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Was für eine skurrile Situation. Da
raunzt die Ducati Mannschaft über Nachteile gegenüber den japanischern
Vierzylindern und über ihre schlechte Ausgangsposition in der Superbike WM. Blöd
nur, dass Troy Bayliss dann mit seiner 999er trotzdem den WM-Titel holt.
Trotzdem kriegt der neue Ducati Supersportler um exakt 101 cm³ mehr Hubraum
spendiert. Ein umwerfendes Design noch dazu. Die nächste Legende? |
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Ducati 1098 S Test -
Das Video |
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Wer die Schönheit auch in Action sehen
möchte (damit meinen wir natürlich das Motorrad und nicht die Testpiloten Klaus
Grammer und NastyNils) wirft einen kurzen aber intensiven Blick auf unser Video.
Am Ende muss NastyNils übrigens schieben...
Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte,
klickt mit der rechten Maustaste
hier und wählt "Ziel speichern unter".
Schnitt: Cimple Moritz
Videodreh: Cimple Moritz
Onboard Cam: NastyNils, Klaus Grammer |
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Die Ducati 1098 S in Fahrt |
Bei der 1098S werden meine 2 Hauptmottos
beim Motorradfahren gekonnt umgesetzt:
1) Man fährt auch mit dem Auge
2) Mangelndes Talent muss durch den bedingungslosen Einsatz von Technik
wettgemacht werden.
Die Erwartungen waren also gross als die
Aufwärmrunden am ungarischen Pannoniaring vorbei waren. Auf der Start-Ziel
Geraden gönnte ich dem Motor dann nach 3 Runden den ersten Auslauf und erlebte
eine Ducati in neuen Drehmoment Dimensionen. Keine Kunst, bei 101 ccm mehr
Hubraum, doch es soll nicht unerwähnt bleiben. Der Prüfstandsausdruck (siehe
unten) hat mir zuvor viel Sorge bereitet. Denn auf dem Papier hat die Ducati bei
5.000 Touren ein Schlagloch in der Kurve, welches sicherlich eine Folge von
Typisierungskastration ist. Doch auf der Strecke blieb davon nicht viel übrig.
Liegt vermutlich daran, dass Rennstrecke und Prüfstand nur sehr wenig gemeinsam
haben.
Die Wahrheit steht nicht am Papier
Am Prüfstand wird das Motorrad von Standgas mit vollem Anschlag bis in den
Begrenzer getrieben. Bei manchen Prüfstandsläufen sortieren wir noch ein paar
Gänge durch und haben am Ende eine tolle Kurve am Papier. Wir erfreuen uns dann
noch über die geile Zahl am Gipfel des Zenits doch im Kopf dämmert es bereits.
Nicht nur wegen der kleinen Abgas-Vergiftung, welche wir uns bei jedem
Prüfstandslauf einholen, sondern auch aufgrund unserer praktischen Erfahrungen
auf der Strecke. Leider ist es so, dass die Zeit auf der Rennstrecke nach wie
vor in jenen Phasen geholt wird, wo man den Gasgriff NICHT auf Anschlag stellt.
Nämlich in der Übergangsphase jeder Kurve "Bremsen-Rollen-Beschleunigen". Wer
ehrlich zu sich selbst ist, weiss ganz genau wie oft der rechte Griff hier
wirklich zu 100% umgelegt wird und wie oft mit Halbgas gefahren
wird. Diese Fahrsituationen sind natürlich am Prüfstand fast unmöglich
nachzustellen haben in der Praxis aber grosse Bedeutung.
Ducati punktet mit Sitzposition
In diesen Fahrsituationen punktet die Ducati 1098 wieder mit Eigenschaften
welche auf Papier nur schwer festzumachen sind. Nämlich mit einer sehr
gelungenen Sitzposition. Die Kombination Sitzbank und Tank lässt Dich Deine
Gebeine schön im Motorrad platzieren. So lässt sich in den Kurven viel
Körpergewicht von den Oberschenkeln am Tank abstützen. Ich liebe es, wenn die
Beine den Körper am Bike halten und meine Hände nur lose am Lenker liegen.
Gasgriff und Bremse lassen sich dann wunderbar dosieren und gute Rundenzeiten
kommen plötzlich ohne Stress. Besonders bei Kurven mit Radiusänderung wird man
sich über die einfach Justage der Schräglage über Druck am Schenkel freuen. Ein
weiteres Plus, eigentlich schon bei der 999er und noch etwas ausgeprägter bei
der 916er, ist die Fähigkeit der Ducati in langen Kurven enormen Grip am
Hinterrad aufzubauen. Das Fahrzeug bleibt hier 100% stabil und schafft so nicht
nur die theoretische Möglichkeit sondern auch das nötige Vertrauen um das Gas zu
öffnen.
Die Schaltpunkte müssen passen
Der Durchzug passt und die Beschleunigung aus den Kurven wird den Gegnern schwer
im Magen liegen. Doch viel Aufmerksamkeit sollte der Pilot dem Schaltzeitpunkt
widmen. Eigentlich reicht es die Beschleunigungsphase bei ca. 4.000 Touren zu
beginnen. Wenn der Kurvenausgang in Sichtweite ist, sollte die Nadel dann bei
6.000 Touren angelangt sein. Denn der Motor katapultiert Dich dann zwar herrlich
hinaus aus der Kurve doch bei 10.000 Touren sollte schleunigst geschalten
werden. Der Motor kann oben nicht weiter zulegen und regelt auch etwas zu abrupt
ab.
Bremse sorgt für Stress
So entspannt die Sitzposition für Ruhe sorgt so hektisch wird es im Sattel wenn
der Anker geworfen wird. Mag sein, dass ich einfach zu alt, zu langsam oder
einfach zu feige bin um dieser Bremse Herr zu werden, doch ich glaube hier haben
wir zu viel des Guten.
Lassen wir uns die Zutaten einmal auf der Zunge zergehen: Radiale Bremspumpen
wie diese werden im Zubehör um ein Schweinegeld verkauft. Das beste war hier
gerade gut genug. Radial verschraubte Bremssättel ist schon Standard doch bei
den Bremssätteln selbst wurde wieder ins Volle gegriffen. Die Brembo Monoblock
Sättel sind aus dem Vollen gearbeitete Teil und sind dadurch sündhaft teuer in
der Herstellung aber auch erbarmungslos stabil. Zu guter Letzt sind an der
Ducati dann noch riesige 330er Scheiben montiert. Rennfahrer mit hohen
Ambitionen haben hier im Prinzip WM-fähiges Material zur Verfügung. Diese Bremse
kann nicht überfordert werden. Überfordert ist hier leider nur der unwürdige
Hobbyist welcher versucht vorsichtig in den Scheitel zu bremsen. Ich vermute die
Ursache liegt in den grossen Scheiben begraben die Dosierbarkeit erfordert
Fingerspitzengefühl.
Technik für das Auge
In Sachen Ausstattung wurde bei der Ducati nirgendwo gespart. So kleine Details
wie zum Beispiel die Befestigung des Lenkungsdämpfers lassen Besitzer von
japanischen Bikes sicher neidvoll erblassen. Es gibt Dinge, die werden einfach
nur in Italien konsequent umgesetzt und das ist das Design. So unzuverlässig
die Typen in der Ressourcenplanung welche Jahr für Jahr für Terminprobleme bei
den Lieferungen sorgen, so zuverlässig ist die Crew in der Designabteilung.
Die Fahrwerkskomponenten am Bike werden von Öhlins gestellt. Lenkungsdämpfer,
Federbein und Gabel kommen schon in der Serienabstimmung sehr straff und die
Ducati war ohne einen Klick am Fahrwerk umzudrehen sofort für die Rennstrecke
abgestimmt. Das sportliche Fahrwerk lässt jedoch einen sehr breiten
Justagespielraum zu, einen viel grösseren als wir ihn von günstigeren Motorrädern
gewohnt sind. Gut ins sportliche Bild passen hier auch die serienmässig
montierten Pirelli Supercorsa Pro Reifen. Der obligatorische erste Reifenwechsel
entfällt komplett, wer aufs Einfahren verzichten möchte, fährt mit der 1098S von
der Kiste in die Startaufstellung.
Das Highlight am Motorrad ist für den Technikfreak vielleicht der neue Motor für
alle Anderen aber vermutlich die wunderbare Einarmschwinge. Weder Photo noch
Video können diese Eleganz wiedergeben mit der sich diese Skulptur aus Aluminium
um Reifen, Felge und Kette schmiegt. Für mich ein ganz grosser Wurf. Logisch,
dass hier bei der 1098S auch gleich Marchesini Felgen mit an Bord sind. Sie
mögen beim Einlenken sicherlich für etwas mehr Handlichkeit sorgen, den wahren
Zweck erfüllen sie jedoch im Fahrerlager. |






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Spielzeug für Elektronikfreaks
Eigentlich bin ich ja ein Freund von analogen Instrumenten. Zumindest der
Drehzahlmesser sollte aber ein echter Zeiger sein, welcher hektisch nach oben
zappelt. Bei der Duc sind sämtliche Anzeigeinstrumente in einem einzigen
Dashboard integriert. Echte Rennfahrer haben so etwas schon längst auf ihren
Ringeisen montiert, hier natürlich serienmässig. Ich weiss nicht wie es den echten
Rennfahrern mit solchen Instrumenten geht. Ich selbst finde es ebenfalls super
lässig, hab aber bei einem analogen Drehzahlmesser die Drehzahl schneller im
Blickfeld. |
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Die Ducati 1098 S am Prüfstand |
Prüfstand: 4-Zylinder Fans werden den
vergleichsweise bodenständigen Werte keine Begeisterung entlocken, 2-Zylinder
Fahrer wissen den Fortschritt jedoch zu schätzen. Eigentlich eine Sünde, doch
aus Zeitgründen nicht anders möglich wurde die Ducati ohne die erforderliche
Einfahrzeit sofort auf den Prüfstand gestellt und so wurden sofort 145,4 PS am
Hinterrad und 151,9 PS an der Kupplung gemessen. Werte für die 999er Besitzer
auf ehrlichen Prüfständen haben hart arbeiten und doch einiges investieren haben
müssen. Mit wenigen Handgriffen und durch Ablegen der Euro-3 Bürden sollten hier
aber sehr rasch noch weitere PS aus dem Motor zu holen sein. Eigentlich
unwürdiges Gefummle am Zylinderkopf mit Schleifpapier und Frässmaschine sollten
nun endlich der Vergangenheit angehören.
Zweizylinderfans wird also gar keine andere Wahl gelassen um auf diesen
herrlichen neuen Motor aus Italien umzusteigen. Die 4-Zylinder aus Japan haben
auch heuer wieder zugelegt (siehe GSX-R Bericht). Wer hier den Anschluss nicht
verlieren will, hat leider die ehrenvolle Aufgabe folgende traurige Nachricht an
die Chefin zu übermitteln: Projekt Wohnungssanierung wird verschoben, 25.000
Euro am Gemeinschaftskonto wurden einem wesentlich sinnvollerem Projekt
zugeführt. |
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Ducati 1098 S - Impressionen |
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Nach wie vor Ducati Standard. Schöne
Underseat Auspuffanlage. |
Schwierig hier eine Entscheidung zu
treffen. Parkt man das Motorrad so, um die Felgen zu präsentieren.... |
...oder lieber so, dass die Einarmschwinge
glänzt. |
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Nur perverse Zeitgenossen können dieses
Motorrad im Kiesbett entweihen. |
Die Verkleidung verhüllt sehr viel, aber
zum Glück ragen da und dort noch ein paar schön geschweisste Rahmenrohre aus dem
Plastik. |
Das Verhältnis von Schweinwerfer-Grösse zur
Grösse des Lufteinlasses stimmt uns zuversichtlich. Der Rest sowieso. |
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Wehe wenn ungeduldige Hobbyisten in
die Eisen greifen. Grimmig! |
Keine Kompromisse bei Gabelbrücke,
Lenkungsdämpfer und Gabel. |
Dashboard mit allen Infos in einem
LCD-Display. |
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Info: Die Ducati 1098 bei der
1000PS Roadshow Probe fahren |
Auch heuer wieder kann man bei den 1000PS
Roadshows die Neuheiten der Saison 2007 kostenlos Probe fahren. Mit dabei ist
auch die neue Ducati 1098 S. Insgesamt fast 100 Motorräder stehen bei jedem
Termin für euch zur Verfügung. Alle Infos und Termine unter
www.1000ps.at/roadshows. Unsere deutschen Gäste müssen wir an dieser
Stelle enttäuschen. Die Roadshows gibt es leider nur in Österreich. |
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Technische Daten Ducati 1098 S |
Motor |
Typ | MOTOR: 2-Zylinder
Testastretta 4-Takt Benzin-Einspritzmotor mit Wasserkühlung, Zylinderanordnung
L 90° in Fahrtrichtung |
Hubraum | 1099 ccm |
Verdichtung | 12,5:1 |
Bohrung x Hub | 104 mm Bohrung / 64,7
mm Hub |
Einlassventile | 2x42 mm |
Auslassventile | 2x34 mm |
Ventilhub Einlass | 11,80 mm |
Ventilhub Auslass | 10,60 mm |
Tankinhalt | 15,5 l
Tankvolumen (4 l Reserve), |
Kupplung | hydraulisch betätigte
Mehrscheiben-Trockenkupplung |
Primärübersetzung | 1,84 |
Sekundärubersetzung | 2,53 (38/15) |
1. Gang | 2,47 |
2. Gang | 1,76 |
3. Gang | 1,4 |
4. Gang | 1,18 |
5. Gang | 1,04 |
6. Gang | 0,96 |
Leistung (Werksangabe) | 160 PS
bei 9.750 U/min |
Leistung (Messung) | 151,9 PS an der
Kupplung. Motorrad neu, noch nicht eingefahren. |
Drehmoment | 123 Nm bei 8.000
U/min |
Service / Garantie |
Serviceintervalle: 1.000, 12.000 und alle weiteren 12.000 Km, 24 Monate Garantie
ohne Kilometerbegrenzung |
Fahrwerk |
Federung | Öhlins UpSideDown
Gabel mit TIN Beschichtung und Aufnahme für Radial Bremszangen, verstellbar in
Zug-, Druckstufe und Vorspannung, 43 mm Standrohrdurchmesser, 120 mm Federweg,
Aluminium-Einarmschwinge, Progressives Öhlins Mark II Mono-Federbein verstellbar
in Zug-,Druckstufe und Vorspannung, 59,5 mm Stossdämpferhub, 127 mm Federweg |
Bremsen | Hydraulische
Zweischeibenbremsanlage vorne, schwimmende 330 mm Brembo Bremsscheiben,
Bremszylinder: Brembo PR18 Radial, Bremszange(n): Brembo M4.34A
Radial-4-Kolben-Monoblock-Zangen (feststehend), Material der Bremsbeläge:
Sintermetall Hydraulische Einscheibenbremsanlage hinten, feststehende 245 mm
Bremsscheibe, Bremszylinder: Brembo PS11, Bremszange(n): Brembo P34C (2-Kolben /
feststehend) |
Radstand | 1430 mm |
Sitzhöhe | 820 mm |
Rahmen | Stahlrohrrahmen aus
Chrom-Molibdänstahl ALS 450 mit Motor als tragendes Element, einstellbarer
Öhlins Lenkungsdämpfer, 28,5° max. Einschlag, 24,5° Lenkkopfwinkel |
Räder | geschmiedete 5 Speichen
Marchesini Leichtmetallfelge, Y-Design, vorne: 3,50 x 17, hinten: 6,00 x 17,
Bereifung vorne: 120/70-ZR17, hinten: 190/55-ZR17 |
Trockengewicht | 171 kg |
Preis Österreich |
24.995 Euro inkl. Nova und MWSt. |
Preis Deutschland |
21.550 Euro inkl. MWSt. |
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Munition für den Stammtisch |
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Ein Photo vom Bike sollte genügen
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PLUS: Ein paar Schlagworte wie zb. Marchesini, Öhlins,
Alu-Einarm,..
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