Custom lebt! Stimmen von der Custombike-Show 2024
Wo steht die Szene und die Custombike-Show in Bad Salzuflen?
Das letzte November- bzw. erste Dezemberwochenende ist für viele Customverrückte ein Fixpunkt im Kalender. Die Szene versammelt sich seit nunmehr fast 20 Jahren zur Custombike-Show in Bad Salzuflen, Deutschland. Wo steht die Szene in 2024 und wie ist es unter Gleichgesinnten zu sein? Ein Gastbeitrag von Michael Petke.
Am 28.11.24 war es mal wieder so weit und die Fahrt führte von Tirol nach Bad Salzuflen - um das letzte Machwerk zu präsentieren - aber vor allem um Bekannte, Freunde und Wegbegleiter der Szene zu sehen und Benzingespräche zu führen. Nach Ankunft, anmelden zur Bikeshow und ausladen/aufstellen der Maschine, gleich mal ne Runde gedreht. Während einige Händler auch noch am aufbauen sind, schieben viele gleichgesinnte Ihre Bikes in die Show und der Besitzerstolz ist überall zu spüren.
Auch die Händler polieren, putzen, verkabeln was das Zeug hält. Dabei ist eine sichtliche Vorfreude auf diesen Saisonabschluss für alle sichtbar. Nach der ersten Runde ist zwar klar, dass die Chancen auf einen eigenen Pokal dahin sind, aber der Stolz überhaupt für die Show ausgewählt worden zu sein, kann einem niemand nehmen. Besonders schön: Wie sich die Show der Mopeds füllt. Die Erbauer - darunter vor allem die Jungen, die hier ihre umgebauten Schwalben, Mofas usw. einfahren - strahlen mit ihren detailverliebten Maschinen um die Wette. Das senkt auch den Altersschnitt - gut so. Zwar sind gefühlt weniger Profis vertreten, aber die Show ist mit 252 Bikes bestens gefüllt und stellt für mich Qualitativ das beste dar, was es in der Szene gibt. Hier wird die Messe und auch die Auswahl durch die Garage21/Custombike dem Anspruch der European Custombike Championship absolut gerecht.
Die hohe Harleydichte in einer der beiden Hallen zeigt auch welcher Hersteller das Thema schon am längsten beackert. Herausstechend sind aber auch viele Umbauten auf Honda Shadow Basis, XS-Umbauten in allen Stilrichtungen und einige andere, von Ducati über Guzzi bis Indian und komplette Eigenbauten ist alles vertreten. So lassen sich viele Ideen und Eindrücke sammeln. Wer zum ersten mal hier ist, dürfte von den Eindrücken förmlicher erschlagen werden. So viel kreatives Potenzial auf zwei Rädern - toll!
Keine reine Harley Davidson-Messe mehr
Am ersten Tag ist dann auch Zeit die ganzen Stände zu besuchen. Zweieinhalb Hallen sind satt gefüllt mit vielen grossen Namen der Szene aber auch der ein oder andere kleinere, weniger bekannte Customizer präsentiert sich erstmals auf der Messe. Schade ist, dass es unter den Zubehörherstellern weniger geworden sind. Jekill & Hyde hat hierbei den grössten Stand und Outdoor gibt es Live-Soundproben. Wunderkind zeigt einige Preziosen an Frästeilen, Spiegeln und Lenkern. Axel Jost und Odin von der Elektronikbox haben neben dem besten Espresso auch eine irre Menge an Knowhow im Gepäck und zeigen Wege, wie man das Custombike clean bekommt.
Reifen, offene Beltabdeckungen, aus dem vollen gefräste Felgen, Lenker, Blinker - alles da. Soundanlagen, deren regelmässiges Vorführen den Schallpegel deutlich heben, machen nicht jeden Standnachbarn glücklich aber auch hier finden sich Interessierte. Es haben aber auch fast alle Bikebuilder Zubehör im Angebot, von Auspuffanlagen und Blinkern, gefräste und geschweisste Lenker über Rahmenhecks und Umbaukits bieten selbige die volle Bandbreite. Airbrusher, Beschichter und Sattler runden die handwerkliche Vielfalt ab. Witzig sind auch die Custom Möbel von Wohnen nach Wunsch. Wer sich fragt wo die ganzen edlen Schraubverbindungen wohl des ein oder anderen Bikes zu finden sind, findet bei Screws4Bikes Hilfe. Eine sehr coole Idee sind die Airbrushkurse im unteren Bereich und finden auch guten Anklang, noch dazu geht die Kursgebühr von fünf Euro an einen guten Zweck.
Interessant ist auch, dass alle hier vertretenen Aussteller, egal ob Zubehör oder Customizer, auf eine hohe Fertigungstiefe und "Made in Germany" oder "Made in Europe" Wert legen. Die Qualität wird hoch gehalten und erschwert es den Billigheimern aus dem Netz so, sich auf die Messe zu wagen. Auch haben die Firmen wirklich kompetentes Personal mit technischem Knowhow am Stand und die Beratung zeigt sich auf entsprechend hohem Niveau. Es wird sich nicht gescheut auch mal einfach auf einen Mitbewerber zu verweisen, wenn das passende Teil nicht im Programm ist. So ist das in einer eingeschworenen Szene eben.
Wo steht die Szene und die Messe nun? Der Privatbereich der Schrauber ist mittlerweile auf extrem hohem Niveau und zieht gerade mit den Mofas und Mopeds auch jüngere Leute auf die Messe und zum Custombike. Inspirationen gibt es auf der Messe wie Sand am Meer, auch wenn sich neben Kawasaki gern noch andere Serienhersteller zeigen dürften und der grosse Hype zurückgeht, ist die Szene lebendig und vielfältig wie nie. Dazu lassen wir aber nun ausgewählte Profis zu Wort kommen.
Stimmen aus der Custom-Szene von der Messe
Wir sind auf der Messe, um unsere Philosophie vom erschwinglichen Harley Custom zu präsentieren und die Marke H-Town Customs bekannter zu machen. Dafür ist die Messe top und wir treffen auf ein sehr breites Publikum. Klasse ist, dass das Publikum - auch bei Harley - immer jünger wird. Nico Schröder, H-Town Customs (Isernhagen)
Der Wandel einer eher reinen Harleymesse in den letzten 20 Jahren zu einer sehr vielfältigen Ausstellung freut mich. Der Custombereich entwickelt sich auch generell zu einer extrem markenoffenen Welt, wobei sich der Markt aktuell nach dem grossen Hype wieder natürlich ausdünnt. Markus Walz, Walzwerk (Hockenheim)
Das Thema Customizing ist ungebrochen und eine Möglichkeit auch junge Leute zum Thema Motorrad zu bringen. Für uns ist Messe natürlich auch ein perfekter Saisonabschluss und die Möglichkeit Freunde zu treffen. Katharina Weber, Chefredakteurin Custombike Magazin, Garage 21 Verlag
Ich bin positiv überrascht über den Erfolg bei der jüngeren Generation auf der Messe, die Resonanz auf unseren Messeauftritt und unsere Teile. Die Begeisterung ist zu spüren und feuert mich und das ganze Team weiter an, immer wieder Neues zu schaffen. Fred Kodlin, Kodlin Motorcycles
Das Thema Customizing/Individualisierung ist nach wie vor auf einem hohen Niveau. Erstaunlicherweise ist zu spüren, dass es mittlerweile auch von der Jugend aufgenommen wir, was uns natürlich sehr freut. Die Messe selbst ist sehr hochwertig besetzt was die Aussteller betrifft und das Publikum ist nicht nur zahlreich, sondern auch sehr interessiert und fachkundig. Besonders hervorzuheben ist der Mofa-Build-Off, der der Jugend eine extra Bühne bietet. Detlef Achterberg, Wunderkind/ABM
Die Messe ist für uns eine sehr schöne Pflichtveranstaltung und wir freuen uns extrem hier zu sein. Die Organisation ist top und das Publikum breit gefächert. Die Customszene hat sich zwar etwas gesund geschrumpft aber lebt vor allem durch die Vielfalt und die Jugend mit ihren neuen Ideen. Manuel Brückner, Brückner Manufaktur
Ich bin zum ersten Mal hier und es läuft super. Den Wandel in der Gesellschaft spüre ich in der Szene schon, aber meine Kundschaft ist konstant und die Customszene ist nach wie vor super interessant, weil sie jeden anspricht und der Wandel des Images von BMW auch unserer Szene gut getan hat. Ralf Eggl, Woidwerk
Die Custombikemesse ist für die Szene unverzichtbar hier kommt zusammen, was zusammengehört. Jedes Jahr geben wir bei Thunderbike alles und präsentieren eine Vielzahl neuer Custombikes. Es ist grossartig zu sehen, dass das Interesse weiterhin so stark ist und die Leidenschaft für individuelle Zweiräder lebendig bleibt. Andreas & Kim Bergerforth, Thunderbike