Bilder: MV Agusta Brutale 800 RR Test 2015
Ein kleines Frühlingsfenster Anfang Februar liess es zu, dass sich Vauli und K.OT auf zwei MV Agustas schwangen und im kurzen, intensiven Test klärten, ob die italienischen Exoten ihren exklusiven Status verdient haben. Neben der Brutale RR wurde auch die neue Stradale ausgeführt. Auffällig war, mit welchem Understatement MV die neuesten elektronischen Features in seine Motorräder verbaut, wie zum Beispiel den Schaltautomaten mit Blipper-Funktion.
Ein bisschen Sonne, kein bisschen Wärme, aber viele italienische Emotioni. Die MV Agusta Brutale 800 RR schenkte uns einen kleinen Ausblick auf den Frühling und die kommende Saison. Was die Brutale angeht, wird es verdammt heiß werden.
Sogar wir 1000PSler haben nur selten die Möglichkeit, eine MV Agusta zu fahren. Unsere bisherigen Zusammenkünfte können wir an einer Hand abzählen. Dass also gerade zwei MVs die heimische Saison eröffnen würden, war daher kaum zu erwarten.
Sogar die Instrumenteneinheit scheint hier belüftet zu werden. Die vergitterten Lufteinlässe am Miniwindschild stellen gleich unmißverständlich klar, dass es sich hier um ein Performance-Motorrad handelt. Auch wenn der Scheinwerfer immer noch harmlos oval zwischen der Gabel hervorlugt.
Roter Gitterrohrrahmen, rote Ziernähte, rote Felgenbänder, rotes Zusatz-R. Bis auf ein paar scharfe Garnierungen hält sich die RR optisch zurück, was wir etwas schade finden. Denn so hebt sie sich zu wenig von der normalen Brutale ab. Zum Glück gibt es die RR aber auch in einem sensationell-geilen Metallic-Rot/Weiß.
Drei Zylinder bedeuten drei Auspuffenden, da folgt MV einer strikten Logik. Das sieht gut aus und klingt noch besser, aber der Sammler ist mit Sicherheit das Hässlichste am ganzen Motorrad. Oder sagen wir das am wenigsten Schöne.
Der 798 cc große Dreizylinder-Motor mit 12 Ventilen leistet 140 PS und 86 Nm Drehmoment. Genau so fühlt es sich auch an, die Brutale hält definitiv, was sie am Papier verspricht. Die Kraft zerrt bis in die hohen Gänge brutal an der Kette.
Progressives Sachs-Federbein, voll einstellbar mit 125 mm Federweg. Vorne arbeitet eine Marzocchi-Upside-Down-Gabel mit 43 mm Durchmesser, DLC Beschichtung und ebenfalls 125 mm Federweg. Die Brutale fühlt sich straff und stabil an, was dem Fahrer viel Vertrauen schenkt.
Auch das Display muss sexy sein. Im coolen Blauton und geschwungenen Gehäuse. Sicher nicht am besten zum Ablesen, besonders die Drehzahl am oberen Rand, aber eine MV fährt man schließlich nach Gefühl.
Wer genau schaut, erkennt neben dem Startknopf ein "Map". Das bedeutet, dass man mit diesem Knopf auch verschiedene (4) Mappings anwählen kann. Das Wichtigste aber ist der Gasgriff, das Zweitwichtigste der Bremshebel.
Die beiden Pfeile rauf und runter bzw. Set und OK markieren jene Druckknöpfe, mit denen ich weitere elektronische Funktionen am Motorrad selektieren kann. Zum Beispiel die achtstufige Traktionskontrolle, das ABS, die elektronische Motorbremse oder den Schaltautomaten.
Der Quickshifter entwickelt sich zum Standardequipment bei sportlichen Motorrädern, und zwar nicht nur bei Supersportlern. Durch die Blipper-Funktion kann man jetzt sogar runterschalten, ohne zu kuppeln. Allerdings muss man komplett vom Gas gehen.
Auch auf den Lenkungsdämpfer wollen wir nicht verzichten. Er läßt sich per Rädchen im Widerstand verstellen und hilft dabei, das Vorderrad etwas zu beruhigen. Durch die hohe Motorleistung und den Radstand von nur 1380 mm will sich die Front immer wieder vom Boden lösen und kann beim Aufsetzen zu pendeln beginnen. Das wird durch den Dämpfer unterbunden.
Stereotypisch stellen wir fest: Italienerinnen schätzen schönes Schuhwerk. In diesem Fall sitzt auf der wunderschönen Einarmschwinge eine schwarz beschichtete Alufelge bestückt mit Pirelli Diablo Rosso II Gummi.
Zwei 320er Scheiben und zwei 4-Kolben Bremszangen von Brembo vorne und eine 220er Scheibe und eine 2-Kolben-Bremszange hinten macht halt, sobald du "Stopp" denkst. Unterstützt wird man bei Bedarf von einem Bosch ABS-System.
Eine MV zu fahren ist ein einzigartiges Erlebnis. Der Sound, der angenehm raue Motorlauf, die straffe Abstimmung...und natürlich das Design, das Passanten staunen und Besitzer stolz sein läßt. Einzig die Motorabstimmung könnte im unteren Drehzahlbereich etwas besser sein, aber vielleicht war es nicht nur uns, sondern auch der MV etwas kalt.
Galerie von: 1000PS Internet GmbH
hochgeladen am 19.02.2015