Rallye Dakar 2024 - Ricky Brabec holt sich den 2. Dakar-Sieg!
Der Amerikaner mit der besten Taktik bei der härtesten Rallye
Ricky Brabec holt sich zum zweiten Mal die Krone bei der Dakar - nach 2020 siegt der Amerikaner erneut bei der Dakar 2024! Vor der letzten Etappe, die er souverän und taktisch klug auf dem 7. Platz beendet, lässt er weise Worte verkünden, die das Credo der Dakar bestens beschreiben: „Das erste grosse Ziel bei der Dakar ist der Ruhetag, das nächste Ziel ist dann die endgültige Zieldurchfahrt. Wobei jeder, der das schafft, Sieger der Dakar ist!“
Wenn man sich die minimalen Zeitabstände zwischen den Fahrern über viele Etappen hinweg ansieht, war es vielleicht die härteste Rallye Dakar aller Zeiten - weil das Niveau bei den Top-Piloten derart hoch war, dass es sich über viele Etappen hinweg eben lediglich um Sekunden drehte, was beim Rallye-Sport bisher nicht üblich war. Ricky Brabec bewies am Ende die beste Taktik, hatte aber natürlich auch das meiste Glück, denn viele seiner Konkurrenten hatten durch unerwartete Kleinigkeiten fatale Rückschläge. Wir analysieren die zweite Hälfte der Dakar bis zum endgültigen Sieg Brabecs!
Etappe 7 - die zweite Hälfte der Dakar 2024 beginnt!
Der Sieger der 6. Etappe, der Franzose Adrien Van Beveren auf Honda, startet in die zweite Hälfte der Rallye Dakar 2024 als erster und geht vor dem Australier Toby Price auf KTM und dem Amerikaner Ricky Brabec, ebenfalls auf Honda, in die 7. Etappe. Wie bereits in den Berichten der ersten Hälfte der Dakar 2024 erwähnt, geht es auch in der zweiten Halbzeit mit dem Bonussystem weiter, dass jener Fahrer, der die Etappe eröffnet, Zeiten gutgeschrieben bekommt - dafür, dass er eben als erster navigieren muss. Wird an der Spitze in einer Gruppe gefahren, bekommen alle Fahrer dieser Gruppe die Bonuszeiten.
Ricky Brabec hat die Hälfte der Führungskilometer von Nacho Cornejo!
Nach einer Woche Dakar gibt es natürlich auch schon eine Menge Statistiken, besonders interessant ist, dass Ricky Brabec zwar derzeit die Rallye anführt, dabei aber lediglich knapp 600 Führungskilometer vorzuweisen hat. Der Chilene Nacho Cornejo hat mit seiner Honda hingegen mit knapp unter 1200 Führungskilometern fast die doppelte Strecke vorzuweisen und ist trotzdem nur Vierter der Gesamtwertung! Man muss also nicht nur schnell, sondern auch schlau und taktisch bei der Dakar vorgehen. Für den Chilenen Pablo Quintanilla auf Honda kommt bei der 7. Etappe noch ein weiterer Fakor hinzu - er kann nach seinem Fauxpas des Ohne-Treibstoff-Liegenbleibens vom Vortag völlig befreit und ohne Leistungsdruck anrauchen und setzt sowohl beim ersten als auch zweiten Checkpoint sogleich die besten Zeiten vor Nacho Cornejo und dem Argentinier Kevin Benavides auf KTM.
Die 7. Etappe beschert uns ein rein südamerikanisches Podium
Schliesslich gewinnt Nacho Cornejo die 7. Etappe mit 32 Sekunden Vorsprung vor Kevin Benavides und über drei Minuten vor dem Argentinier Luciano Benavides auf seiner Husqvarna - also ein rein südamerikanisches Podium! Für Cornejo ist es der dritte Etappensieg und er verdrängt damit van Beveren auf den vierten Gesamtrang, bleibt aber hinter dem Gesamtführenden Ricky Brabec und dem zweitplatzierten Ross Branch aus Botswana, der mit seiner indischen Hero somit von einer vor ihm und drei hinter ihm liegenden Hondas umringt wird und gerade mal eine Sekunde (!) hinter Brabec liegt. Bester KTM-Pilot ist der Argentinier Kevin Benavides auf Platz Fünf. Gut, dass Pablo Quintanilla eine Topplatzierung bei der Dakar bereits abgeschrieben hat, ein weiterer Defekt kostet ihn erneut über eine Stunde und wirft ihn auf den 20. Gesamtrang zurück - nun direkt hinter den Österreicher Tobias Ebster auf KTM, der nun sensationell in die Top 20 aufgestiegen ist und nach Etappe 7 auf dem 19. Gesamtrang rangiert!
Etappe 8 - Doppelsieg für das Brüderpaar
Auf der zweiten Etappe nach dem Ruhetag zeigt sich wieder, dass man die Endabrechnung erst am Schluss machen sollte. Denn obwohl es im Laufe der 8. Etappe so aussieht, als würde Ricky Brabec einen deutlichen Vorsprung auf Ross Branch in der Gesamtwertung herausfahren, verliert der Amerikaner auf den letzten 50 Kilometern noch ordentlich Zeit und bringt am Ende einen Vorsprung von gerade mal 41 Sekunden vor dem Hero-Fahrer ins Ziel. Mit dem Etappensieg haben die beiden als Etappen-Sechster und -Siebenter aber ohnehin nichts am Hut, die beiden Benavides-Brüder machen sich den Sieg untereinander aus, wobei Kevin auf der KTM um 31 Sekunden die Nase vor Luciano auf seiner Husqvarna hat. Dritter wird van Beveren, Vierter Nacho Cornejo, gefolgt von Toby Price und dem Portugiesen Rui Goncalves auf seiner spanischen Sherco. In der Gesamtwertung ist der Abstand zwischen den beiden Spitzenreitern Brabec und Branch auf 42 Sekunden angewachsen - aber immer noch richtig eng beisammen. Tobias Ebster geht auf der 8. Etappe als 25. durchs Ziel und verliert in der Gesamtwertung einen Platz - bleibt aber immer noch höchst respektabel in den Top 20.
Etappe 9 - gemeinsam fährt es sich doch am schönsten…
Die 9. Etappe zeigt bereits erste Anflüge von vorsichtigem Taktieren jener Fahrer, die realistische Chancen auf den Gesamtsieg haben. Denn das Niveau ist nach wie vor enorm hoch, jeder Fehler wird hart bestraft. Da verliert man lieber die eine oder andere Sekunde, statt gleich mehrere Minuten durch einen vermeidbaren Fehler. Dennoch lässt sich der Gesamtführende Ricky Brabec auf seiner Honda nicht lumpen und legt bei den ersten beiden Checkpoints gleich mal knapp zwei Minuten Vorsprung gegenüber seinem ersten Verfolger Ross Branch vor, während van Beveren das Zepter bei der 9. Etappe in die Hand nimmt. Zwischenzeitlich wird der Franzose von Kevin Benavides eingeholt, allerdings ist es bei den Fahrern keineswegs unerwünscht, in einer Führungsgruppe zu fahren und nicht ganz alleine. Am Ende hat van Beveren aber die bessere Pace und holt sich den Etappensieg vor Brabec und Pablo Quintanilla. Im Gesamtklassement bleibt Brabec souverän vorne, baut den Vorsprung auf Branch auf über sieben Minuten aus, jenen auf van Beveren auf über 11 Minuten. Vierter bleibt Cornejo, an die fünfte Stelle rückt vor Toby Price dessen KTM-Teamkollege Kevin Benavides. Tobias Ebster, ebenfalls auf KTM, fährt wieder um eine Position nach vorne auf den 19. Gesamtplatz.
Etappe 10 - Honda macht Druck, Hero hält stand!
Das hohe Niveau der heurigen Dakar hinterlässt seine Spuren, zum einen können wir Zuschauer uns freuen, dass drei Etappen vor Schluss noch rein gar nichts entschieden ist, zum anderen ist der Druck auf die Fahrer enorm. Ricky Brabec etwa, der aktuell Führende der Dakar 2024, gibt zu Protokoll, dass diese Rallye vor allem wegen der hohen Leistungsdichte die bisher anspruchsvollste seiner Karriere ist. Dennoch wirkt der Amerikaner auch auf der 10. Etappe äusserst gelassen, bei den ersten Checkpoints hält er sich souverän auf dem zweiten Platz und macht sogar auf seinen ersten Verfolger in der Gesamtwertung, Ross Branch Zeit gut. Zwischenzeitlich nimmt sogar Adrien van Beveren Branch den zweiten Gesamtrang ab, am Ende bleibt der Hero-Pilot aber doch noch 52 Sekunden vor dem Franzosen. Ricky Brabec macht seine Sache jedenfalls goldrichtig, der Honda-Werksfahrer baut mit diesem Etappensieg seine Gesamtführung auf über 10 Minuten vor Branch und fast 12 Minuten auf seinen Teamkollegen van Beveren aus. Der drittbeste Honda-Fahrer Nacho Cornejo hat sich auf dem vierten Platz eingenistet, auf Platz 5 folgt Kevin Benavides als bester KTM-Pilot, gefolgt von seinem Teamkollegen Toby Price. Auf den Rängen 7 und 8 folgen schliesslich zwei weitere Fabrikate der KTM Group, Luciano Benavides auf seiner Husqvarna und Daniel Sanders auf seiner Gasgas.
Etappe 11 - wieder hat ein kleiner Defekt eine grosse Wirkung
Mit etwas mehr als 400 Wertungs-Kilometer ist die 11. Etappe die letzte längere Prüfung bei der diesjährigen Dakar. Da ist es eigentlich nur logisch, dass einige Fahrer bereits ordentlich taktieren - vor allem die Honda-Truppe hat die besten Karten, sich gegenseitig zu unterstützen. Der, mit einem guten Polster abgesicherte Führende Ricky Brabec kann natürlich auf die Unterstützung seiner Teamkollegen vertrauen und verhalf wiederum Adrien van Beveren beim Verkürzen des Rückstands auf den derzeit noch zweitplatzierten Ross Branch auf seiner indischen Hero. Nach seinem gestrigen Tagessieg muss Brabec zwar als erster ins Rennen gehen, profitiert aber wie schon bei allen vorherigen Etappen von den Bonuszeiten, die der Erststarter gutgeschrieben bekommt. Nach 115 Kilometern wird er von seinem Teamkollegen Nacho Cornejo eingeholt und die beiden wären vermutlich im Verbund weiter gefahren, allerdings ereilt den Chilenen plötzlich ein Problem mit der Spritpumpe an seiner Honda. Das Umfüllen des Treibstoffs aus dem Hecktank nach vorne erlaubt ihm zwar die Weiterfahrt, kostet aber natürlich Zeit und wirft Cornejos Ziele bei der Dakar 2024 über den Haufen. Besser läuft es da schon für Ross Branch, zur Hälfte der Etappe fährt er die beste Zeit und würde so seinen 2. Gesamtrang absichern - oder sogar Brabec gefährlich werden. Allerdings bekommt der Amerikaner eine Menge Bonuszeiten gutgeschrieben, die ihm fast erneut den Tagessieg bringen. Am Ende holt sich aber Branch den Sieg, 32 Sekunden vor Brabec und über drei Minuten vor van Beveren. Im Gesamtklassement hat Brabec immer noch mehr als 10 Minuten Vorsprung vor Branch, an dritter Stelle rangiert van Beveren, gefolgt von Cornejo, der nach seinem Problem als 15. Ins Ziel der 11. Etappe kommt. Gesamt-Fünfter ist der erste KTM-Pilot Kevin Benavides vor seinem Teamkollegen Toby Price und die beiden Kollegen aus gleichem Hause, Luciano Benavides auf Husqvarna und Daniel Sanders auf Gasgas.
Etappe 12 - Ricky Brabec holt sich mit seiner Honda souverän den Gesamtsieg!
Es war bei dieser ereignisreichen Dakar 2024 natürlich kein völlig aussichtsloses Unterfangen von Ross Branch, die über 10 Minuten Vorsprung von Ricky Brabec auf der letzten, 175 Kilometer langen Sonderprüfung abzufangen. Allerdings hat der Amerikaner bereits auf den vorherigen Etappen eine schlaue Taktik erkennen lassen - es wäre ungewöhnlich, wenn er es gerade auf der letzten Etappe nicht geschafft hätte, seinen Vorsprung zu verwalten. Da hilft es Branch auch nicht viel, dass er als Erststarter Bonuszeiten sammelt. Ein zwar nur kleiner, aber feiner Trost für die geschlagene KTM-Truppe (beste KTM Kevin Benavides auf Platz 5 im Gesamtklassement, dahinter Toby Price auf Platz 6, Luciano Benavides auf Husqvarna Platz 7 und Daniel Sanders auf Gasgas Platz 8) ist schliesslich der Doppelsieg auf der 12. Etappe durch Kevin Benavides und Toby Price. Für den Amerikaner Ricky Brabec auf Honda reicht aber der 8. Platz der Etappe um über 10 Minuten Vorsprung auf Ross Branch zu verwalten. Der Hero-Pilot aus Botswana wiederum kann sensationell auf seinem indischen Fabrikat seine Position gegen den, bei der Dakar 2024 Drittplatzierten Franzosen Adrien van Beveren auf der zweitbesten Honda verteidigen. Wir gratulieren Ricky zu seinem zweiten Gesamtsieg und Honda zum erneuten Sieg bei der Dakar - schön, dass die Japaner aktuell mit acht Siegen bei 12 Etappen beim Rallye-Sport ihr Potential zeigen können, wenn es in anderen Klassen gerade nicht so rosig läuft. Aber Achtung, KTM wird die erneute Niederlage wohl nicht auf sich sitzen lassen wollen und bei der Dakar 2025 wieder mit einem mächtigen Aufgebot zurückschlagen!
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