CBR600RR am Ring
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![]() Wir waren zu Gast bei der Dunlop Max Tour und konnten uns dabei ein bisschen auf den Pässen Südtirols austoben und uns gleichzeitig auch ein Bild von der Alltagstauglichkeit eines Supersportlers machen. Den obligatorischen Abstecher auf den Pannoniaring ermöglichte mir Michi Fiala im Rahmen seiner Moto-Academy. |
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Rein optisch gibt es nichts auszusetzen an
der CBR 600RR. Die Verarbeitungsqualität ist bei Honda bereits eine fast
sprichwörtlich gute. Wie es in dieser Klasse bereits zum guten Ton gehört
findet man am Modell 2005 eine USD-Gabel und radial verschraubte
Bremssättel. Ein neuartiges Verfahren bei der Herstellung ermöglicht es,
die Wandstärke des Rahmens an die unterschiedlichen Belastungen anzupassen.
Dadurch kann Gewicht eingespart und die optimale Steifigkeit erreicht
werden. Selbiges Ziel verfolgt die nun in die Aluminiumschwinge integrierte
obere Dämpferaufnahme. Geschlitzte Fussrasten sind ein untrügliches Indiz
für die verzweifelte Suche der Japaner nach dem letzten Gramm.
Bestrebungen, das Gewicht zu reduzieren werden von uns immer mit Applaus
belohnt. Dadurch können wir unseren Körperspeckanteil erhöhen, ohne das
Leistungsgewicht zu verschlechtern.
Gabel wie auch Federbein sind natürlich voll einstellbar und funktionieren in der Originalabstimmung recht ordentlich. Wobei gleich gesagt werden muss, dass die Abstimmung der Federungselemente immer eine Gratwanderung bleiben wird und ein Supersport-Motorrad nicht jede heimtückische Welle der Alpenpässe schlucken kann. Also hat man auf der Strasse eigentlich nur die Wahl zwischen einem guten und einem schlechten Kompromiss. Die CBR ist diesbezüglich sicher auf der Seite des Guten. Das Fahrverhalten ist sehr neutral. Eingeschlagene Radien werden anstandslos durchgezogen und können - falls notwendig - vom Fahrer gedankenschnell an eine sich verändernde Situation angepasst werden. Was natürlich im erhöhten Masse zur Verkehrssicherheit beiträgt oder es gefahrlos ermöglicht, den im Weg herumeiernden Nils zu überholen. Speziell auf kurze harte Schläge reagiert das Fahrwerk sehr sensibel. Grobe tiefe Löcher und Bodenwellen werden natürlich von einem Racer wie der CBR nicht geschluckt. Diese Angelegenheiten werden über die harte Sitzbank direkt an die Wirbelsäule weitergeleitet und können hoffentlich solange absorbiert werden, bis man Geld genug hat, um sich eine Gold Wing zu kaufen. |
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Zum Thema Sitzbank sei noch gesagt, dass nicht die Härte das Problem ist, sondern eher die glatte Oberfläche. Eine Bodenwelle in Verbindung mit dem Schliessen der Drosselklappe reicht aus, um sehr hart gegen den Tank zu rutschen. Leider gibt es von diesen Bodenwellen in Südtirol schmerzhaft viele. Die Sitzposition ist typisch sportlich ohne dabei längere Tagesetappen zur Qual werden zu lassen. Positiv fällt der geringe Abstand zwischen Sitzbank und Lenkkopf auf. Es wird dadurch ein angenehmes Gefühl der Kontrolle vermittelt. Einzig beim Durchfahren von Spitzkehren wird, verursacht durch die geringe Geschwindigkeit und die dadurch fehlenden Kreiselkräfte das Fahrverhalten kippelig. Somit wird es fast unmöglich sauber und schwungvoll durch die Kurve zu kommen. Was sich am Staller Sattel insofern negativ auswirkte, dass "Nasty Nils" die Bergwertung gewann. Das ist ein wirklich starkes Indiz für schwierigste Verhältnisse. Über Motor und Bremsen braucht man eigentlich keine Worte verlieren. Genauso unspektakulär und trotzdem vehement wie der Motor die Fuhre beschleunigt wird sie auch wieder verzögert. Dass man von 599ccm in Verbindung mit dem langen ersten Gang beim Beschleunigen aus Spitzkehren keine Wunder erwarten darf versteht sich von selbst. Insgesamt macht die CBR 600RR auf den Alpenpässen für ein Supersport-Motorrad eine recht ordentliche Figur. Wenn man gewisse Abstriche beim Komfort zugunsten von Sportlichkeit in Kauf nimmt hat man um die Kleinigkeit von Euro 11.650,-- ein Bike für fast alle Eventualitäten gekauft. | ||||
Wie auch beim Reifen ist es logisch, dass die Gabel nicht auf Strasse und Rundstrecke gleichermassen gut funktionieren kann. Sie taucht beim harten Anbremsen zu schnell und zu tief ein und verursacht dadurch ein etwas instabiles Fahrverhalten. Für ernstere Einsätze (und damit meine ich keine Hobbyrennen auf 2:15er Niveau) auf der Rennstrecke würde ich vorschlagen, härtere Gabelfedern zu montieren und ein anderes Gabelöl mit korrigiertem Ölstand einzufüllen.
Über die Wirkung der Vorderbremse gibt es nicht viel zu sagen. Tadelloser Biss in Verbindung mit guter Dosierbarkeit. Positiv ist mir die Hinterbremse aufgefallen. Sie muss nicht wie bei anderen Sportmotorrädern mit der Ferse bedient werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen sondern ermöglicht es, mit nicht allzu viel Kraftaufwand zur Verzögerung und zur Stabilisierung des Motorrades in der Bremszone beizutragen.
Der Motor dreht ohne spürbare Einbrüche bis in den Drehzahlbegrenzer, der überdies angenehm sanft einsetzt. Wobei es nicht die schiere Kraft ist, die uns am Feind vorbeireisst sondern eher das feine Ansprechverhalten beim Öffnen der Drosselklappen am Kurvenscheitelpunkt und die daraus resultierende Geschwindigkeit auf der Geraden. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich Honda nicht damit begnügt hat immer mehr "R`s" auf die Verkleidung zu kleben sondern tatsächlich einen Racer auf die Räder gestellt hat, der diese Bezeichnung verdient. |
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Text: Grammer Klaus Weitere Informationen auf www.honda.at |
Bericht vom 09.06.2005 | 9.468 Aufrufe