Mex zu Besuch beim Terra X-Dream Endurotraining von Joe Lechner
Ein - im wahrsten Sinne des Wortes - steiles Wochenende!
Mit dem Motorrad in 's Gelände - das hat mich schon immer interessiert. Ich fand´s verrückt wie manche Typen da scheinbar die Grenzen der Physik ausser Kraft setzen konnten... Um mich dem Thema mal unter professioneller Aufsicht anzunähern, entschied ich mich für ein Endurotraining bei Joe Lechner und den Jungs von Terra X-Dream.
Es war einmal...
Der Wunsch nach einer Kindercross in jungen Jahren blieb leider immer ein unerfüllter, da halfen auch die regelmässigen Briefe ans Christkind nichts. Es mussten also ein paar Winter ins Land ziehen, bis ich endlich auf Omas Puch Maxi mit den Zehenspitzen Bodenkontakt herstellen konnte. So startete ich damals meine Wald und Wiesen Offroad-Karriere. Lehrreiche Zeiten waren das - der Helm vom Vot' so gross, dass ich ihn einmal am Kopf herumdrehen konnte und mit den 1,6 PS erschien sogar die Puch als reisserisches Eisen.
Mit 16 musste dann natürlich ein richtig heisses Moped her. Das einzige was damals ernsthaft geländetauglich war, nannte sich Fantic Caballero - Ausstattungsvariante "Competizione". Ein italienischer Kaffeemaschinen Guru, der hobbymässig selbst 50ccm-Enduro-Rennen fuhr, liess die alte Traditionsmarke neu auferstehen. Teuer und edel waren nicht nur seine Espresso Geräte - für die 50er Eisen in Top-Ausstattung waren ganze 4700 Flocken auf den Tisch zu legen. Die neidischen Blicke am Schulparkplatz aber allemal das Geld wert. Ich zahle übrigens immer noch die Schulden bei meinen Eltern ab...
Heute fehlt oft die Zeit
Im Berufsleben, als Schreibtischtäter bei 1000PS, mangelt es hauptsächlich an Zeit fürs Endurisieren. Bus ausborgen, Bike organisieren, Anreise zur Strecke, etc. Aber umso mehr schätze ich dann jene Tage, an denen es soweit ist, wieder losen Untergrund unter den Rädern zu spüren. Sofort fühle ich mich wieder als 12-jähriger Puch Maxi Reiter - herrlich.
Wie aus den letzten Zeilen hervorgeht, ist das Thema Enduro kein ganz neues für mich. Bis vor kurzem schmückte auch eine 250er 2-Takt Husqi meine Garage. Wobei das Wort Schmuck hier wörtlich zu verstehen ist. Bewegt habe ich Sie dreimal im Jahr - davon zweimal um Staub zu wischen.
Ab zum Training
Endlich. Vergangenes Wochenende ging es dann mit voller Motivation zum Terra X-Dream Endurotraining nach Wimpassing. Mit den Tipps und Tricks der Profis werde ich sofort jeden, noch so langen, Steilhang bezwingen. Die frisch aus dem Husqvarna Flagshipstore in Vösendorf eroberte FE 350 wird mir dabei helfen.
Nach einem kurzen Willkommensplausch war erst mal aufwärmen angesagt. Die paar Streck-, Dehn- und Sprungübungen in voller Montur drückten mir schon die ersten Schweissperlen auf die Stirn. Es sollte noch ein langer, anstrengender Tag werden...
Start in der Einsteigergruppe
Um einen bestmöglichen Überblick vom Training zu bekommen, entschied ich mich dafür, den Vormittag bei den "Anfängern" mitzufahren. Konnte schliesslich auch nicht schaden wieder langsam in Schwung zu kommen.
Los ging 's mit den ersten Basics am Bike. Zielbremsen aus etwa 70 km/h auf losem Untergrund und anschliessend einen Slalom mit variierenden Radien - hier wurden auch gleich die ersten Mängel aufgedeckt. Blicktechnik war gefragt und weit vorausschauen die Devise. Als dies nach ein paar Durchgängen verinnerlicht war, ging ´s dann gleich an den Feinschliff mit zusätzlichm gezielten Druckgeben auf den Fussrasten. Auch Gleichgewichtssinn sowie etwas Fingerspitzengefühl an Gas und Kupplung war beim langsamen manövrieren um die Hütchen gefragt.
Als Vorbereitung auf die langen, steilen Auf- und Abfahrten durften wir an kleinen Hügeln üben. Lektion Eins war das Einfedern beim Anfahren eines Hügels. Durch kurzzeitige, ruckartige Gewichtsverlagerung kann so punktuell bessere Traktion am Hinterrad aufgebaut werden und das Erklimmen des Hügels vereinfacht sich deutlich. Bergab ging es darum, möglichst viel vom Fahrergewicht ans Heck zu verlagern und mittels Hinterradbremse ein kontrolliertes Hinabrollen bzw. -rutschen zu ermöglichen.
Endlich Steilhänge
Dann durften wir an die Steilhänge. Mit Respekt im Gedanke und Angstschweiss in der Hose startete ich - und... es ging erstaunlich gut. Die kleinen Tipps von vorhin bewirkten ein relativ müheloses Hinauf und Hinunter. Aber das waren ja noch "die Kleinen" hiess es dann vom Instruktor. Er sollte Recht behalten...
Nach der Mittagspause zu den Fortgeschrittenen
Am Nachmittag ging 's nämlich zu den grossen Jungs in die "Profigruppe". Da wehte ein anderer Wind. Die gefahrenen Sektionen wurde um einiges technischer, der Untergrund oft sehr lose und die Steilhänge knifflig. Mehr als 30 Grad Aussentemperatur machte die Sache auch nicht einfacher und ich stiess hier bald körperlich an mein Limit. Willkommen war mir jeder schattenspendende Grashalm.
Genauer untersuchte ich auch noch den ein oder anderen Kieselstein am Boden der Steilhänge. Die Konzentration voll aufrecht zu erhalten wurde schwieriger und die Umfaller häuften sich. Rückwirkend betrachtet war die Blicktechnik für mich eindeutig der Schlüssel zum Erfolg. Einen Hang musste ich drei Mal in Angriff nehmen (und drei mal stürzen) um dann endlich meinen Blick von der einen ausgewaschenen Rinne loszureissen, die es unbedingt zu umfahren galt. Blick weit voraus und immer die geplante Spur anvisieren, ermahnte ich mich selbst beim letzten Versuch. Siehe da - es klappte, ein Erfolg. Die Puch Maxi Oma wäre stolz wenn sie mich jetzt sehen könnte.
Empfehlung für Jedermann und Frau
Im Allgemeinen kann ich das Training jedem versierten Motorradfahrer echt empfehlen. Die Heizerei im Gelände macht erstens richtig Spass und zweitens trägt auch vieles vom Erlernten zur allgemeinen Fahrzeugbeherrschung und zur Fahrsicherheit im Alltag bei. Endurofahren ist auch gesellschaftlich immer eine tolle Sache. Wenn du irgendwo hängst wird dir jederzeit geholfen und auch am Abend gibt's ein gemütliches Zusammensein, wo man mit Gleichgesinnten das Erlebte Revue passieren lassen kann.
Für das Training ist nichtmal eine eigene Enduro zwingend erforderlich. Für relativ geringes Geld gibt es ein aktuelles Husqvarna Bike sowie allerlei Protektoren und Bekleidung aus dem Fuhrpark von Terra X-Dream zum Ausleihen. So kann auch wirklich jeder Interessent mal einen Schnuppertag einschieben, ohne sich selbst gleich die volle Ausrüstung kaufen zu müssen.
Reiseenduros ebenfalls gerne gesehen
Auch für Grossenduros wie die BMW GS Modelle, KTM Adventure oder Honda Africa Twin bietet Terra X-Dream das Training an. Perfekt als Vorbereitung für längere Reisen mit Offroad-Anteil oder Rallyes. Ich war teils richtig verwundert was man mit den dicken Dingern alles schafft - etwas Mut und Übung natürlich vorausgesetzt.