazoleta de las Esculturas, direkt neben der Basilica de la Candelaria findet man eine riesige Ausstellung von Fernando Botero, Kolumbiens bekanntestem zeitgenössischen Künstler. | |
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Montag, 24. September 2007 | |
Heute setzen wir unsere Reise wieder fort. Bevor wir die Tiefebenen des Nordens erreichen müssen wir noch einmal über die Berge. Die kurvenreiche Strasse führt durch grüne Almen und die milden Temperaturen auf 2500 Meter machen die Fahrt sowie das abendliche Lauftraining zum Vergnügen. |
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Dienstag, 25. September 2007 | |
Schöner wirds Mopedfahren eigentlich nicht mehr, auf makellosem Asphalt und endlos vielen Kurven durchqueren wir die nördlichen Ausläufer der Kordilleren. |
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Mittwoch, 26. September 2007 | |
Heute erreichen wir die Küste und
damit Cartagena. Cartagena de India ist unsere letzte Station am Süd
Amerikanischen Kontinent. Wir werden hier einige Tage verbringen bis wir
ein Segelboot finden, das uns und die Motorräder sicher nach Panama
bringt. Die 1533 gegründete Stadt war einst Spaniens wichtigster Hafen in der neuen Welt und ist heute noch ein lebendes Museum. Rund um die
historische Altstadt zieht sich eine riesige Festungsmauer, die einst
die Aufgabe hatte die zahlreichen Piratenattacken abzuwehren. |
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Die schlimmsten und bekanntesten
dieser Belagerungen erfolgten 1586 durch Francis Drake und 1741 durch
Edward Vernon. Cartagena war ein lohnendes Ziel, die Spanier lagerten
hier Gold und Schätze von ihren Plünderzügen am Kontinent und verluden
sie im Hafen auf Schiffe in die Heimat. Die Altstadt besteht zum Grossteil immer noch aus sehr gut erhaltener Spanischer Architektur des 16. und 17. Jahrhunderts und ist mit ihren schmalen Gassen und belebten Plätzen ein Platz mit grossartiger Atmosphäre. Die Abende verbringt man in Cartagena am besten im Cafe del Mar. Dieser angenehme Club liegt mitten auf der Festungsmauer und bietet einem bei Nacht einen herrlichen Ausblick. |
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Der Abschied von Süd Amerika...... | |
Von Cartagena geht es weiter mit dem Schiff nach
Zentral Amerika. Es ist praktisch unmöglich mit dem Motorrad auf dem
Landweg von Kolumbien nach Panama zu fahren. Hierzu müsste man die
Darien Sümpfe durchqueren und dieses Gebiet wird zur Gänze von Guerillas
kontrolliert die den Drogenschmuggel nach Nord Amerika organisieren. Wir
nehmen also lieber ein Segelschiff.
Durch etwas Glück treffen wir auf Ludwig und seine Stahlratte.
Ludwig ist ein deutscher Kapitän und mit seinem Zweimaster über die San
Blas Inseln unterwegs nach Panama. |
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Donnerstag, 4. Oktober 2007 | |
Heute machen wir uns daran die Motorräder zu
verladen. Dadurch, dass die Stahlratte so gross ist können wir die Bikes
nicht direkt vom Steg an Bord bringen, sondern müssen sie zuerst in ein
Beiboot verladen. Den Hinterreifen voran geht es ins Schlauchboot... Und schliesslich mittels Flaschenzug an Bord! |
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Freitag, 5. Oktober 2007 | |
Als wir heute die Kolumbianischen Gewässer
verlassen wollen stoppt uns die Küstenwache. Die Männer kommen an Bord
und durchsuchen 4 Stunden lang das gesamte Schiff. Zusätzlich nehmen sie
von Crew und Passagieren die Fingerabdrücke und überprüfen die Papiere
für unsere Motorräder. Dadurch, dass wir die Maschinen vorschriftsmässig
beim Zoll ausgeführt haben gibt es keine Probleme.
Mit solchen Stops ist zwischen Panama und Kolumbien immer zu rechen. Wir befinden uns auf einer stark frequentierten Schmuggelroute und sehr viele der Boote transportieren heisse Fracht. |
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Nach beendeter Untersuchung
entschuldigt sich der Kommandant für die Unannehmlichkeiten und bittet
uns ein Protokoll zu unterschreiben, welches besagt, dass die Kontrollen
korrekt durchgeführt wurden. Selbstverständlich machen wir ihm gerne
diese Freude und nehmen endlich Kurs aufs offene Meer. Die See ist ruhig und in der Dämmerung erscheinen die San Blas Inseln am Horizont. Wir werfen Anker und verbringen unsere erste Nacht in Panama, unter Millionen von leuchtenden Sternen. |
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Interessante Links:
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Text und Photos: Felix Bergmeister |
Bericht vom 24.10.2007 | 4.935 Aufrufe