Fahrwerkstuning

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Offroad Spezialist und Fahrwerkskoryphäe Gerhard Damianik gibt 1000PS einen kleinen Einblick ins Universum der Fahrwerkseinstellungen.

Sinnvolles Tuning für Offroad Bikes

Wenn man über Tuning bei Offroadern spricht, denkt man meist nur an Auspuffsysteme, und eventuell noch an mehr Hubraum
. Aber lasst uns kurz mal ehrlich sein, wer ist schon wirklich im Stande, eine 450er geschweige denn eine aufgemotzte 450er über einen längeren Zeitraum hinweg im Grenzbereich zu bewegen? Eben! Sinnvoller sind hier gezielte Eingriffe ins Fahrwerk des Bikes.
Gerhard Damianik aus Neunkirchen zählt in Österreich zu den erfahrensten Offroadspezialisten und erklärt 1000PS, worauf es beim Fahrwerk ankommt.
Gerhard in seinem Element - Federbein stripped

Im Grunde sind die Fahrwerke der meisten MX und Enduro Modelle bereits wettbewerbsfähig. Jedoch sind die Settings immer standardisiert. Sprich, das Fahrwerk einer Suzuki RM-Z 250 ist etwa ist für 180cm Körpergrösse und 72 Kg Fahrergewicht ausgelegt. Ganz klar also, dass das Fahrwerk einen 95 Kg Brocken am Sitz nicht so handeln kann, wie es eigentlich sollte. Ein weiteres Kriterium ist die Art der Strecke, auf welche das Fahrwerk abgestimmt wurde. So kann es etwa sein, dass eine MX auf italienischen Strecken (eher lange und schnelle Kurse) top unterwegs ist, aber auf österreichischen Strecken (eher langsame verwinkelte Strecken) nur mässigen Fahrspass bringt. Laut Gerhard Damianik sollte man sich beim Neukauf eines Bikes informieren, auf welchen Standard das Fahrwerk abgestimmt ist.

Was bringt mir ein abgestimmtes Fahrwerk als Hobbyfahrer und Wochenendnudler? Beim Endurieren und Crossen sollte es doch vorranging um den Spass am Fahren gehen. Wenn einem jedoch nach ein paar Minuten auf der MX Strecke die Unterarme und Oberschenkel "einfrieren", ist das meist alles andere als lustig. Solche Verkrampfungen sind nicht immer nur auf fehlende Ausdauer und schlecht trainierte Muskulatur zurückzuführen, sondern haben auch sehr oft das  falsche Fahrwerks-Setting als Ursache.

Grundsätzlich gibt es, wenn man vom Fahrwerkstuning spricht, drei Möglichkeiten, wie man sein Bike auf Vordermann bringen kann.

Die günstigste Alternative wäre die Anpassung des Serienfahrwerks auf den Fahrer und dessen Einsatzgebiet. Standardfahrwerke sind meist auf ein Fahrergewicht um die 75kg eingerichtet. Mit Hilfe der Federrate und den Shims in Federbein und Gabel lässt sich das Fahrwerk auf Gewicht, Grösse und auch auf das Einsatzgebiet des Fahrers optimal abstimmen.

Die zweite Variante des Fahrwerkstunings ist das neue "TTX" System von Öhlins. Bei diesem System wird die komplette Cartridge der Gabel getauscht. Der Vorteil liegt in der Stickstoffblase, welche die Stahlfeder ersetzt. Das TTX System verleiht der Gabel ein sensibleres Ansprechverhalten, sowie eine individuelle Abstimmung von Zug- und Druckstufen- Dämpfung.

Die dritte und letzte Variante wären die der Werkskits. Im Aufbau unterscheiden sich die Werkskits nicht gravierend von Standardfahrwerken. Der grosse Unterschied liegt in der präziseren Verarbeitung, in den geringeren Toleranzen, sowie in den verwendeten Materialien.

Druckstufeneinsätze

 
Video - Interview mit Gerhard Damianik

Suzuki RM-Z 450 - Gutes macht Damianik noch besser.

 
Bei allen drei Varianten der Fahrwerksoptimierung gilt, umso mehr Informationen über Fahrverhalten, Vorlieben, Einsatzgebiet,... an den Fahrwerksspezialisten weitergegeben werden , umso besser kann das Fahrwerk abgestimmt werden. Hier sollte man auch kleine Hilfsutensilien, wie den Gabelspion (ein Gummiring, der am Tauchrohr der Gabel montiert wird, um zu erkennen, wie weit die Gabel eintaucht) zurückgreifen.

Shimscocktail - Ein Federbein im zerlegten Zustand

"Don't-Do-it-yourself" Wer einen 17er Schlüssel von einem Inbus Schlüssel unterscheiden kann, und auch schon mal seinen Reifen oder Kettensatz selber wechselt, sollte trotzdem nicht in Versuchung kommen, sich an seinem Fahrwerk zu vergehen. Sowohl Gabel als auch Federbein sind sehr komplex aufgebaut, auch wenn's von aussen nicht so aussieht, ein einziger Gabelholm besteht aus über 100 Einzelteilen. Jedes einzelne dieser Teile hat eine bestimmte Aufgabe und kann beim falscher Handhabung zu fatalen Fehlern führen.

Nur ein paar Werkzeuge, die notwendig sind, um Gabel und Federbein zu warten und optimal einzustellen.

 
Da das Einsatzgebiet von Moto Cross und Enduro Maschinen vorwiegend dreckig, schlammig oder staubig ist und trotz Staubsimmeringen konstant Schmutz ins Innere des Fahrwerkes gelangt, sollte jedes Fahrwerk je nach Beanspruchung gewartet und serviciert werden, mindestens jedoch einmal im Jahr! Dabei wird Öl sowie Simmeringe gewechselt und die Federn als auch die einzelnen Shims überprüft und gegebenenfalls ersetzt. Die Kosten für ein Fahrwerksservice halten sich in Grenzen, sichern aber die ordnungsgemässe Funktion und beugen hohem Verschleiss und den daraus resultierenden hohen Kosten vor.
Interessante Links:

www.damianik.at
www.suzuki.at



Text: arlo
Photos: arlo

Bericht vom 26.03.2009 | 10.639 Aufrufe

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