Rallye Dakar 2024 - wer führt zum ersten Drittel?
Die härteste Dakar aller Zeiten!
Die Behauptung des Veranstalters, dass 2024 die härteste Rallye Dakar aller Zeiten über die Bühne gehen werde, scheint keine leere Versprechung - bereits im ersten Drittel der Dakar 2024 gab es gefühlt mehr Sensationen und Favoriten-Ausfälle, als bei der vorjährigen Dakar insgesamt. Wir sortieren die Vorkommnisse bis zur vierten Etappe der Rallye ein!
Die 46. Ausgabe der für viele legendärsten Rallye der Welt hat es tatsächlich in sich, bereits die ersten vier Etappen halten vielfache Überraschungen parat. Immerhin ist auch die Streckenführung geändert und beinhaltet nicht nur noch schwierigere Abschnitte mit grobem Gestein, die gewiss den einen oder anderen Reifen killen werden, sondern auch schwierigere Abschnitte im Sinne einer herausfordernden Navigation - bei der die kleinsten Fehler bei dem derart hochkarätigen Starterfeld zu nicht aufholbaren Rückständen führen können.
Etappe 1 - wer zuletzt lacht, lacht am besten!
Nach dem kurzen Prolog des Vortags, durch den die Startreihenfolge festgelegt wird (die ersten 10 Fahrer dürfen sich ihre Startposition frei wählen) ist es also der Zehntplatzierte des Prologs, der als erster ins Rennen gehen muss. Der Amerikaner Mason Klein auf seiner chinesischen Kove hadert aber keinesfalls mit seinem Schicksal, die erste Linie zu ziehen, denn erstmals kann er so ein neues Reglement nutzen - derjenige, der das Rennen eröffnet, bekommt je nach seinen Führungskilometern Zeit gutgeschrieben. Und so durchfährt Klein auch souverän den ersten Wegpunkt als Erster, obwohl die Navigation durch das Vulkangebiet nicht allzu leicht ist. Natürlich beweisen aber auch andere Piloten ihr Talent, der Spanier Joan Barreda auf seiner indischen Hero etwa oder der Deutsche Sebastian Bühler mit ebenfalls indischem Material von Hero fahren auf ganz ähnlichem Niveau wie Klein und wollen klarerweise den Tagessieg übernehmen. Weitere grosse Namen, wie der Chilene Pablo Quintanilla auf Honda, dessen Teamkollege Ricky Brabec aus den USA und der Australier Toby Price auf KTM fahren nun im Klassement ebenfalls immer weiter nach vorne.
Nach 87 Kilometern zeigt sich daher auch ein anderes Bild - Quintanilla führt vor Brabec und Price, Mason ist nur noch Fünfter, vor dem Amerikaner Skyler Howes auf seiner Honda. Doch nun schlägt die Stunde von Ross Branch aus Botswana auf seiner Hero, er durchfährt den zweiten Wegpunkt mit der besten Zeit und übernimmt so die Führung. Der Argentinier Luciano Benavides spielt trotz der verheissungsvollen 1 auf seiner Husqvarna indes keine Rolle auf der ersten Etappe, rangiert rund 8 Minuten hinter den Führenden. Branchs Teamkollege Joaquim Rodriguez erwischt es dennoch schlimmer, er wird nach einem harten Sturz und Verdacht auf einen Bruch mit dem Hubschrauber in ein Spital geflogen. Bei Kilometer 240 erwischt es dann den nächsten erfolgsversprechenden Teilnehmer. Der Sieger des Prologs vom Vortag, Tosha Schareina stürzt schwer, bricht sich die Hand und wird von Ross Branch bis zum Eintreffen der Rettungskräfte betreut. Das ist insofern wichtig, als Mason Klein zwar als erster und stets Führender die erste Etappe beendet, doch andere Fahrer haben am Ende bessere Zeiten. Zum einen setzt sich Ricky Brabec vor Klein, zum anderen bekommt schliesslich Ross Branch die Zeit, die er für die Betreuung von Tosha Schareina verloren hat, gutgeschrieben. Damit sichert er sich letztendlich die erste Etappe vor Brabec, Klein, dem Spanier José Ignacio Cornejo Florimo (der Einfachheit halber kurz und knackig Nacho Cornejo genannt) auf seiner Honda und dem Südafrikaner Bradley Cox als bester KTM-Pilot.
Apropos KTM, nachdem ja Matthias Walkner durch einen komplizierten Beinbruch nicht an der Dakar 2024 teilnehmen kann, springt der Österreicher Tobias Ebster auf seiner KTM des Kini Rally Racing Teams in die Bresche und beendet die erste Etappe als 30. in der Gesamtwertung und führt die Original by Motul-Wertung an. Als Neffe des Dakar-Urgesteins Heinz Kinigardner könnte der Zillertaler trotz einiger Verletzungen vor der Dakar seine Steherqualitäten beweisen und sich gesamt noch weiter nach vorne arbeiten.
Etappe 2 - Nacho Cornejo zeigt mit seiner Honda auf
Die zweite Etappe nimmt als erster Vortagessieger Ross Branch in Angriff und profitiert dadurch von den Zeit-Boni die er als Erster bekommt. Doch bereits bei der ersten Zwischenzeit bei 41 Kilometern fällt Branch zurück, Quintanilla setzt sich knappe 9 Sekunden vor den Franzosen Adrien van Beveren auf Honda, 14 Sekunden vor Brabec und 22 Sekunden vor Cornejo. Kurz nach dem ersten Wegpunkt ereilt Mason Klein ein technischer Defekt an der Ölpumpe auf seiner Kove, der ihn rund zwei Stunden Zeit kostet - zu viel, um noch vorne mitmischen zu können. Derweil könnte es bei den vorderen Rängen nicht spannender sein, lediglich eine Sekunde trennt die beiden Führenden Quintanilla und Cornejo nach 226 Kilometern. Am Ende setzt sich Cornejo durch, er geht als erster durchs Ziel und kann diese Position auch halten. Somit holt er sich die zweite Etappe vor Luciano Benavides, Quintanilla, Bühler, Brabec, dem Engländer Sam Sunderland auf Gasgas und Toby Price. In der Gesamtwertung führt dennoch immer noch Ross Branch vor Cornejo, Brabec, Quintanilla und Luciano Benavides. Ebster macht bereits einen Platz gut, ist somit nun 29. im Gesamtklassement.
Etappe 3 - alles anders, als man denkt…
Nacho Cornejo eröffnet also die dritte Etappe auf seiner Honda, wobei die Sterne für den japanischen Hersteller vorerst auch heuer wieder gut stehen - gleich fünf Hondas rangieren unter den Top 10 des Klassements. Nach 38 Kilometern ist es aber Mason Klein, der führt - offenbar konnte er seine Kove wieder bestens in Schuss bringen. Des einen Freud, des anderen Leid - nun ereilen Sam Sunderlands Gasgas Probleme, er verliert wertvolle Zeit und muss schliesslich aufgeben. Nach 135 Kilometern setzt sich aber Pablo Quintanilla vor Mason, gefolgt von Joan Barreda. Nun zeigt sich auch endlich der Argentinier Kevin Benavides auf seiner KTM an vierter Stelle der dritten Etappe, gefolgt von Ross Branch. Bei Kilometer 310 zeigt sich Quintanillas Konstanz - der Chilene ist immer noch in Führung vor Joan Barreda, Ross Branch, Ricky Brabec, Adrien van Beveren, Skyler Howes und Nacho Cornejo. Es scheint also ganz normal, dass Quintanilla die Etappe vor Joan Barreda und Kevin Benavides gewinnt - am Ende soll es aber doch noch anders kommen. Quintanilla, Barreda, Brabec und Branch bekommen nämlich durch die Missachtung von Geschwindigkeitslimits Strafzeiten aufgebrummt, wodurch sich Kevin Benavides die Krone der 3. Etappe aufsetzen darf. Gefolgt wird der Argentinier von Brabec, van Beveren, Howes, Branch, Cornejo und Quintanilla. Branch gibt die Gesamtführung dennoch nicht aus der Hand, er wird mit seiner Hero von gleich vier Hondas verfolgt (Cornejo, Brabec, Quintanilla, van Beveren), erst danach kommt die KTM von Kevin Benavides. Der Deutsche Sebastian Bühler scheidet nach einem heftigen Sturz leider aus, Ebster arbeitet sich auf den 26. Gesamtplatz vor.
Etappe 4 - Nacho Cornejo siegt und übernimmt gleich die Gesamtführung
Ein ganz persönliches Geburtstagsgeschenk macht sich Kevin Benavides zum Start der 4. Etappe indem er als erster ins Rennen geht und somit von den heuer erstmals eingeführten Bonus-Zeiten profitiert, die etwaige Schwierigkeiten, die er als Erststarter hat, kompensieren. Und tatsächlich führt beim ersten Kontrollpunkt zwar Ross Branch vor Nacho Cornejo und Stefan Svitko auf KTM, Kevin Benavides hat allerdings trotz 26 Sekunden Rückstand bereits 36 Sekunden Boni gesammelt - und führt somit eigentlich. Nach knapp 80 Kilometern übernimmt Cornejo die Führung, Benavides hat aber bei 25 Sekunden Rückstand bereits über eine Minute Boni angehäuft. Allerdings sammelt nun auch Cornejo Bonuszeiten als Führender und übernimmt somit auch die virtuelle Führung vor dem Amerikaner Ricky Brabec. Beim letzten Wegpunkt der 4. Etappe deutet bereits alles darauf hin, dass Cornejo nicht nur diese Tageswertung holt sondern auch in der Gesamtwertung die Führung übernimmt. Derweil fallen weitere Grössen des Rallye-Sports weiter zurück die beiden Australier Daniel Sanders und Toby Price haben bereits jeweils über 10 Minuten Rückstand - was bei einer Dakar Ende des ersten Drittels klarerweise noch nichts bedeuten muss, bei dem hochkarätigen Feld allerdings auch schon eine Vorentscheidung sein kann. An der Spitze kann sich jedenfalls tatsächlich Nacho Cornejo dank seines fulminanten Durchmarsches in dieser Etappe durchsetzen und verweist Ricky Brabec auf den zweiten und Kevin Benavides auf den dritten Platz. In der Gesamtwertung rangiert nun Cornejo auf der Führungsposition, gefolgt von Branch, Brabec, Kevin Benavides, van Beveren, Luciano Benavides, Quintanilla und Price. Tobias Ebster ist zwar auf den 34. Gesamtrang abgerutscht, die Dakar 2024 dauert aber noch lange und hält gewiss noch viele Überraschungen parat!