SBK WM Vorschau
Alle jagen Troy |
Ob es auch in dieser Saison wieder zu einem Troy-Duell - Bayliss gegen Corser - kommt, hängt wohl mehr von Corser ab. Anders als 2006 geht Bayliss als Topfavorit in die SBK-Saison. Der 37-jährige Australier gewann 2006 zwölf Rennen und krönte sich bereits in Imola zum neuen Champion, was gleichzeitig seinen zweiten Titel bedeutete. Bayliss hat in diesem Winter bei beiden offiziellen Tests den Rundenrekord für Superbikes verbessert. Idealer könnte die Vorbereitung für Bayliss nicht verlaufen sein. |
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Corser will es allen zeigen |
Troy Corser muss wieder siegen lernen. Der mittlerweile 35-jährige
Yamaha-Werkspilot und zweifache SBK-Weltmeister gewann sein letztes Rennen
2006 auf Phillip Island mit der Alstare-Suzuki-GSX-R 1000 und blieb danach
in zehn Meetings ohne Sieg. Corser geht trotzdem motivierter denn je in die
neue Saison, der unliebsame Rauswurf bei Suzuki ist noch nicht vergessen,
Corser will dafür auf der Piste Taten sprechen lassen. Vor allem Corsers
Alstare-Suzuki-Nachfolger Max Biaggi sollte sich warm anziehen, wenn er mit
Corser in einen Zweikampf geht. Seinen Fahrstil hat Corser schon an die
wenige Yamaha angepasst und war damit bei den Tests auch durchwegs
schneller, als sein neuer Teamkollege Yamaha-Noriyuki Haga, der jedoch erst
unter Rennbedingungen zu seiner wahren Stärke findet. Haga war neben James
Toseland auch 2006 der einzige Pilot, der Bayliss nach Saisonhalbzeit
ernsthaft entgegenwirken konnte. |
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Biaggi bereits mit Dämpfer |
Neben den Yamaha-Assen und Weltmeister Bayliss richtet sich 2007 das
Hauptinteresse auf SBK-Neuling Max Biaggi. Für den Divenhaften Biaggi kam
nach der sensationellen Vorstellung im Herbst 2006 bei den ersten
offiziellen Reifentests in Valencia bei den Übungsfahrten im Januar dieses
Jahres die brutale Ernüchterung. Die Alstare-Suzuki scheint dem
35-jährigen Römer noch nicht so zu behagen, wie von Teamchef Francis Batta
erhofft. Anderseits darf auch nicht vergessen werden, dass die
Alstare-Corona-Mannschaft vor allem bei den Tests auf Phillip Island bewusst
auf den Einsatz von Qualifyern verzichtet hatte. Gespann darf man auch auf
Biaggis Teamkollegen Yukio Kagayama sein, der an der Seite von Troy Corser
in den beiden vergangenen Jahren in der Alstare-Corona-Suzuki-Truppe ein
Wellental durchschreiten musste. Nach katastrophalen Leistungen und
Serienausfällen folgten Highlights, wie der überragende Doppelsieg in
Brünn 2006. In der WM-Tabelle bedeutet das nur den siebten Rang.
Lästermäuler sehen den Japaner nach wie vor als die Mitgift von Suzuki an
das Alstare-Team. Ob er mehr ist, kann Kagayama 2007 endlich unter Beweis
stellen. |
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Toseland und Honda sind bereit |
Bei Honda lastet der gesamte Druck auf dem Briten James Toseland. Der Weltmeister von 2004 scheint damit jedoch kein Problem zu haben. "Mein einziges Ziel ist der WM-Titel. Nach dem zweiten Rang 2006 bin ich absolut bereit für meine zweite Meisterschaft, liess der Brite im Rahmen der Teampräsentation von HANNspree Ten Kate in Mailand verlauten. Anders sieht es bei Neuzugang Robby Rolfo aus, der dank guter Drähte zu den italienischen Honda-Managern in den Sattel der zweiten Ten Kate Honda Fireblade steigen darf. Die Testergebnisse waren ernüchternd bis enttäuschend. Dennoch gibt sich Rolfo kämpferisch. "Das Team hat mich zuletzt gelobt", versucht Rolfo glaubhaft zu machen. "Ich habe mich speziell auf Phillip Island stark verbessert und den Rückstand auf die Spitzenzeiten deutlich reduzieren können. Es wurde während der Tests immer besser. Ich will in für die WM ein Geheimtipp sein." Dennoch scheint Rolfo zu vergessen, dass er am Schluss der Tests auf Phillip Island immer noch mehr als zwei Sekunden auf Bayliss verloren hatte. Rolfo soll zudem 2007 zwei Rennen zur Langstrecken-WM bestreiten, damit der Italiener unter Rennbedingungen zusätzliche Kilometer auf der Fireblade sammeln kann. |
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Fonsi Nieto als PR-Stratege |
Als Aussenseiter darf man die beiden PSG1-Kawasaki-Piloten Regis Laconi und
Fonsi Nieto nicht unterschätzen. Nieto holte sich 2006 seinen ersten
Podestplatz, Laconi hat aus seiner Zeit im Ducati-Werksteam in den Jahren
2004 und 2005 ausreichend Siege und Podestplätze vorzuweisen.
Nieto (28) ist im Besitz eines kugelisicheren Vertrages im Team PSG-1 Kawasaki von Pierguido Pagani für die Superbike-WM 2007. Zuletzt tauchten jedoch hartnäckige Gerüchte um einen Vertrag von Nieto mit dem Kawasaki-MotoGP-Werksteam auf. Nieto war an dieser Unruhe nicht ganz unbeteiligt. "Ich will Kawasaki in der Entwicklung der 800er-Motorräder behilflich sein", liess der Madrilene in der spanischen Presse ausrichten. Sogar über Wildcard-Einsätze dachte Nieto laut nach. Klar ist: Bei Kawasaki ist man mit den Testleistungen von Olivier Jacque alles andere als glücklich. Nieto wäre ein durchaus geeigneter Mann für die MotoGP-800er, die einer 250er im Fahrverhalten doch recht ähnlich ist. Nieto gewann in seiner Karriere fünf 250er-Grands-Prix und beendete die 250er-Weltmeisterschaft 2003 auf dem zweiten Rang. Der Spanier wanderte 2005 in die Superbike-WM ab, wo er bisher über einen dritten Rang im Vorjahr nicht hinauskam. Nieto sorgte bereits Ende 2006 für Verwirrung, als er seinen ehemaligen Sponsor, den Mineralölriesen Repsol, in Verbindung mit einem Honda-Superbike-Engagement ins Spiel brachte. Kawasaki zog darauf einen klaren Strich unter die Angelegenheit. "Wir haben keinerlei Kontakte zu Fonsi Nieto", hiess es bei in der Aussendung von Pressemann Ian Wheeler. "Kawasaki hat im Moment nicht die Absicht, Fonsi Nieto in die MotoGP-Entwicklungsarbeit mit einzubeziehen. Nieto wäre aber ein potenzieller Ersatz, sollte einem unserer Piloten ein Missgeschick passieren. Es gibt aber auch andere Optionen." Ähnliches wie für die Kawasaki-Piloten gilt auch für Sterilgarda-Ducati-Star Ruben Xaus. Der heissblütige Katalane darf, wie schon 2006, auf Vorjahres-Werksmaterial aus dem Hause Ducati zurückgreifen. |
Text: Orasche |
Bericht vom 22.02.2007 | 3.816 Aufrufe